Anschlag statt Weihnachtsbummel: Gewalt schockiert Lüttich

Von: Elke Silberer, dpa
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lüttich Attentat
Großeinsatz: Belgische Polizei umstellte das Gelände in der Lütticher Innenstadt, während Rettungsdienste die rund 75 Verletzten in Sicherheit brachten. Foto: dpa

Lüttich. Lüttich hält den Atem an. Tod und Gewalt haben die Stadt im Griff. Für die Menschen kommt die quälende Unsicherheit dazu. Verbrechen oder Terror? Zunächst scheint alles möglich.

Später stellt sich heraus: Es war ein Einzeltäter, ein 33-Jähriger Mann. Einen terroristischen Hintergrund des Blutbades in Ost-Belgien gibt es nicht, versichern die Behörden. Vier Menschen sterben, darunter der mutmaßliche Täter, 75 weitere werden verletzt.

„Wäre ich zwei Stunden früher unterwegs gewesen, hätte es mich vielleicht getroffen”, meint Claire atemlos, während von hinten ein Polizist zum Weitergehen drängt. Die junge Frau, die zur Arbeit geht, ist schockiert. „Das macht mir Angst. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll”, sagt sie.

Die Buden auf dem Weihnachtsmarkt im Schatten des mächtigen Justizpalastes sind vernagelt. Ein Polizist mit einem Maschinengewehr verhindert, dass jemand durch die Absperrung geht. „Ich habe eine Explosion gehört”, sagt Joseanne, die im Gericht arbeitet. Vom Fenster aus hat sie gesehen, wie sich die Besucher vom Weihnachtsmarkt drängten, alle wollten nur noch weg. In Blickweite der Budenstadt starben Menschen oder rangen um ihr Leben.

Die Stadt sieht noch immer weihnachtlich aus: Lichterketten in den Bäumen, Weihnachtsschmuck in der Geschäftsstraße - aber in den Stunden wirkt sie geisterhaft. Sie Straßen sind leer, die Läden erleuchtet, keine Kundschaft.

Die Polizei hat die Bürger aufgefordert, Zuhause zu bleiben. Einige sind trotzdem unterwegs. Sie hasten nicht. Sie schauen oder wirken betroffen, nachdenklich, traurig. Es fahren keine Busse mehr, sie stehen im Depot. Hinter fast geschlossenen Jalousien schauen Bürger hervor. Einige sind von der Straße irgendwo reingelaufen, nur weg - die Stadt ist anders.

Polizei-Fahrzeuge und Rettungswagen jagen mit heulenden Sirenen durch die Stadt, Blaulicht allenthalben. Über dem Zentrum steht ein Polizeihubschrauber. Die Bedrohung ist nicht zu sehen, aber jeder spürt sie.

Plötzlich sind Sprengstoffexperten am Tatort. Die Polizei sperrt noch großräumiger ab als zuvor. Ein Beamter vertreibt eine Frau, die etwas zu spät reagiert. Sie wirkt angespannt. Die Experten vermuten Bomben in einem Auto. Alles scheint möglich an diesem Tag, auch noch Schlimmeres.

Der Anschlag hat die Menschen erschüttert. Auf eine kurze Frage sprudelt es aus einem Mann heraus: „Es hat eine Explosion gegeben. Menschen haben geschrien.” Einen Moment lang entgleiten ihm die Gesichtszüge. Er holt Luft. „Es ist schrecklich.”

Wie ein Fünkchen Weihnachten wirkt die Geschichte von Sabine. Sie war mit ihrer Schwester einkaufen, hat sie im Gewühl verloren - wiedergefunden, unverletzt, heil. Die Polizei schaffte sie in ein Café. Sie mussten warten, zwei lange Stunden. Jetzt dürfen sie gehen. Sie sind zusammen.
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