Aachen - Anlagebetrug: Ludger W. rechnet ab

Whatsapp Freisteller

Anlagebetrug: Ludger W. rechnet ab

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Der Aachener Anwalt Michael P. (50) hat am Dienstag vor der 1. Großen Wirtschaftsstrafkammer am Aachener Landgericht gestanden, bei dem mutmaßlichen Millionenbetrug seines Mandanten Ludger W. (55) mitgemacht zu haben.

P. soll laut Anklage der verlängerte Arm des wegen Betruges in der Aachener JVA einsitzenden Ludger W. gewesen sein. Der Anwalt äußerte sich als erster überhaupt zu den Vorwürfen. Anwalt P. und der Gefangene W. sollen mit Hilfe eines mitangeklagten Brüderpaares aus Bayern bei Anlegern bis zu vier Millionen Euro eingesammelt und teilweise veruntreut haben. Rund 2,8 Millionen Euro sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch vorhanden.

„Die Vorwürfe akzeptiere ich, für den Schaden trage ich die Verantwortung”, sagte er zum Vorsitzenden Richter Harald Brandt. Der Richter und die Kammer hatten bereits diverse Ablehnungsanträge überstehen müssen, bevor das Verfahren überhaupt starten konnte. P. hatte seiner Aachener Hausbank ein sogenanntes „Anderkonto” für Fremdgelder und Depots zum Aktienhandel eingerichtet. Er sei „absoluter Laie” bei solcher Art von Banken- und Anlagegeschäften gewesen. Wie denn so alles anfing, wollte Richter Brandt wissen.

Der Häftling habe ihn in die JVA kommen lassen. Dann habe W., der selbst Jurist ist und sogar Bücher über Geldanlageformen geschrieben hat, glaubhaft und nachvollziehbar erklärt, P. solle sich um die Veröffentlichung seines neuen Buches und um diese Geldanlagen kümmern. Sie seien völlig legal, er wolle vor seiner Entlassung Geld für seine künftige Existenz verdienen.

Dass Häftling W. in Sicherungsverwahrung einsaß und wegen Betruges einschlägig vorbestraft war, habe er nicht gewusst. „Das habe ich nicht geprüft”. Und das müsse er sich heute vorwerfen. Ludger W. kam danach an die Reihe. Der in Geldgeschäften absolut fitte Inhaftierte warf mit Fachbegriffen um sich, skizzierte, wie er den biederen Aachener Anwalt gefunden hatte und wie dieser zu seinem völligen Erstaunen „gierig”, so W., wurde und aus dem Ruder lief.

„Ich wollte legale Geschäfte organisieren”, erklärte der Jurist beinahe flehentlich. Doch Anwalt P. habe skrupellos Geld für sich selbst abgezweigt. Beinahe spöttisch berichtete W., der Anwalt habe damit im Frühjahr 2008 seine Auslagen als Karnevalsprinz bestritten. Auch habe er seine Arbeit im Anlagegeschäft schlampig gemacht. „Ihm fehlten andauernd Belege und sogar Kontoauszüge”. Das Geld wurde schließlich in die Schweiz transferiert. Dort machte das mitangeklagte Brüderpaar weiter. Auch hier wurde Fachmann W. völlig enttäuscht: „Ich habe nicht zu verantworten, dass sie sich dicke Limousinen zulegten.”

Der wegen Geldwäsche angeklagte zweite Aachener Anwalt Rainer D. (49) habe von all dem nichts gewusst, erklärte W.. Er habe Geld bekommen „für Honorare, die sich für sein Mandat gegenüber meiner Person seit 1998 angesammelt hatten”. D. habe ihm sogar des Öfteren ins Gewissen geredet. Schon deshalb habe er ihm nichts über seine Aktivitäten aus der JVA heraus erzählt. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert