Anlagebetrüger weint vor Gericht

Von: wos
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Aachen. Der 59-jährige Aachener Finanz- und Immobilienmakler Norbert H. hat am Donnerstag vor dem Landgericht Aachen Anlagebetrügereien in Millionenhöhe gestanden.

Er habe Kunden mit acht- bis zehnprozentigen Renditen gelockt. Ihre Gelder habe er entgegen seinen Versprechungen nicht angelegt, sie stattdessen in seine Firmen gesteckt und sein luxuriöses Privatleben davon bezahlt.

Nur wenn Gläubiger drängten, zahlte er kleine Beträge zurück. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage von 97 Betrugsfällen und einem Schaden von 2,5 Millionen Euro aus. Ziehe man die verjährten Fälle dazu, liege der Schaden bei weit über drei Millionen Euro, rechnete der Vorsitzende Richter Wolfgang Bender vor.

Entsprechend herrschte ungläubige Stille im Saal, als Norbert H., 59, mit einer verschämten Träne im Auge flüsterte: „Ich bin jetzt völlig mittellos.” Die durch Zinsen aufgelaufenen Gesamtschulden des Angeklagten wurden vom Richter auf beinahe zehn Millionen Euro geschätzt.

Im Frühjahr 2007 hatte der in der Aachener Society wohlgelittene Mann mit einer Privatvilla in Übach-Palenberg den Offenbarungseid abgelegen müssen, Anfang August dann folgte seine Festnahme.

„Haben Sie denn das alles nicht schon lange bemerkt?”, fragte Richter Bender, ansonsten Vorsitzender einer Kammer für Handelssachen, verwundert, „ein Blick auf ihre Konten hätte ihnen doch schnellstens die Augen öffnen müssen!” Die Augen wollte H. wohl seit 20 Jahren nicht öffnen, zu reizvoll war das schöne Leben, beispielsweise als Bonvivant, der Restaurantbesuche und Mallorcawochenenden liebte.

Zu sehr hatte der gelernte „Zolldeklarant” sich - in zweiter Ehe mit einer 20 Jahre jüngeren Frau verheiratet - an den geldzehrenden Lebensstandard gewöhnt, sang jedoch ebenso brav im Kirchenchor seiner Gemeinde. Alles habe mit seiner Scheidung 1988 begonnen, da habe er mit 100.000 Mark bluten müssen.

Das Betrugsverfahren ist auf 18 Tage angesetzt und wird am kommenden Montag um 9 Uhr fortgesetzt.
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