Aachen - Angeklagter bricht sein Schweigen

Angeklagter bricht sein Schweigen

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Stockend, gehemmt und sichtlich beeindruckt von der Kulisse vor dem Aachener Schwurgericht hat der Mordangeklagte Manfred K. (40) am Dienstag sein Schweigen gebrochen - überraschend, weil er eigentlich nichts sagen wollte.

Mitte Dezember schon hatte seine mit angeklagte Ehefrau Andrea K. (35) die 20 Jahre zurückliegende Tötung eines Mannes in Düren-Nörvenich gestanden.

Damals lebte das jugendliche Paar auf der Kölner Domplatte und war mit dem 61-Jährigen, der die Jugendlichen zuvor freigehalten hatte, nach Hause in seine Nörvenicher Wohnung gefahren. Als Andrea K. badete, so ihre Aussage, näherte sich ihr der Gastgeber plötzlich völlig nackt. Als sie schrie, kam es zum Kampf, der mit dem Tod des Opfers endete.

„Ich kann mich an vieles nicht mehr erinnern”, berichtete der noch heute eher schmächtige Mann stockend. Er wollte damals nicht zulassen, dass seine Freundin von dem Werkzeugmacher Iwan P. „angegrabscht” werden sollte und stellte sich ihm in den Weg. Es kam zu einem tödlichen Kampf in dem Apartment, der schließlich auf einem Bett in der Schlafnische des Wohnzimmers endete. „Wer hat denn zugestochen”, wollte der Vorsitzende Richter Gerd Nohl wissen.

„Ich habe nicht gestochen”, erklärte der Angeklagte beinahe flüsternd, wohlwissend, dass seine Ehefrau - das Paar lebt seit 20 Jahren völlig unauffällig mit Kind und Hund in einer Kölner Mietwohnung - die Stiche in den Körper von Iwan P. bereits gestanden hatte. „Wer war denn stärker?” bemühte sich das Gericht um eine objektive Einschätzung der Kräfteverhältnisse bei dem Todeskampf. „Ich bin auch heute nicht besonders schwer. Damals wog ich 60 Kilo”. Und er war drogen- und alkoholabhängig, stotterte er.

Als er sich nach den Stichen immer noch rührte, fesselte man den Mann an den Händen und mit einem Knebel. Das bestätigten Zeugen wie der Bruder und der Schwager des Opfers, die am 14. Dezember 1989 - zwei Tage nach der Tat - die Leiche fanden. „Ich kann mich dann nur noch erinnern, dass wir alles vom Tisch mitnahmen und mit dem Wagen wegfahren wollten.” Sie fanden den Rückwärtsgang nicht und mussten zunächst schieben, dann ging es zurück nach Köln.

Altfall aufgerollt

Der 61-Jährige war damals, das ergab die Zeugenaussage eines Zechkumpans, des Öfteren in der Stricher- und Prostituiertenszene Ende der 1980er Jahre rund um den Kölner Hauptbahnhof als Freier unterwegs und soll insbesondere junge Mädchen bevorzugt haben. Der Kripobeamter berichtete, wie überrascht man war, als sich im Juni 2009 plötzlich Andrea K. mit ihrem Anwalt meldete und ein Geständnis ablegte.

Die Beamten hatten Monate zuvor den „Altfall” wieder aufgenommen und mit moderner Technik DNA-Spuren konserviert. Tatsächlich stellte sich später heraus, dass die unter den Fingernägeln des Opfers und an einer Zigarettenkippe gefundene DNA Manfred K. zuzurechnen war. Wie Andrea K. war er unter 30 weiteren Personen für ein Massenscreening vorgesehen. Manfred K. wartete zu Hause auf seine Festnahme. Der Prozess geht am Mittwoch weiter.
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