Angebliche Baumängel an Kölner Moschee: Architekt gekündigt

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Wegen „gravierender Mängel” beim Bau der Kölner Zentralmoschee hat die Bauherrin Ditib dem Architekten gekündigt. Die Zusammenarbeit mit dem Kölner Architekturbüro Paul Böhm wurde beendet. Foto: dpa

Köln. Wegen „gravierender Mängel” beim Bau der Kölner Zentralmoschee hat die Bauherrin Ditib dem Architekten gekündigt. Die Zusammenarbeit mit dem Kölner Architekturbüro Paul Böhm sei wegen steigender Kosten, Terminverfehlungen und mangelnder Qualität beendet worden, teilte eine Sprecherin der Türkisch Islamischen Union (Ditib) am Montag in Köln mit.

Dagegen sagte Böhm der Nachrichtenagentur dpa, die Ditib sei lediglich einer von ihm bereits ausgesprochenen Kündigung zuvorgekommen. „Seit über einem halben Jahr sind Honorare nicht gezahlt worden”, erklärte der Architekt. Die Baumängel seien lediglich ein vorgeschobener Grund.

Worin genau die „gravierenden Mängel” am Bau bestehen, konnte die Ditib auf Anfrage nicht erklären. Sie gingen aber aus externen Gutachten hervor, deren Inhalt der Verband allerdings nicht vollständig kenne, sagte die Sprecherin. Böhm zufolge geht es unter anderem um angebliche Mängel am verwendeten Beton. Das sei aber kein plausibler Kündigungsgrund, betonte der Architekt: „In dieser Größenordnung gibt es keinen Bau, bei dem es keine Baumängel gibt.”

Über einen Ersatz für den geschassten Architekten habe sich die Ditib noch keine Gedanken gemacht, erklärte die Sprecherin des Verbands. „Einen seriösen Nachfolger für uns wird man auch nicht finden”, sagte Böhm dazu. „Wer wird sich denn dafür hergeben, sowas zu machen?”

Die Zusammenarbeit mit der Ditib sei seit einem Vorstandswechsel im August 2010 äußerst schwierig geworden, sagte Böhm. Mit dem neuen Personal sei aufseiten des Verbandes „ein erheblicher Informations- und Know-How-Verlust eingetreten”, erklärte der Architekt. Der neue Vorstand habe „überhaupt keine Vorstellung, was es heißt, ein solches Haus zu bauen und zu planen”. Der Ditib zufolge werden die Arbeiten nun zunächst ohne Architekt fortgesetzt: „Der Bau geht in unverändertem Tempo weiter”, sagte die Sprecherin. Diesen Plan bezeichnete Böhm als unmöglich. Er erwarte schon jetzt eine langwierige juristische Auseinandersetzung.

Nach Protesten und langer politischer Diskussion hatte der Kölner Stadtrat im August 2008 den Moscheebau genehmigt, Richtfest war im vergangenen Februar. Das Bauwerk soll mit einer 37 Meter hohen Kuppel und zwei 55 Meter hohen Minaretten eine der größten Moscheen in Deutschland werden. Die Bauherrin Ditib wird vom türkischen Staat mitfinanziert und ist in Deutschland der größte muslimische Verband.
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