Münster - An NRW-Unis studieren kaum Niederländer

An NRW-Unis studieren kaum Niederländer

Von: Carsten Linnhoff
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Münster. Bürokratie, unterschiedliche gesetzliche Vorgaben und die Sprache behindern einen größeren Austausch zwischen den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden.

Diese Punkte benannten Experten auf einer deutsch-niederländischen Hochschulkonferenz am Montag in Münster als Knackpunkte für eine engere Verzahnung der Hochschulen. Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) forderte deshalb den weiteren Ausbau besonderer Studienangebote, um die Mobilität der Studierenden zwischen den Nachbarländern zu vergrößern.

Nur rund 600 Studenten aus den Niederlanden kommen nach NRW. Gut 100 davon an die RWTH Aachen. Dreimal höher ist in NRW die Zahl bei Griechen oder Studenten aus der Ukraine. Insgesamt haben 11,2 Prozent aller Studenten keinen deutschen Pass.

Als Studienort für ausländische Studenten ist das Land also attraktiv. Im Bundesvergleich sind im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW mit 76.000 die meisten ausländischen Studenten eingeschrieben. Warum das Interesse bei den jungen Holländern so gering ist, ist auch für die niederländische Wissenschaftsministerin Jet Bussemaker ein Rätsel.

„Ich habe auf diese Frage keine Antwort“, sagte sie in Münster. Bekannt ist ihr das Problem aber längst. Ihr Haus hatte 2013 zusammen mit dem Deutschland-Institut in Amsterdam eine zentrale Anlaufstelle mit dem Namen „Deutschlanddesk“ ins Leben gerufen, um über Studienmöglichkeiten in Deutschland zu informieren.

Ein holländischer Wirtschaftsvertreter aus der Grenzregion beklagte bei der Konferenz die mangelnde Bereitschaft vieler junger Niederländer, Deutsch zu lernen und forderte Bussemaker auf, daran zu arbeiten. Die Ministerin wies dies aber zurück. „Wir können dies nicht gesetzlich steuern. Viele Schüler lernen heute Chinesisch oder andere Sprachen, die in der Wirtschaftswelt wichtig sind.“

Bürokratieabbau und einheitliche Regelungen waren die vordringlichsten Wünsche der rund 130 Konferenzteilnehmer. Ein Hochschulvertreter beklagte das länderübergreifende Gerangel. „Nachdem wir einen neuen gemeinsamen Master-Studiengang eingeführt hatten, musste die erste Absolventin monatelang auf ihre Urkunde warten. Es gab Streit um die Frage, welches Datum die Urkunde tragen soll“, erzählte der Uni-Vertreter.

Kooperationen über Grenzen hinweg

15 Hochschulen aus Nordrhein-Westfalen kooperieren in der Lehre bereits eng mit Hochschulen in den Niederlanden. An der Spitze der Bewegung stehen die Universitäten Münster und Aachen. Nach Auskunft des NRW-Wissenschaftsministeriums gibt es aktuell mehr als 30 gemeinsame Studienangebote mit verschiedenen niederländischen Hochschulen.

An der RWTH Aachen existieren nach deren Angaben drei Kooperationsstudiengänge, an der FH Aachen einer. Die RWTH arbeitet zudem an einem Programm, mit dem Doktoranden einen Doppel-Doktortitel in Aachen und Maas­tricht erwerben könnten. Auch die FH plant, die Kooperationsangebote auszubauen, und möchte mehr niederländische Studenten für ein Studium in Aachen gewinnen.

Rund 25.000 deutsche Studenten sind an einer Hochschule in den Niederlanden eingeschrieben. Unklar sei dabei, wie viele von ihnen aus NRW kämen, sagt eine Ministeriumssprecherin. Es werde nicht nach dem Bundesland gefragt.

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