Ampeln aus: Weniger Strom, mehr Ärger

Von: Sarah Thelen und Maximiliane Koschyk
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Das NRW-Verkehrsministerium mischt sich ein: Nachts dürfen nicht mehr alle Ampeln ausgeschaltet sein. Foto: dpa

Düsseldorf. Jede Nacht zwischen 22 und 0 Uhr gehen in Aachen mehr als zwei Drittel der 228 Ampeln aus. Doch nicht wegen Stromausfalls: Die Stadt will sparen, rund 15 Prozent der Betriebskosten einer Ampelanlage pro Jahr.

Die nächtliche Ampelabschaltung ist in vielen deutschen Kommunen gängig. Auch Umweltargumente sind im Spiel: Weil die Autos kürzer oder gar nicht halten, sei der Schadstoffausstoß geringer.

Unfallforscher Siegfried Brockmann kennt die Argumente, doch ihm kommt die Sicherheit zu kurz: „Ohne Ampeln ist die Unsicherheit an Kreuzungen nachts doppelt so hoch”, sagt Brockmann, der für die Unfallforschung der Versicherer (UDV) arbeitet. In einer Studie untersuchte der UDV bereits 2007 in Dresden die Auswirkungen von nachts abgeschalteten Ampeln auf die Unfallstatistik: 300 Verkehrsunfälle pro Jahr, mehr als 100 Verletzte. „Diese Statistiken lassen sich ohne Weiteres auf andere Großstädte übertragen”, sagt Brockmann. In Duisburg etwa wurden 2009 bei 65 Verkehrsunfällen nachts über 40 Menschen verletzt, vier von ihnen schwer.

Grundsätzlich sieht die Straßenverkehrsordnung vor, Ampeln dauerhaft in Betrieb zu halten. Eine Abschaltung bei Nacht ist nur in Ausnahmen und bei einzelner Prüfung möglich. Nun hat das Verkehrsministerium NRW eingegriffen. „Wir sehen, dass in den Kommunen nicht sorgsam genug mit diesem Thema umgegangen wird”, sagt Georg Stüben, Referent für Verkehrssicherheit. Das Ministerium forderte Statistiken ein und setzte Grenzen: „Ab zwei Unfällen pro abgeschalteter Ampelanlage muss die Anlage wieder angeschaltet werden.”

In der Region kann man die UDV-Zahlen und die Ministeriumsvorwürfe nicht nachvollziehen: In Aachen zum Beispiel verzeichnete man insgesamt erst einen Unfall an einer bei Nacht abgeschalteten Ampelanlage. Seitdem ist sie wieder eingeschaltet. „Sobald sich ein Unfallschwerpunkt ergibt, schalten wir die Ampel wieder durchgehend an”, sagt Stadtsprecher Axel Costard. Dafür reicht bereits ein Unfall. Im Sinne der Bürger sei der nächtliche Ampelbetrieb jedoch nicht immer: „An Parkanlagen zum Beispiel fühlen sich die meisten Bürger bei Nacht sicherer, wenn sie nicht an einer Ampel warten müssen.”

Bei der Stadt Düren will man gemeinsam mit der Polizei bis zum Jahresende darüber beraten, ob auch 2011 die derzeit 36 der 110 Ampeln im Stadtgebiet nachts ausgeschaltet bleiben. „Die Sicherheitslage wird pro Ampel überprüft. Sollte sich eine generelle Gefährdung durch das nächtliche Abschalten ergeben, werden sämtliche Ampeln wieder in Dauerbetrieb genommen”, sagt Wiltrud Tramnitz vom Tiefbauamt. Eine Gefährdung könne man bislang jedoch nicht feststellen: In den vergangenen drei Jahren hat man nur zwei Ampelanlagen von der Nachtruhe wieder ausgenommen.

Bei der Stadt Heinsberg setzt man Tag und Nacht auf die Signalanlagen, und das seit jeher: „Weil unsere Kommune deutlich weniger Ampeln hat als eine Großstadt, macht sich der Energiespareffekt nicht so deutlich bemerkbar. Deshalb hat bei den stadteigenen Ampeln die Verkehrssicherheit Vorrang”, sagt Wolfgang Paulus, Leiter des Ordnungsamtes.

Im NRW-Verkehrsministerium wünscht man sich konkretere Vorgaben des Bundes für die Ampelabschaltung. Zwar sollen die Richtlinien in Kürze vom Bundesverkehrsministerium aktualisiert werden, aber hinsichtlich der Nachtabschaltung würde sich der Text nicht ändern. Die Kommunen können deshalb weiter selbst entscheiden, welche ihrer Ampeln sie nachts an- oder ausschalten.
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