Aachen - Am Vorabend der Urkatastrophe: Ausstellung zum Beginn des Ersten Weltkriegs

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Am Vorabend der Urkatastrophe: Ausstellung zum Beginn des Ersten Weltkriegs

Von: Ulrich Simons
Letzte Aktualisierung:
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Ausstellung im Aachener Zeitungsmuseum: Ein dunkles Kapitel Weltgeschichte.

Aachen. „Natürlich war der Krieg gewollt“, stellt Museumsleiter An­dreas Düspohl klar. Wie alle Kriege. Weil die nicht „ausbrechen“ wie eine Grippewelle. „Niemand hat die Absicht, einen Krieg zu beginnen“ ist daher ein bewusst widersprüchlich-provokant gewählter Titel für die Ausstellung, mit der das Internationale Zeitungsmuseum (IZM) in der Aachener Pont­straße ab heute (Eröffnung um 19 Uhr) bis zum 25. April 2014 an den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren erinnert.

Ähnlichkeiten mit dem Zitat des DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht im Juni 1961 zum Bau der Berliner Mauer sind beabsichtigt; der Wahrheitsgehalt war in beiden Fällen ähnlich überschaubar.

Es ist der erste von zwei Teilen eines Projektes, das im Sommer nächsten Jahres fortgesetzt werden soll. Dann jährt sich der Beginn des ersten Weltkrieges, der Urkatastrophe, zum 100. Mal.

Nach dem tödlichen Attentat auf Thronfolger Franz-Ferdinand und seine Frau Sophie in Sarajewo hatte Österreich-Ungarn dem Königreich Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg erklärt. Durch Bündnisverpflichtungen beider Länder eskalierte der zunächst regionale Krieg in kürzester Zeit zu einem Flächenbrand, der den Kontinent und schließlich die Welt erfasste.

Die Schüsse von Sarajewo hatten Österreich-Ungarn einen willkommenen Anlass zum Losschlagen geliefert. Der Grund für den Krieg waren sie nicht. Denn in Europa gärte es bereits seit Jahren, erläuterte Andreas Düspohl die geschichtlichen Hintergründe der Ausstellung. Die Pläne für den Überfall auf das neutrale Belgien, den man für den Sieg über Frankreich für unverzichtbar hielt, waren in Deutschland schon weit gediehen. Deutsche Offiziere spionierten inkognito die Festungsanlagen in Lüttich aus.

Und Aachen? Zahlreiche Postkarten aus der Sammlung Crous, Fotos aus dem Stadtarchiv und Zeitungen aus dem Museumsbestand zeichnen ein Bild vom Vorabend der Katastrophe. 1911 hatte Kaiser Wilhelm II. die Stadt besucht. Der „Spalierausschuss“ hatte bei der Vorbereitung des kollektiven Jubels ganze Arbeit geleistet. Schon am Bahnhof begrüßten Matrosen den Kaiser mit einer beeindruckenden Menschenpyramide.

Mit dem Besuch des Kaisers beginnt der erste Ausstellungsteil, der drei Jahre später mit der Schlagzeile vom Mobilisierungsbefehl des Kaisers für Flotte und Heer auf der Titelseite der Berliner Morgenpost vom 1. August 1914 endet.

Aachen nahm in diesen Jahren eine gewisse Sonderstellung ein. Die Grenze war fast so offen wie heute, Passierscheine aus jener Zeit zeugen von einem regen Grenzpendler-Aufkommen und einem durchaus freundlichen Miteinander. Andererseits war Aachen Garnisonsstadt mit zwei wuchtigen Kasernen im Ostviertel.

Streit um das Galmei-Erz

Im Westen der Stadt, im damaligen (noch) Vier-Länder-Eck, schob sich Neutral-Moresnet wie ein Keil zwischen Belgien und Deutschland, 4500 Einwohner, 73 Schnapsbrennereien, ein Problem: Die Galmeierz-Vorkommen waren zum Zankapfel zwischen Belgien und Frankreich geworden.

Am 1. August tritt das Deutsche Reich in den Krieg ein. Weihnachten seien sie wieder zu Hause, ruft der Kaiser in Berlin den ins Feld ziehenden Soldaten zu. Vier Jahre später beklagt die Welt 17 Millionen Tote.

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