Am Montag beginnt das Semester: Wie Aachen die Studenten erwartet

Von: Axel Borrenkott
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Immerhin 1000 neue Plätze: Am
Immerhin 1000 neue Plätze: Am Montag wird die NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) den neuen Hörsaal der RWTH an der Professor-Pirlet-Straße einweihen. Der 2000 Quadratmeter große Zwölf-Millionen-Euro-Bau wurde von den Aachener Architekten Hentrup, Heyers und Prof. Fuhrmann entworfen. Das eigentlich dringend benötigte Hörsaalzentrum an der Claßenstraße wird erst 2014 fertig. Foto: Harald Krömer

Aachen. Herzlich willkommen! Nachdem die Studienanfänger der FH und der Katholischen Hochschule die ersten beiden Wochen schon geschafft haben, empfängt Aachen am Montag die Erstsemester der RWTH, rund 6000. Eine Zahl, die die Hochschule und die Stadt vor einige Herausforderungen stellt, zumal in der (Wohn-)Raumfrage.

Alles in allem sieht man sich aber gut vorbereitet und wirkt „relativ gelassen”. Doch froh werden alle sein, wenn die ersten Tage überstanden sind und sich die Ausgelassenheit und der Alkoholpegel der Jugendlichen in verträglicheren Grenzen hält als in den vergangenen Jahren.

Um die unschönen Bilder der Vorjahre von Massenbesäufnissen und Halbnackten zu vermeiden, wurde die traditionelle Stadtrallye der Erstsemester am Dienstag richtig ordentlich durchgeplant. Der AStA, sämtliche 17 Fachschaften, das Ordnungsamt, die Polizei und sogar die Suchtprävention sind eingespannt - und die Neuankömmlinge über einen regelrechten Verhaltenskodex belehrt.

Das größere Problem ist der fehlende Wohnraum, allerdings auch das, was sich am schwersten fassen lässt. Statistisch, so hat die Stadt hochgerechnet, fehlen in diesem Jahr über 2200 Wohnungen für Studierende, im kommenden Jahr über 2700. Man geht aber davon aus, dass die meisten, die in Aachen und Umgebung keinen Platz bekommen haben, pendeln. Bis zu 80 Prozent der RWTH-Studenten kommen aus der Region.

Keinen nennenswerten Erfolg hat bislang der Appell an Hauseigentümer gehabt, Räume oder Dächer zu Studentenwohnungen umzubauen oder neuen Wohnraum zu schaffen. Wesentlicher Grund dafür, schätzt die Verwaltung: Die Flut an Studenten ist nur temporär und zieht sich in wenigen Jahren zurück.

Wohnen in Containern?

Gleichwohl wurde und wird über eine ganze Reihe von alternativen Lösungen nachgedacht, zumal sich das Wohnraumproblem noch über einige Jahre erstrecken kann. Aktuell sondiert man die Möglichkeiten, eine Containersiedlung zu errichten.

Mit realen Zahlen kann das Studentenwerk aufwarten. In 21 Wohnheimen, darunter zwei in Jülich, sind 4441 Plätze belegt. Auf ein Zimmer wartet man zu den Wintersemestern drei bis sechs Monate, auf die beliebteren Appartements ein Jahr. Drei weitere Wohnanlagen mit rund 700 Plätzen sind im Bau.

Einen gewissen Erfolg verzeichnet die Initiative Extraraum. Die von Kommunikationsdesignern der FH entwickelte Kampagne, im Herbst 2011 gestartet, hochgelobt von der NRW-Wissenschaftsministerin, ist eine Art Wohnungsbörse in Gestalt einer Internet-Plattform. Auf www.extraum-aachen.de werden Anbieter und Wohnungssuchende vermittelt.

Allein in den letzten beiden Monaten, teilt der AStA der FH mit, sei das Suchformular 120.000 mal aufgerufen worden, täglich würden „zwei bis drei neue Wohnmöglichkeiten eingepflegt”, rund 180 waren es Ende August. Wie viele tatsächlich vermittelt wurden, weiß aber niemand. Im Park schlafen, obwohl auch das schon vorgekommen ist, muss aber auch nicht sein. Unter dem Stichwort „kurzfristiger Wohnraum” werden mindestens 200 provisorische Schlafplätze in Schlafsälen angeboten.

Kein Problem beim Bafög

Wirklich schlechte Karten haben, darauf weist Dietmar Spingys vom Studentenwerk eigens hin, nicht selten Studienanfänger aus dem „Nicht-EU-Ausland”. Sie kämen oft kurzfristig und aus Ländern, in denen die Unterbringung in Gemeinschaftsräumen üblich sei, ohne Information über die hiesige Situation.

Während trotz aller Anstrengungen an den Mensatischen die Plätze knapp werden, sieht man im Studentenwerk, etwas überraschend, kein Problem mit der Masse der Bafög-Anträge. „Da wird gut gearbeitet”, sagt Spingys, man habe keine Rückstände, aber Urlaubssperre und Samstagsarbeit. Mit „Unverständnis” reagierte der Geschäftsführer des Werks, Dirk Reitz, aber prompt darauf, dass die vom Land Anfang dieser Woche angekündigten zusätzlichen 820 Millionen Euro nur den Hochschulen zugute kommen sollen, den zwölf Studentenwerken des Landes aber ganze 3,5 Millionen mehr überwiesen würden.

Für Nöte anderer Art steht die Zentrale Studienberatung der RWTH bereit. Orientierungsprobleme am Anfang des Studiums, Motivations- und Leistungsprobleme, Lernschwierigkeiten, Prüfungsangst, Soziale Kompetenz: Für all das und noch mehr gibt es Beratung, Gruppen und Training.

„Relativ gelassen” sieht auch Prof. Aloys Krieg die Lage an der RWTH. „Im vergangenen Jahr war es deutlich schwerer”, sagt der Prorektor für Lehre, „in diesem Jahr kommen weniger Erstsemester.” Da die Einschreibfrist noch bis Ende Oktober läuft, gibt es erst dann endgültige Zahlen, Krieg rechnet mit 5500 bis 6000. Die FH meldet, mit Stand vom 20. September, 2700 neue Studierende, davon 800 in Jülich. Insgesamt sind damit knapp über 11.000 Studierende an der FH Aachen eingeschrieben.

Bei aller Gelassenheit scheint aber auch den Prorektor der befürchtete Ausnahmezustand der Neulinge am meisten zu bedrücken: „Das ist extrem schwierig, da können wir nur appellieren.”
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