„Als sie dich fanden, haben sie geweint”: Mirco beigesetzt

Von: Christina Horsten, dpa
Letzte Aktualisierung:
Fall Mirco
Eine Frau steht vor dem Grab von Mirco. Der zehn Jahre alte Junge war am 3. September im niederrheinischen Städtchen Grefrath verschwunden und ermordet worden. Foto: dpa

Grefrath. Der kleine braune Erdhügel reicht für so viel Anteilnahme nicht aus. Ein buntes Meer aus Kränzen, Gestecken und Blumensträußen liegt auf dem frisch aufgeschütteten Hügel, um ihn herum und überall da, wo Platz ist.

Mitten drin ein Gesteck aus Osterglocken, Tulpen und Sonnenblumen. „Für immer in unseren Herzen - Mama, Papa, Alex, Jule und Judith”, steht auf der Seidenschleife.

Fast fünf Monate war Mirco verschwunden, lebte seine Familie in Ungewissheit, hielt eine Weile immer frische Plätzchen parat - für den Fall seiner Rückkehr. Dann fanden Ermittler erst seinen Mörder und kurz darauf Mircos Leiche. Nachdem die Rechtsmediziner ihre traurige Arbeit beendet hatten, ist Mirco jetzt auf dem Gemeindefriedhof seines Heimatortes beerdigt worden. Die Familie hatte darum gebeten, die Beisetzung nicht zu stören.

Rund 400 Menschen waren am Mittwoch gekommen, um Abschied zu nehmen - Familie, Freunde, Nachbarn, seine Pfadfindergruppe, Klassenkameraden und die Ermittler der „Soko Mirco”. Gemeinsam gaben sie dem bunt angemalten Sarg das letzte Geleit von der Trauerkapelle bis zum Grab.

„Ganz viele Leute, auch Große sind hier. Die haben dich lieb und haben viele Monate wie verrückt nach dir gesucht”, sagte Präses Roman Siewert in seiner Abschiedspredigt, die er direkt an den toten Jungen richtete. „Als sie dich gefunden haben, haben sie sehr geweint. (...) Wir sind alle unendlich traurig. Kapieren nicht, was da passiert ist.”

Auch am Tag nach der Beerdigung kommen immer wieder Menschen zu dem kleinen Grab am Rand des dicht mit Bäumen bewachsenen Friedhofs. Der Grabstein fehlt noch. Sie zünden Kerzen an. „Unserem lieben Mirco zum Abschied” haben „Opa Addi” und „Oma Heide” als letzten Gruß hinterlassen. Ein Blumengesteck hat die Form eines Traktors, denn Mircos größter Wunsch soll gewesen sein, Bauer zu werden und einmal selber Traktor zu fahren.

Wenige Meter neben dem kleinen Erdhügel rauschen Lastwagen und Autos über die L 39 - jene Landstraße, über die auch Mircos Mörder fuhr, als er ihn verschleppte. Jene Straße, an der Mircos Handy von Arbeitern entdeckt wurde. Am Donnerstag machten sich an dieser Straße erneut Ermittler auf die Suche, diesmal soll es um die Tatwaffe gehen. Der dreifache Familienvater, der die ungeheuerliche Tat gestand, sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Er hatte die Ermittler vor rund zwei Wochen in das kleine Waldstück nördlich von Grefrath geführt, wo Mircos Leiche lag.

Da der Fundort sechs Kilometer außerhalb des 50 Quadratkilometer großen Suchgebiets lag, hatte auch das Großaufgebot von 1000 Polizisten die Leiche nicht entdeckt. 145 Tage lang hatte niemand den Körper des kleinen Jungen bemerkt - obwohl er von seinem Mörder noch nicht einmal versteckt worden war.
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