Als Pilot ein Mann von Welt: Junger Hochstapler gesteht

Von: Frank Christiansen, dpa
Letzte Aktualisierung:
traumberuf pilot
Traumberuf Pilot: Mit solchen zweistrahligen Geschäftsflugzeugen werden gut zahlende Kunden durch die Welt geflogen. Im Bild eine Maschine der Lufthansa. Foto: dpa

Düsseldorf/Ratingen. Der Fall des jungen Hochstaplers in Piloten-Uniform hat eine historische Vorlage: Frank W. Abagnale narrte als Pilot halb Amerika und wurde in Hollywood von Leonardo DiCaprio in „Catch Me If You Can” (2002) in Szene gesetzt. Auch Marc (24) aus Ratingen weiß nur zu gut: Kleider machen Leute.

Im rosafarbenen Oberhemd mit dunkelblauem Jackett und gestriegeltem Seitenscheitel sitzt der gebräunte, junge Mann am Dienstag auf der Anklagebank des Düsseldorfer Amtsgerichts. Die Anklage lastet ihm dutzende Betrügereien an. „Ich räume natürlich alles ein”, sagt er sofort.

Schon seine 5500 Euro teure Uniform ergaunerte er sich mit einem gefälschten Zahlungsbeleg. Dann nutzte er das neugewonnene gesellschaftliche Prestige schamlos aus: An Tankstellen zahlte der vermeintlich kreditwürdige Pilot mit Unterschrift - natürlich in Uniform. Dumm nur, dass er dabei das Kennzeichen des Wagens seines Vaters hinterließ.

Er habe Pilot werden wollen, von Geld und Ansehen geträumt, berichtet der Angeklagte. „Den Traum vom Fliegen hatte ich schon immer.” Nach dem Abitur an einer Privatschule, vom Großvater finanziert, schien der Wunsch Realität zu werden. Der Abiturient meldete sich an einer Flugschule in Paderborn an. 74.000 Euro soll die Ausbildung kosten. Doch als eine Woche vor Schulbeginn die Rechnung ins Haus flattert, habe sein Vater, Alkoholiker, ihn mal wieder im Stich gelassen.

Von dem 41.000 Euro schweren Bausparvertrag, in den als Ausbildungsrücklage sein Kindergeld geflossen war, habe sich der Vater ein neues Auto gekauft, beichtet ihm seine angeblich schwer kranke Mutter. „Immerhin durfte ich auch damit fahren”, sagt Einzelkind Marc. Das habe er dann auch ausführlich getan: „Tagelang bin ich völlig sinnlos umhergefahren, weil zu Hause trouble war.”

Den Sicherheitsbereich eines Flughafens oder gar ein Cockpit hat der Ratinger nicht angesteuert, aber reihenweise Tankstellen und Taxifahrer geprellt. Auf einem Airport-Parkplatz täuscht er einen Ohnmachtsanfall vor, um ein paar Stewardessen auf sich aufmerksam zu machen.

Trotz Hausdurchsuchung und Beschlagnahme der Uniform wird der Ratinger rückfällig. „Wollen sie das Verhalten überhaupt ablegen?”, fragt Richterin Eva Weske skeptisch. „„Ich habe keine Uniform mehr, aber mir im Internet einen Grafen- und einen Doktortitel gekauft”, bekennt der immer noch statusbewusste junge Mann.

Inzwischen habe sich auch sein Traum vom Fliegen doch noch verwirklicht: Er arbeite seit kurzem als Flugbegleiter. Wie das trotz seines Hausverbots am Düsseldorfer Flughafen möglich ist, bleibt offen. Belege hat er „vergessen”. Ob seine Großmannssucht zwanghaft ist, soll nun ein Psychiater herausfinden, der den 24-Jährigen am Dienstag zum Gespräch bat.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert