ALRV-Präsident Meulenbergh: „Wir machen wieder 100 Prozent CHIO“

Von: Helga Raue
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Nur noch vier Tage bis zum CHIO-Start: ALRV-Präsident Carl Meulenbergh (Mitte) schaute kurz vor dem Start noch einmal in unserer Redaktion zu einem Gespräch mit Chefredakteur Bernd Mathieu (rechts) und seinem Stellvertreter Thomas Thelen vorbei. Foto: Harald Krömer
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Lebt den CHIO Aachen ebenso wie das engagierte Mitarbeiter-Team des Aachen-Laurensberger Rennvereins: Präsident Carl Meulenbergh setzt sich engagiert und leidenschaftlich für das Turnier ein. Foto: Harald Krömer

Aachen. Noch ist die Fußball-EM in aller Munde, doch noch bevor sie zu Ende ist, startet am Freitag in der Region das nächste Großereignis, das sogar weltweit von Rang ist: der CHIO Aachen, das „Weltfest des Pferdesports“. Am Freitag eröffnen die Voltigierer in der Albert-Vahle-Halle das bedeutendste und größte Reitturnier der Welt, am 12. Juli folgen die Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiter sowie die Gespannfahrer.

Kurz vor dem Auftakt besuchte Carl Meulenbergh, Präsident des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV), unsere Redaktion zu einem informativen Gespräch.

Wie ist denn die Stimmung so kurz vor dem Großereignis?

Meulenbergh: Jedes Mal, wenn ich zum ALRV komme, sehe ich wie viele Tage es noch sind. Jetzt nur noch vier. Unglaublich, dass die EM schon fast ein Jahr zurückliegt. Die Zeit geht schnell vorbei, man merkt es nicht, weil man so eingebunden ist. Man macht sich immer Gedanken, wie geht es weiter, was müssen, können und sollen wir verbessern. Ansonsten freuen sich alle aufs Turnier. Es ist schön, dass wir Mitarbeiter haben, die das Turnier leben, das macht zumindest unseren inneren Kern aus.

Gibt es bei der Erfahrung, die Sie mitbringen, so etwas wie Anspannung, eine Form von Nervosität ?

Meulenbergh: Wenn man keine Anspannung mehr hat, sollte man etwas anderes machen. Es ist wichtig, dass man sich immer fragt, wie kann man was verbessern. Da ich aus dem operativen Geschäft komme und auch heutzutage gerne ins operative Geschäft reinschaue, bin ich so eingebunden, dass jedes Turnier etwas Besonderes und ein gewisser Kick da ist.

Dieses Jahr ist es sicher entspannter und „business as usual“ nur mit dem CHIO statt wie 2015 mit dem „Weltfest“ und der EM.

Meulenbergh: Die Situation dieses Jahr ist für uns besonders wichtig, weil wir lange angekündigt haben, dass es wieder zu 100 Prozent CHIO gibt. 2015 kam viel überregionales Publikum, dagegen haben die Aachener zum Teil entschieden, dass sie zum Mai-Turnier oder zur EM gehen.

Dieses Jahr sieht es so aus, als ob die Region wieder sehr gut vertreten sein wird. Wir müssen der Region jedes Jahr wieder zeigen, dass wir das Turnier sind, das man sich wünscht. Das heißt, dass man genauso gut zum Bierstand gehen kann, wie zur Eröffnungsfeier und zu einem Top-Springen oder einer Top-Dressur.

Stichwort: freier Gelände-Eintritt.

Meulenbergh: Das war einer der Punkte, die schwierig darzustellen waren. Freier Eintritt bei einer Europameisterschaft geht nicht, selbstverständlich wird das dieses Jahr wieder der Fall sein. Es kommen ganz viele, weil sie ungebunden, spontan und ohne Karten kommen können. Das macht uns aus, und das wollen wir auch.

Wie sieht es denn in Sachen Eintrittskarten überhaupt aus?

Meulenbergh: Für die besonderen Tage wie der Sonntag oder Donnerstag kann man nicht mehr wählen, welche Karten man haben möchte. Ansonsten bekommt man Karten. Aber wir sind sehr zufrieden mit dem Vorverkauf.

Als Außenstehender hat man das Gefühl, das Turnier ist ein Selbstläufer. Bei Ihnen klingt das so, dass man sich gerade nach der EM sehr engagieren muss?

Meulenbergh: Genau das ist unser Problem. Von außen sagen alle, zum CHIO kommt sowieso jeder hin, den findet sowie wieder jeder gut, aber wenn wir das so akzeptieren würden, können Sie davon ausgehen, dass wir im nächsten Jahr ein Problem hätten. Wir müssen immer wieder überlegen, was tut uns allen gut. Das ist eine Sache, die von allen, die damit zu tun haben, gelebt wird.

Auf einem 80. Geburtstag wurde mir erzählt, man besuche seit 50 Jahren das Turnier, sei aber über den Bierstand nie hinausgekommen. Ich habe geantwortet, wenn ihr euch da mit Leuten aus ganz Deutschland trefft, dann ist das für mich genauso Turnier, als ob einer acht Stunden auf seinem Platz sitzt und jeden Reiter sieht. Beides ist Turnier, und beides wollen wir, und beides wollen wir auch in Zukunft anbieten.

Sie haben gesagt, Sie machen sich ständig Gedanken, was kann/muss man verbessern. Was wird dieses Jahr anders oder besser sein?

Meulenbergh: Es ist wichtig, dass wir die Symbiose finden zwischen Spitzensport und Spitzenunterhaltung für die Besucher. 2015 haben wir zur EM erstmals die Eröffnungsfeier am Abend gemacht, dieses Jahr werden wir eine Eröffnungsfeier haben, die es so beim CHIO noch nie gegeben hat. Sie ist völlig durchchoreographiert und wird ab jetzt immer abends stattfinden. Zudem: Das „Jump and Drive“, bei dem eine Kutsche und ein Reiter eine Stafette gemacht haben, kommt immer gut an.

Dieses Jahr werden wir zwei Spring- und einen Vielseitigkeitsreiter haben, die mit dem Gespann ein Team bilden. Solche Sachen will das Publikum. Da geht es nicht um Sport, da geht es um Pferde, um Action, um Emotionen. Ansonsten haben wir bewährte Dinge wie den Soerser Sonntag und mit Schweden ein tolles Partnerland – Pippi Langstrumpf zieht. Auch dass Königin Silvia kommt, zeigt die Bedeutung, die unser Turnier hat. Könige gehen nicht zu jedem Event.

Die durchchoreographierte Eröffnungsfeier ist auch der Reflex auf die Erwartungshaltung der Menschen. Haben Sie manchmal die Sorge, wo das hinführen wird?

Meulenbergh: Die Diskussion haben wir jedes Jahr, das betrifft auch „Pferd und Sinfonie“. Ich denke, mit der Eröffnungsfeier werden wir auch in den nächsten Jahren in der Lage sein, das wieder zu machen. Ob man es besser machen kann, ist eine andere Frage, das hängt sehr vom Thema ab. Pippi Langstrumpf ist natürlich eine sichere Sache.

Ein Schwerpunkt ist diesmal Hans Günter Winkler, der – salopp gesagt – so etwas wie ein Zugpferd ist.

Meulenbergh: Er ist ja immer unser Hans Günter Winkler geblieben, und da er 90 Jahre alt wird, passt das gut zum Turnier. Es ist eine Hommage an ihn, aber auch an unser Publikum. Die Zeiten von Winkler, d‘Inzeo oder Thiedemann waren toll. Für viele Ältere waren das die ersten Erlebnisse mit tollen Sportlern, die ja damals nur eine Handvoll waren. Heute gibt es über 50 Leute, die ein Springen gewinnen können. Winkler und Co. sind Publikumslieblinge.

Es ist immer die Rede davon, dass es heute an Typen, an Persönlichkeiten im Sport mangelt?

Meulenbergh: Die Zeiten ändern sich. Ein Problem ist sicherlich, dass der Sport heute breiter aufgestellt ist. Dadurch gibt es weniger Einzelpersönlichkeiten, die so herausgestellt sind wie damals. Es gibt auch jetzt noch tolle Sportler.

Die Raumproblematik ist ebenfalls ein Thema. Reicht der Platz aus?

Meulenbergh: Es ist kein Geheimnis, dass wir – wenn das benachbarte Polizeipräsidium mal weg ist – Interesse an dem Platz dort haben. Stallungen haben wir genügend, aber zusätzliches Trainingsgelände fehlt. Zudem ist die Albert-Vahle-Halle in die Jahre gekommen, da muss man sich auch mal Gedanken machen, ob man irgendwann eine neue Halle baut.

Dann bauen Sie die von vielen gewünschte Multifunktionshalle?

Meulenbergh: (lacht) Ich vertrete ja weder die Städteregion noch die Stadt, sondern den ALRV. Wobei man sagen muss, die Halle wird ja jetzt wieder auf der Seite von Alemannia diskutiert. Nur da nutzt sie uns wenig.

Hat der CHIO Aachen ein Generationenproblem beim Publikum?

Meulenbergh: Wir hatten in den letzten Jahren Pech mit den Ferien, auch diesmal. Daher hatten wir nicht die Möglichkeit, mittwochs Schulklassen einzuladen. Diesmal machen wir etwas mit der Städteregion zusammen. Wenn der CHIO nicht in den Ferien liegt, wollen wir die Schulen wieder einladen, da viele mit der Klasse erstmals das Turnier besuchen. Wir werden einen Jugendbeirat einführen, wo junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren aus einer anderen Sicht auf unser Turnier schauen.

Mehrfach klang bei Ihnen heraus „so lange es gut läuft“. Schwingt da eine Sorge um die Zukunft mit?

Meulenbergh: Ich habe das ganz bewusst gesagt. Man sieht ja, wie viele Reitturniere in Deutschland wegfallen, sehen wie bei vielen die Zuschauerzahlen zurückgehen. Und wenn man das sieht, darf man nie sagen, bei uns in Aachen kann das nicht passieren. Also müssen wir uns zu einem Zeitpunkt darüber Gedanken machen, an dem wir noch sehr zufrieden sind.

Haben Sie Erkenntnisse, warum das bei den anderen so ist?

Meulenbergh: Die Reiter haben heute viele Fünf-Sterne-Turniere, das gab es früher nicht. Darunter leiden auch Turniere wie Wiesbaden, Stuttgart oder Dortmund. Die Reiter sagen, es ist wichtig, Olympia zu gewinnen, den „Großen Preis von Aachen“ zu gewinnen, ist aber mindestens so wichtig. Viele Veranstalter scheitern daran, dass sie erst nachdenken, wenn es schlechter wird. Wir haben die Aufgabe, uns immer Gedanken zu machen, damit es weitergeht. Alle müssen sich Gedanken machen, denn wenn der Unterbau nicht mehr da ist, fehlt es auch oben.

Gibt es denn große Konkurrenten, die die Reiter mit viel Geld locken?

Meulenbergh: Wir haben den Vorteil, dass unser Turnier seit vielen Jahren besteht und wir immer an der Spitze standen. Wir sehen immer mehr Turniere, sei es in Rio oder den arabischen Ländern, die mit viel Geld locken, im nächsten Jahr gibt es sie aber nicht mehr. Wenn wir die Kontinuität wahren, denke ich, stehen die Zeichen für den CHIO Aachen gut. Aber es ist unsere Aufgabe, alles genauestens zu beobachten. Wie etwa die hoch dotierte Champions-Tour von Jan Tops. Logischerweise ist die Reiterei, die sehr teuer ist, heute kommerzieller geworden.

Wird es denn in Aachen in absehbarer Zeit wieder ein Championat geben? Etwa die WM 2022?

Meulenbergh: Die großen Events sind für uns auch wichtig, da es die einzige Chance ist, von Land und Bund Zuschüsse zu erhalten. Das ist wichtig für unsere Nachhaltigkeit. Auch für die EM wurde viel investiert, das für unsere Zukunft wichtig ist. Wenn man dem Weltverband glaubt, würden wir alle drei Jahre ein Championat ausrichten. WM 2022? Das entscheiden wir situativ. Wir lassen uns sicher die Unterlagen kommen, werden diese genau studieren, und wenn es passt, werden wir irgendwann auch ja sagen. Aber wir werden es nicht tun müssen.

Immer wieder wird das gute Binnenverhältnis von allen Beteiligten bei ALRV und ART betont . . .

Meulenbergh: Grundlage der guten Zusammenarbeit war und ist die sehr enge Verbindung zwischen den Gremien. Aber was ganz wichtig ist, nicht nur der Vorstand und das Präsidium, auch der gesamte Unterbau lebt für das Turnier. Meiner Meinung nach wird unser Image auch dadurch positiv nach außen gestaltet, dass wir viele junge Frauen und Männer in unseren Reihen haben, die sagen, wir wollen, dass der Verein einer der besten in der Welt ist.

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