Sittard-Geleen - „Alptraumszenario“: Störfall legt Industriepark Chemelot lahm

„Alptraumszenario“: Störfall legt Industriepark Chemelot lahm

Von: Marc Heckert
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Der Industriepark Chemelot am Mittwochvormittag: Dutzende von Betrieben mussten in der Nacht den Betrieb einstellen. Foto: Günter Jungmann
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Der Industriepark Chemelot am Mittwochvormittag: Dutzende von Betrieben mussten in der Nacht den Betrieb einstellen. Foto: Günter Jungmann
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Der Industriepark Chemelot am Mittwochvormittag: Dutzende von Betrieben mussten in der Nacht den Betrieb einstellen. Foto: Günter Jungmann

Sittard-Geleen. Nach einem Störfall im niederländischen Industriekomplex Chemelot am Dienstagabend musste in 45 der 60 Betriebe der Betrieb zeitweise komplett eingestellt werden. Ursache war ein Defekt in der zentralen Wasserversorgung des Gebietes, eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht, hieß es. Die Abschaltung der Betriebe ist beispiellos, der Schaden dürfte in die Millionen gehen.

Wie niederländische Medien berichten, fiel in einer Anlage zur Herstellung von sogenanntem demineralisiertem Wasser am Abend ein Ventil aus. Das Wasser wird für Heiz- und Kühlprozesse und Dampfproduktion in etlichen der Unternehmen benötigt. Aus Sicherheitsgründen wurde deshalb umgehend damit begonnen, alle 60 Betriebe in dem rund 800 Hektar großen Industriekomplex bei Sittard-Geleen abzuschalten.

Bis zum Mittwochvormittag seien bereits 45 Fabriken auf diese Weise stillgelegt worden. Um nicht mehr benötigte Gase aus der Produktion zu beseitigen, wurden sie in etlichen Betrieben abgefackelt. Die weithin sichtbaren Flammen hatten in der Bevölkerung Besorgnis ausgelöst. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nach Angaben eines Sprechers der Betriebe nicht. Die Abschaltung sei alleine aus Gründen der Sicherheit geschehen.

Am Mittwochmittag war der Fehler dann nach Medienberichten gefunden und beseitigt. In den Betrieben begannen die Beschäftigten, die Produktion wieder anzufahren.

Der Ausfall der Produktion bedeutet finanzielle Schäden in noch unbekannter Höhe. Eine derartige komplette Abschaltung von drei Vierteln der Fabriken in dem Insutriepark hat es noch nie gegeben. Niederländische Medien sprechen von einem „Alptraumszenario“ und einer „wirtschaftlichen Katastrophe“. Die Produktionsausfälle könnten Schäden von mehreren Millionen Euro pro Tag bedeuten, hinzu kämen Verluste bei den Kunden der Unternehmen. Die genaue Ermittlung der Folgen werde Monate dauern.

Der Industriepark Chemelot liegt im Westen der Industriestadt Sittard-Geleen, rund zehn Kilometer von der deutschen Grenze bei Selfkant im Kreis Heinsberg entfernt. Er entstand aus petrochemischen Betrieben des niederländischen Staatskonzerns DSM (Dutch State Mines).

Chemelot hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Ansiedlungsgebiet für eine Vielzahl an Unternehmen der Chemieproduktion und -forschung entwickelt. Heute befinden sich auf dem Gelände unter anderem Prduktionsstandorte einer Reihe internationaler Konzerne zur Herstellung von Ammoniak, Polymer-Kunststoffen, Salpetersäure und synthetischem Gummi.

Auf dem sogenannten Chemelot Campus mit rund 1500 Beschäftigten forschen Wissenschaftler der Universitäten Maastricht und Eindhoven und der RWTH Aachen. In die Entwicklung des Campus hatte die Provinz Limburg rund 100 Millionen Euro investiert. Ende 2013 ging dort das „Aachen-Maastricht Institute for Biobased Materials“ (AMIBM) an den Start, eine Kooperation der RWTH und der Universität Maastricht.

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