All-Nations-Cup: Arabische Schönheiten in der Albert-Vahle-Halle

Von: Ute Steinbusch
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Aufwendige Schau, teure (Araber-)Pferde: der All-Nations-Cup, der vergangenes Wochenende in Aachen stattfand. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Piacolla ist wie elektrisiert. Sie tänzelt, hält die Ohren gespitzt wie einen Pfeil, die Augen weit aufgerissen und, natürlich, den Schweif hoch erhoben. Typisch Araber eben. Piacolla ist eine braune Stute, die bei einem der weltbesten Schönheitswettbewerbe für Pferde ihrer Rasse vorgestellt wird, dem All-Nations-Cup.

Jährlich findet der in der Albert-Vahle-Halle statt, und die zwei Männer, die ehrenamtlich für die ganze Choreographie, das ganze Wohlfühlprogramm für den ganz normalen Besucher genauso wie für Adlige aus dem Mittleren Osten verantwortlich sind, könnten unterschiedlicher nicht sein.

Nils Ismer ist ruhiger Niedersachse, seine Familie kommt aus der Landwirtschaft. Heute hat sie einen Hof mit rund 200 Pferden, Arabern versteht sich. Und Karl-Heinz Stöckle kommt aus dem Oberallgäu. Der Bayer hat die Welt der Schauen für arabische Pferde fast mit der Muttermilch aufgesogen. Seine Augen leuchten, er redet und redet, um den Rang des All-Nations-Cups einzuordnen: „Was da drinnen abgeht, ist Weltspitze“, sagt er und deutet auf die Albert-Vahle-Halle.

In der Reithalle hinterm CHIO-Gelände in Aachen schweben die Pferde durch die Arena, angefeuert vom Johlen der Zuschauer und von der Musik. Die Pferde sind sogar geschminkt; dazu ist ein besonderer Ölglanz zugelassen, der die Mähnen im Scheinwerferlicht schimmern lässt. In der Kategorie der „älteren Stuten“ konkurrieren unter anderem die beiden Weltchampions Gloria und Pinga um die Gunst von neun Richtern. Diese bewerten die Pferde in den fünf Kategorien, angefangen mit dem Typ.

Zwar ist der All-Nations-Cup eine Schau unter vielen, aber er steht an vorderster Stelle für Transparenz und Fairness. Deshalb werden die neun Richter per Zufallsprinzip und unter Einbezug des Publikums ausgewählt. Das Publikum darf diesmal auch mitfiebern, welches Pferd gewinnt, zwar ohne Einfluss auf die Entscheidung, aber mit Aussicht auf einen Geldpreis, wenn es richtig getippt hat. Als in einer Kategorie eine einzige Dame aus dem Publikum mit genau so tippte wie die Richter werteten und aufgerufen wird, ist sie so aufgeregt, dass Tränen fließen.

Beim All-Nations-Cup verschwimmen Grenzen, Israelis und Palästinenser stehen Seite an Seite. Die Show hat Unterhaltungswert für alle, die schöne Pferde bewundern. Piacolla, die braune Stute, trägt schließlich den knallgelben Ehrenkranz der Siegerin davon. An einem der Ehrentische lässt sich der polnische Züchter der Stute den Tortenbrie und die Obsthäppchen zufrieden auf der Zunge zergehen.

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