Aliza Olmert: Keine klassische Premierminister-Gattin

Von: Ralph Allgaier
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In bestem Einvernehmen: Aliza Olmert gestern beim Gespräch mit Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „9.45 Uhr: Spaziergang durch die Aachener Innenstadt.” Ein Programmpunkt mit normalerweise absehbarem Ablauf: Rathaus, Katschhof, Puppenbrunnen - das Übliche halt. Am Dienstag freilich war eine Frau zu Gast, die all die pittoresk-lieblichen Sehenswürdigkeiten im Kern der City links liegen ließ.

Gut: Eine dreiviertel Stunde lang lauscht Aliza Olmert, die Frau des noch amtierenden israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert, den Worten von Dompropst Helmut Poqué und bewundert die Kirche Karls des Großen.

Doch auf eigenen Wunsch führt der Weg die 63-Jährige in eine von Promis sonst wohl kaum beachtete Ecke der Stadt.

Von Blaulicht-Fahrzeugen eskortiert, bewegt sich ein ganzer Konvoi schwerer Limousinen in hohem Tempo und ohne Rücksicht auf irgendwelche Ampelsignale ins Ostviertel.

Wo die Premiers-Gattin in strömendem Regen ihr Fahrzeug verlässt, einen grau-tristen Hinterhof ansteuert - und fotografiert.

Grellbunte Graffitis haben es ihr angetan, in diesem Fall die beeindruckenden Wandmalereien zur Geschichte Aachens auf einem Bunker, die der Künstler Gerd Lebjedzinski gemeinsam mit Hauptschülern aus der Aretzstraße sowie Kindern und Jugendlichen des Ostviertels realisiert hat. Stadtimpressionen der ganz anderen Art.

Im Umfeld des Ponttors hat Olmert zuvor schon den Bunker besucht, in dessen Nähe am 14. September 1944 zwei Jungen von deutschen Soldaten ermordet worden waren.

Vom Graffiti, das der Wandmaler Klaus Paier in den 80er Jahren zur Erinnerung an diesen Vorfall schuf („Sagt NEIN - Nie wieder Krieg”) sind leider nur noch Fragmente erkennbar.

Statt dessen prangen nun Bildnisse von Musikern wie Bob Dylan und Jimmy Hendrix auf der Bunkerwand. Und Frau Olmert fotografiert auch hier. Dass es die berühmten Aachener „Bindfäden” gießt - egal.

Aliza Olmert ist eben keine Politiker-Ehefrau, die Lust auf das klassische Damenprogramm hätte.

Sie ist eine weit über Israel hinaus bekannte Künstlerin, die seit mehr als 30 Jahren Graffitis fotografiert und sie kreativ weiterverarbeitet.

Was sie in Aachen mit der Kamera festgehalten hat, so sagt sie später, dürfte Teil ihrer umfangreichen Motiv-Sammlung werden, der eigenen Inspiration dienen, vielleicht auch in selbst montierte Collagen Eingang finden.

„Wäre doch schön, wenn solche Kunst auch einem größeren Publikum im Nahen Osten bekanntgemacht würde”, sagt die Frau, die auch als Malerin, Bildhauerin und Autorin von Drehbüchern und Theaterstücken hervorgetreten ist.

1946 ist sie in einem Lager für sogenannte „displaced persons” (heimatlose Personen) in Hessen geboren, nachdem ihre jüdischen Eltern, die aus Polen und Litauen stammten, den Zweiten Weltkrieg überlebt hatten.

1949 zog ihre Familie nach Tel Aviv. In ihren 2007 erschienenen, stark autobiographisch geprägten Roman „Ein Stück vom Meer” sind offenkundig viele Eindrücke ihrer belasteten Kindheit eingeflossen.

Aliza Olmert findet auch deshalb so viel Aufmerksamkeit, weil sie als linksintellektuelle Friedensaktivistin oft ganz anderer Meinung ist als ihr konservativ denkender Ehemann.

„Ja”, sagt sie „ich habe die Friedensorganisation Peace Now immer unterstützt. Doch seit meiner Heirat habe ich es vermieden, in der Öffentlichkeit etwas über meine eigenen Überzeugungen zu artikulieren.”

Immer wieder wurde in Israel darüber spekuliert, wie wohl die Diskussionen beim Abendbrot im Hause Olmert ablaufen.

Zumal einer der Söhne des Paares den Militärdienst verweigert hat, eine Tochter in einer linken Gruppe aktiv ist. Ehud Olmert daheim ein Oppositioneller?

„Natürlich sind wir oft nicht einer Meinung. Aber wir sehen auch beide die Realität, und es gibt letztlich nicht so viele Gegensätze zwischen uns, wie es auf den ersten Blick aussehen könnte.”

„Eigentlich”, sagt Olmert unserer Zeitung, „sind wir einer Lösung sehr nahe. Wir haben bereits angeboten, fast 100 Prozent der besetzten Gebiete an die Palästinenser zurückzugeben. Wenige Bereiche des Westjordanlandes, wo mehrere 10.000 Menschen leben, können wir nicht freigeben. Doch als Ausgleich könnten die Palästinenser ein Gebiet am Mittelmeer in der Nähe des Gazas-Streifens erhalten.”

Betrübt zeigt sich Frau Olmert über die ihrer Meinung nach einseitige Wahrnehmung des Nahost-Konflikts im Ausland: „Die westlichen Demokratien müssen die Situation anders bewerten. Sie dürfen nicht nur Israel wegen verwundeter Kinder und verbrannter Häuser im Gazastreifen beschuldigen. Die Hamas hat den Menschen viel mehr angetan. Tausende wurden durch sie im Gazastreifen ermordet. Ich sah neulich einen Film, in dem Fatah-Anhänger von Hamas-Aktivisten von einer Mauer zehn Meter in die Tiefe gestoßen wurden und das nicht überlebt haben.”

Acht Jahre lang seien israelische Kibbuze und Kleinstädte vom Gazastreifen aus beschossen worden. „Kein Land der Welt würde das auf Dauer hinnehmen.”
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