Alemannia attackiert Stadt Aachen

Von: Christoph Pauli
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„Lass uns träumen”: Alemannias Funktionäre träumen von einer besseren Kooperation mit der Stadt Aachen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Tonart ändert sich: Alemannias Funktionäre gehen auf Konfrontationskurs mit der Stadt. „Der Stadt ist nicht klar, dass wir ihr größter Werbeträger sind, zumindest verhält sie sich nicht so”, sagt Geschäftsführer Frithjof Kraemer.

Und auch sein Aufsichtsrats-Vorsitzender Meino Heyen ist völlig unzufrieden. „Die Stadt verhält sich kaum kooperativ.”

In dieser Woche hat der Klub einen Millionentransfer besiegelt. Ob die 1,3 Millionen Euro Ablösegeld für Zoltan Stieber in den Sportetat fließen, wird im Rathaus entschieden. Dort wurde im Frühjahr letzten Jahres eine Ausfallbürgschaft genehmigt, um den Verein vor der Insolvenz zu retten. Im Vertragswerk wurde auch der Sportetat gedeckelt: Mehr als sieben Millionen Euro darf Erik Meijer in der Saison nicht ausgeben.

Damit will sich Geschäftsführer Frithjof Kraemer nicht mehr anfreunden nach einem Jahr der Konsolidierung. „Wir sind in allen Bereichen auf einem guten Weg, aber wir müssen erkennen in dieser Saison, dass uns im Kader Qualität fehlt, wir müssen in den Sport investieren können.”

Er will eine Million Euro mehr für Spielerbeine ausgeben dürfen, „wie das alle vor uns platzierten Klubs machen”. Die Investition rechne sich, meint Kraemer: Über einen tabellarisch besseren Erfolg würden die Ausgaben über TV-Gelder kompensiert.

Nun könnte man davon ausgehen, dass Vertragspartner leicht ins Gespräch kommen könnten. Das Gegenteil ist der Fall, Alemannia ist es nicht einmal gelungen, ein Finanzierungsmodell vorzustellen. Oberbürgermeister Marcel Philipp und seine energische Kämmerin Annekathrin Grehling blockierten das Anliegen. Der Widerstand war sehr energisch. „Wir sind nicht einmal in den Recall gekommen”, sagt Kraemer verwundert. Die Stadt wollte nicht zuhören. „Dabei ist die Idee interessant, sie rechnet sich auch für die Stadt”, meint Heyen.

Alemannias Idee: Aachen verkauft den Tivoli für 40 Millionen Euro an die Stadt, garantiert als Mieter 30 Jahre lang eine Zahlung von zwei Millionen Euro. Die Stadt könne das Geld deutlich günstiger als der Fußballklub aufnehmen, die garantierten Einnahmen würden deutlich über den Zinszahlungen und Tilgungen liegen. „Wir wollen doch nicht, dass wegen Alemannia soziale Einrichtungen gefährdet werden”, sagt Kraemer. „Wir sind auf Gedeih und Verderb mit dieser Stadt verwurzelt, aber wir müssen unsere hohen Finanzierungskosten reduzieren.”

Die Herren sind nicht sehr zuversichtlich, dass die Stadt ihnen folgen wird, sie arbeiten parallel an einer anderen Lösung, um die strangulierenden Belastungen zu reduzieren. Es gibt zarte Signale, dass sich die Landesbürgschaft über die 18 Jahre hinaus doch noch strecken lässt, zudem sollen auch Kredite auf andere, günstigere Kreditgeber umfinanziert werden. „An diesen Lösungen arbeiten wir seit Monaten intensiv”, sagt Heyen.

Neidisch wirft der Klub einen Blick über die Bauzäune der Konkurrenz. „Viele Vereine haben die Kommunen als Bauherr oder -träger gewonnen und dürfen für 500.000 Euro Miete im Jahr spielen”, ärgert sich Kraemer nicht zum ersten Mal. Alemannia dagegen muss jährlich 5,5 Millionen Euro für Zins und Tilgung des Stadions aufbringen, plus 473.000 Euro für ein Parkhaus, „das nur die Politiker, nicht aber wir wollen”.

Auch hier hält Kraemer einen Vergleich bereit, der die Ungleichbehandlung eindrucksvoll dokumentierten soll. Alemannia zahlt alleine 473.000 Euro für das ungeliebte Parkhaus, Drittligist Kickers Offenbach zahlt jährlich 471.000 Euro für ein komplettes neues Stadion. „Und wir führen zudem noch 1,5 Millionen Euro als Verbraucher an städtische Gesellschaften ab”, sagt Kraemer. Man habe die Stadt schlicht verwöhnt, mit der Übernahme des alten Tivolis vor Jahrzehnten habe nur noch Alemannia in die Arena investiert. Die Stadt habe sich fein herausgehalten.

Das Verständnis für fortgesetzte Ignoranz ist beim Klub aufgezehrt. „Wir sind ein wichtiger Werbeträger für die Stadt.” Zum Beleg gibt es zwei TV-Quoten. Den letzten Großen Preis von Aachen beim CHIO sahen 1,1 Millionen Zuschauer, Alemannias Pokal-Aus gegen den FC Bayern dagegen 7,7 Millionen Fans.

Die Stadt freue sich über so viel Zuspruch, vermutet Kraemer, eine Rückmeldung habe er nie bekommen. „Stattdessen meldet sich die Kämmerin mit der Frage, wieso wir uns ein Trainingslager leisten können”, sagt Heyen. „Wir haben in dieser Spielzeit viel Vertrauen zurückgewonnen, nur nicht bei der Stadt”, findet Präsident Alfred Nachtsheim. Oberbürgermeister Philipp war gestern Abend nicht zu erreichen.
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