AKW Tihange: „Wie viel kommt da noch?“

Von: Madeleine Gullert
Letzte Aktualisierung:
Tihange
Die Ankündigung von Engie-Eletrabel, die Meiler in Tihange und Doel länger am Netz lassen zu wollen, hat für Irritationen gesorgt. Foto: Oliver Berg/dpa

Aachen. Die Ankündigung von Engie-Eletrabel, die Meiler in Tihange und Doel länger am Netz lassen zu wollen, hat für Irritationen gesorgt. Die Nukleartechnologie sei für die nächsten zehn bis 20 Jahre eine Übergangstechnologie, hatte der Leiter des Kernkraftwerks Tihange, Jean-Philippe Bainier, in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt. Der umstrittene Meiler Tihange 2 sei sicher.

Diese Aussage irritiert den Aachener Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU). Man müsse am Sonntag bei der Menschenkette ein Zeichen setzen. „Tihange 2 und Doel 3 gehören stillgelegt – für immer“, forderte er am Donnerstag erneut. Der Aachener Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko (Linke) hält den Vorstoß einer Laufzeitverlängerung für „skandalös“.

Auch über unsere Region hinaus bewegt das Thema. „Eine Diskussion um eine mögliche Laufzeitverlängerung auch für Tihange 2 erfüllt mich mit großer Besorgnis“, sagte die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) auf Anfrage. Nicht nur die Menschen in der Dreiländerregion Aachen hätten Angst vor einem GAU im AKW Tihange, der die Region unbewohnbar machen könnte. Auch die Bürger Kölns bewege die Frage der Sicherheit. „So lange nicht klar ist, dass die Anlage auch unter Unfallbedingungen sicher ist, ist der einzige sinnvolle Schutz die Abschaltung von Tihange 2“, forderte Reker.

„Natürlich will Engie die Meiler gern länger kaufen lassen“, sagte die Aachener EU-Parlamentarierin Sabine Verheyen (CDU). Atomkraftwerke seien Goldesel. Es gebe aber einfach zu viele Unsicherheiten. „Es ist doch nach wie vor nicht belegt, ob sich die Risse nicht ändern“, sagte sie. Engie hatte eine veränderte Zahl der Wasserstoffeinschlüsse mit einer anderen Kameraposition erklärt. „Wie viel kommt da noch?“, fragt Verheyen. Sie setze weiter darauf, eine europäische Lösung zu finden.

Die Aussage, dass Tihange 2 sicher sei, ist laut der Materialwissenschaftlerin Ilse Tweer „nicht haltbar“. Denn keine identische Beobachtungsmöglichkeiten herstellen zu können, bedeute, dass man die Ergebnisse unterschiedlicher Messvoränge nicht vergleichen könne, so Tweer, die von den Grünen um ihre Einschätzung gebeten wurde. „Wie will man also Wachstum ausschließen?“ Grünen-Bundestagsabgeordneter Oliver Krischer aus Düren zeigte sich „fassungslos“.

Der Organisator der Menschenkette, Jörg Schellenberg, ist sicher: „Das ist der Tropfen, der die Menschenkette zum Überlaufen bringt.“ Inzwischen gebe es fast 30.000 Anmeldungen.

Leserkommentare

Leserkommentare (4)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert