Aktuelles Thema: RWTH-Ringvorlesung zu Flucht und Migration

Von: Nicola Gottfroh
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Aachen. Seit Monaten gibt es kein Thema, das die Politik so beschäftigt wie die Flüchtlinge. Flüchtlingskrise, Flüchtlingsstrom – ein Thema, das bewegt.

Die Fachgruppe Gesellschaftswissenschaften an der Philosophischen Fakultät der RWTH Aachen beschäftigt sich aus genau diesem Grund in der neuen Ringvorlesung des Sommersemesters damit. „Entwurzelt? Ringvorlesung zum Thema Flucht, Vertreibung und Migration in Geschichte und Gegenwart“ lautet der Titel der interdisziplinären Vorlesungsreihe. Selten war die reihe tagespolitisch so aktuell wie in diesem Semester. Daher richtet sich die Veranstaltung auch nicht nur an Studenten, sondern an alle Interessierte.

Parallelen aufzeigen

„Es sind Themen, bei denen die Bürger mitreden können“, sagt Klaus Freitag vom Historischen Institut als Organisator. Und trotzdem solle die Ringvorlesung den Zuhörern Neues bieten. „Derzeit dreht sich im öffentlichen Diskurs ja alles um die Frage, wie man die Situation in der Praxis verändern und verbessern kann. Das ist richtig und wichtig. Wir aber versuchen mit der Ringvorlesung, die akademischen Hintergründe zu liefern. Unsere Forschung soll damit transparent werden und in die Öffentlichkeit hineinwirken“, sagt Freitag. Dabei ginge es nicht um Belehrung der Bürger oder der Politik, sondern darum, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und Parallelen aufzuzeigen.

„Zu diesem Zweck näherten sich neun Forscher dem Thema aus der Perspektive ihres jeweiligen Fachgebietes“, erklärt Historiker Harald Müller aus dem Organisationsteam. So macht den Anfang im ersten Teil der Veranstaltung dann auch die Geschichte. „Flüchtlinge gab es in der Menschheitsgeschichte immer – und wird es auch wohl immer geben“, sagt Freitag. Diese Vergangenheit löse zwar nicht die gegenwärtigen Fragen, die die Flüchtlingssituation mit sich bringt, aber sie helfe zumindest dabei, sie einzuordnen. Daher stehen Themen im Vordergrund, die die historische Tiefe des Phänomens Flucht ausloten. Dabei wird ein weiter Bogen geschlagen vom alten Israel bis zur Situation in Deutschland im 20. Jahrhundert. „Wir beleuchten, wie die Generationen zuvor Probleme gelöst haben“, sagt Müller.

„Aktuelle Probleme werden vor allem aus der politikwissenschaftlichen und medizinhistorischen Sicht in den Fokus genommen“, stellt Müller in Aussicht.

Neben den Methoden wird das Thema Flucht auch aus linguistischer Sicht unter die Lupe genommen. „Hier wird der Frage nachgegangen, wie und mit welchen Motiven verschiedene Akteure Begriffe aus dem Wortfeld Flucht und Vertreibung verwenden und sie politisch einsetzen“, sagt Müller. „Für die Wahl der Begriffe wollen wir sensibilisieren. Allerdings ohne den erhobenen Zeigefinger. Praktisch eine intellektuelle Aufarbeitung ohne Politikberatung“, ergänzt Freitag.

Die Vorlesung schließt in der letzten Sitzung im Juli mit einer Podiumsdiskussion. Die Vorträge dauern jeweils 45 Minuten, an die sich einen Diskussion anschließt.

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