Aggressives Virus: Polizei warnt vor fingierten BKA-Meldungen

Von: stm/red
Letzte Aktualisierung:
screenshot virus ukash
Mit diesem Pop-Up-Fenster versuchen Betrüger, Zahlungen von Internetnutzern zu erhalten. Screenshot: Polizei

Aachen. Ein aggressives Computervirus legt zurzeit viele private Computer in der Städteregion Aachen lahm und sorgt bei der Polizei für eine Flut von Anzeigen: Nachdem das Bundeskriminalamt bereits Anfang April gemeinsam mit der Bundespolizei vor einer neuen Erpressungsvariante gewarnt hatte, sind nun in der Region insgesamt 19 angezeigte Fälle seit 14. April bekannt geworden.

„Wir werden regelrecht bombardiert mit Strafanzeigen”, sagt Polizeisprecher Karl J. Völker. Und er mutmaßt: „Das wird noch deutlich mehr werden.” Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler lädt sich dieses aggressive Computervirus beim Surfen im Internet unbemerkt herunter und installiert sich auf dem Computer - ohne, dass dafür ein Mail-Anhang geöffnet werden müsste, wie es bei anderen Viren oft üblich ist.

Das Virus sperrt unvermittelt den Computer und fordert den Benutzer über ein spezielles Fenster auf, eine Zahlung mittels „Ukash” vorzunehmen, um den Computer wieder frei zu schalten.

In dem Pop-Up-Fenster wird der Betroffene bezichtigt, seinen Computer für strafbare Handlungen, insbesondere zur Verbreitung kinderpornografischen Materials sowie für E-Mails mit terroristischem Hintergrund, genutzt zu haben. Diese Nachricht ist mit den Logos des Bundeskriminalamtes und der Bundespolizei versehen.

„Entsperrung” gegen 100 Euro

Dem Betroffenen wird dann eine „Entsperrung” des Computers nach Zahlung eine „Strafe” von 100 Euro innerhalb von 24 Stunden über den digitalen Bezahldienst „Ukash” angeboten. Anderenfalls würde die Festplatte des Computers gelöscht.

Das Programm, das den PC entert, nimmt nämlich umfangreiche Änderungen des Systems vor und greift tief in die sogenannte „Registry”, eine zentrale Datei des Computers ein.

Die Polizei in der Städteregion warnt eindringlich vor diesem Virus: Weder das Bundeskriminalamt noch die Bundespolizei sind Urheber derartiger Meldungen. Augenscheinlich sollen die Betroffenen über diesen Betrugsversuch eingeschüchtert und zu der Zahlung veranlasst werden.

In einigen bei der Polizei Aachen angezeigten Fällen wurden laut Völker die 100 Euro tatsächlich über „Ukash” bezahlt. Wie bei dieser Masche zu erwarten führte die Bezahlung nicht zum Entsperren des Computers. Der Bezahldienst „Ukash” gilt ähnlich wie Paypal nach Angaben der Ermittler als seriös, die Täter bedienen sich allerdings dieses Dienstes.

Das Kriminalkommissariat 23 rät dringend: Betroffene Computernutzer sollten auf keinen Fall Zahlungen vornehmen. In jedem Fall sollte bei der örtlichen Polizei Strafanzeige erstattet werden und ein Screenshot (falls noch möglich) oder ein Foto der Mitteilung angefertigt werden.

An die Täter kommen die Behörden derzeit nicht heran, Grund ist die Anonymität der Zahlungsmethode.

Grundsätzlich rät die Polizei dazu, die Anti-Viren-Software immer auf dem aktuellen Stand zu halten. Diese minimiert die Wahrscheinlichkeit, Opfer solcher Virus-Attacken zu werden.

Laut dem Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik kann man den Rechner durch eine „Rescue-CD” retten, die von Anti-Virus-Softwareherstellern kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Laut Bundesamt ist derzeit allerdings nur eine „Kaspersky Rescue-Disk” in der Lage, das Virus vollständig zu entfernen und Modifikationen rückgängig zu machen. Privatnutzern steht für Infos die Hotline des Bundesamtes - 01805-274100 - zur Verfügung.

Damit jedoch nicht genug: Noch eine Erpressungsvariante macht die Runde. In diesem Fall sperrt das Virus den Nutzer von seinem Rechner aus und fordert ihn auf, die Lizenz des Betriebssystems prüfen zu lassen. Dazu sei es notwenig, eine Rufnummer im Ausland anzurufen, um den Rechner entsperren zu lassen. Dieser Anruf verursacht hohe Kosten. Nach Information des Bundesamtes kann man sich das Telefonat sparen. Es reicht, den Freischaltcode 1351236 einzugeben. Es wird generell dringend geraten, die Anti-Viren-Software und das Betriebssystem auf dem neuesten Sicherheitsstandard zu halten.

Für weitere Rückfragen steht die Kripo Aachen unter der Telefonnummer 0241/9577-32301 oder - außerhalb der Bürozeiten - unter 0241/9577-34210 zur Verfügung. Weitere Infos gibt es auch unter http://www.bsi-fuer-buerger.de/BSIFB/DE/Home/home_node.html und unter http://www.buerger-cert.de im Netz.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert