Köln - Agenten für Patente: 18 Scouts an NRW-Unis unterwegs

Agenten für Patente: 18 Scouts an NRW-Unis unterwegs

Von: Jürgen Schön, ddp
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Patentscout
Sabine Müller ist der erste Patentscout der Universitaet Köln. Foto: ddp

Köln. Sabine Müller kann in ihrem Job als „Patentscout” an der Universität Köln ihre beiden Ausbildungen nutzen: die Lehre als Rechtsanwalts-Fachangestellte und das Biologiestudium.

Mit landesweit 17 anderen „Trüffelschweinen” - wie eine Ministeriumssprecherin die Patentscouts fast liebevoll nennt - soll sie an Universitäten und Fachhochschulen die Wissenschaftler auf das patentwürdige Potenzial ihrer Forschungen aufmerksam machen. Vor allem in den Bereichen Medizin, Technik und Naturwissenschaften können Forschungsergebnisse häufig kommerziell verwertet werden.

Dem Innovationsministerium ist dieses Projekt 900.000 Euro wert, 400.000 Euro tragen die beteiligten Hochschulen bei. Das Projekt ist als Scharnier zwischen Wissenschaft und der seit 2001 bestehenden Patentvermarktungsgesellschaft PROvendis gedacht.

„Ich besuche die Wissenschaftler und frage gezielt nach”, erklärt Müller ihren Job. „Viele wissen gar nicht, was sich aus ihren Forschungsergebnissen machen lässt.” Dann wird geprüft, ob es vergleichbare Patente gibt. Wenn nicht, wird der Vorgang an PROvendis in Mülheim/Ruhr zur Betreuung, Patentierung und schließlich Vermarktung weitergeleitet.

PROvendis wird inzwischen von 23 nordrhein-westfälischen Hochschulen getragen. Den Jahresetat von rund 1,7 Millionen Euro teilen sich Bund, Land und die Hochschulen, hinzukommen Einnahmen aus Patentverwertungen. Langfristig soll sich das Unternehmen selber tragen.

Geschäftsführer Alfred Schillert warnt allerdings vor der weit verbreiteten Hoffnung auf kurzfristige Gewinne: „Es dauert oft Jahre, bis ein Patent marktreif ist und von der Industrie in hohe Stückzahlen umgesetzt werden kann.”

Außerdem sei es für die Hochschulen finanziell meist sehr schwierig, die Erfindungen so weit zu entwickeln, dass die Industrie diese überhaupt aufgreift. Von eventuellen Lizenzeinnahmen der Hochschule erhält der Forscher 30 Prozent.

Wichtiger als finanzieller Gewinn ist den Hochschulen der Imagegewinn und vor allem eine stärkere Kooperation mit der Wirtschaft. „Hinter den USA und Großbritannien ist Deutschland in der Zahl der Erfindungen auf einem guten Weg, es liegt aber noch viel Arbeit vor uns”, sagt Schillert.

Von den bislang bei PROvendis eingereichten 2000 Vorschlägen hätten rund 600 patentiert werden können. „Die Zahl hat in den letzten Jahren zugenommen, vor allem aber ist die Qualität besser geworden”, sagt er.

Jüngster Erfolg ist ein an der RWTH Aachen entwickelter Wirkstoff gegen Arteriosklerose. Große Hoffnung setzt man auch auf ein an der Universität Köln erfundenes Verfahren, Wasser etwa mit Diesel zu vermischen. Dieses „Hydro Fuel” senke nicht nur den Verbrauch, sondern auch den Schadstoffausstoß.

Um deren Transfer in die Wirtschaft zu erleichtern, bietet das Düsseldorfer Innovationsministerium kleinen und mittelständischen Unternehmen einen Lohnkostenzuschuss von jährlich 15 000 Euro, wenn sie für mindestens zwei Jahre einen Hochschulabsolventen als „Innovationsassistenten” einstellen. Dieser soll bei der Einführung neuer Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen beraten.

Außerdem gibt es hierfür verbilligte Kredite von 25 000 bis fünf Millionen Euro. „Investitionen in Innovationen sind gerade in der Krise wichtig”, betont Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP).
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