Ärzte-Funktionär fordert Gesundheitsministerin heraus

Von: Martin Teigeler, ddp
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Rudolf Henke
Fordert Ulla Schmidt heraus: Rudolf Henke (CDU). Foto: ddp

Aachen. Rudolf Henke hat sich verkleidet. Mit Bauarbeiter-Helm, gelbem Hemd und Alemannia-Schal steht der CDU-Politiker vor der Baustelle des neuen Tivoli-Fußballstadions in Aachen. Der 55-Jährige will am 27. September bei der Bundestagswahl das Direktmandat in Aachen gewinnen.

Mit 25 Bürgern besichtigt er die Bauarbeiten für den neuen Tivoli. Er scherzt mit den Bürgern, als die Gruppe durch den Schlamm zwischen den Baggern stapft. Henke verteilt Visitenkarten. Es ist nicht irgendein Wahlkreis.

Die gebürtige Aachenerin Ulla Schmidt hält den Stimmbezirk für die SPD. Die Bundesgesundheitsministerin ist auch sonst Gegnerin von Henke. Seit 2007 ist der Internist und vierfache Familienvater Chef des Ärzte-Verbandes Marburger Bund. „Das ist nicht Ulla Schmidts Wahlkreis, das ist ebenso mein Wahlkreis”, sagt Henke trotzig am Rande der Baustellen-Visite.

„Es gibt keine Erbhöfe in der Demokratie”, fügt er hinzu. „Nicht der Marburger Bund hat mich aufgestellt, sondern die CDU.” Henke rechnet sich Chancen aus. Bei der Bundestagswahl 2005 hatte Schmidt nur knapp mit 40,54 Prozent zu 39,13 Prozent gegen die CDU gewonnen. Wann er Ulla Schmidt zum ersten Mal getroffen habe, weiß Henke nicht mehr. „Ich kenne sie aber schon aus den 70er Jahren, als ich RCDS-Vorsitzender und stellvertretender AStA-Vorsitzender in Aachen war”, sagt er.

Henke sitzt jetzt auf einer Hotel-Terrasse in der Nähe des Fußballstadions und trinkt Cappuccino. „Unser heutiges Verhältnis ist kollegial und persönlich unproblematisch”, sagt Henke über seine Arbeitsbeziehung zu Schmidt. Als sie 2001 Gesundheitsministerin wurde, habe er „ihr von Herzen gratuliert”. Damit ist es lange vorbei. Seit er den Vorsitz beim Marburger Bund übernommen hat, kritisiert Verbandsvertreter Henke die Ministerin im Wochentakt - egal ob es um das Dauerstreitthema Honorarreform oder eine neue Zusatzversicherung geht.

„Ich werfe Ulla Schmidt vor, dass sie einen fast unbegrenzten Glauben an die zentralistische Steuerung des Gesundheitssystems hat”, schimpft Henke. Diese „Abgehobenheit” sei ihr „Grundfehler”. Die Union müsse „den Anspruch haben, nach der Bundestagswahl das Gesundheitsministerium zu übernehmen”. Die CDU wolle „keine Privatisierung” der gesetzlichen Krankenkassen, betont er. Bislang ist der gebürtige Dürener Henke für Aachen CDU-Landtagsabgeordneter in NRW. Vor allem am Wochenende kümmert er sich um seine Lobbyarbeit etwa für höhere Ärztehonorare.

Die „FAZ” nannte ihn einmal „Ärztepolitiker”. Sein Amt beim Marburger Bund bringe ihm „eine zusätzliche Vernetzung”, sagt Henke. Zugleich sei er „näher dran an den Nöten und Ängsten von Patienten”. Von seinem eigentlichen Beruf als Oberarzt einer Klinik in Eschweiler ist der Berufspolitiker und Ärztefunktionär freigestellt. Ob er im Bundestag auch Gesundheitspolitik machen will? „Erst einmal müssen wir den Bären erlegen, bevor wir sein Fell verteilen.” Er kenne sich auch mit Sozial- und Bildungspolitik aus.

Ob er gleich selbst Gesundheitsminister und Schmidt-Nachfolger werden möchte? „Um Gottes willen, das ist gar kein Thema für mich”, sagt Henke. Und was sagt Ulla Schmidt über Henke? Sie schweigt eisern zu ihrem Gegenkandidaten. Es sei „nicht der Stil” von Schmidt, mit persönlichen Attacken gegen ihren Herausforderer Wahlkampf zu machen, sagt ein Sprecher der Aachener SPD. Kurz vor der Bundestagswahl wird es auf Einladung unserer Zeitung zu einem Rededuell zwischen den Kontrahenten kommen.

Henke wird bis dahin Wahlkampf machen, Visitenkarten verteilen und darauf hinweisen, dass Schmidt ja ohnehin auf der SPD-Landesliste abgesichert ist. Das Direktmandat sollen die Aachener also ihm geben. Henke hat einen schlechten Listenplatz. Ohne einen Sieg über Ulla Schmidt wird er es also kaum in den Bundestag schaffen.

Das Forum unserer Zeitung mit den Bundestagskandidaten findet statt am Donnerstag, 17. September, 18 Uhr. Der Ort steht noch nicht fest. Neben Rudolf Henke und Ulla Schmidt nehmen teil: Jochen Luczak (Grüne), Petra Müller (FDP) und ein Vertreter der Linken.
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