Ärger im Bonner Sperrbezirk: „Verrichtungsboxen” als Lösung?

Von: Markus Peters, ddp
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Bonn / Straßenstrich / Verrichtungsareal
Auf diesem Gelände an der Immenburgstraße möchte die Stadt Bonn ein so genanntes „Verrichtungsareal” errichten. Foto: ddp

Bonn. Gerne präsentiert sich Bonn als Bildungs-Metropole und als florierender Kultur- und Wirtschaftsstandort. Auf den Straßenstrich der ehemaligen Bundeshauptstadt sind die Kommunalpolitiker hingegen weniger stolz.

Dabei zählt Bonns „sündige Meile” in Nordrhein-Westfalen zu den am meisten frequentierten Einrichtungen ihrer Art, wie ein Vertreter des Ordnungsamts schon vor Jahren einräumen musste.

Seit langem gibt es Ärger um das triste Industrieareal im Norden der Stadt, wo seit über 40 Jahren drogensüchtige Frauen und professionelle Prostituierte ihrem Gewerbe nachgehen. Im Schritttempo schleichen Autofahrer aus dem Umland durch die Straßen, dank der nahen Autobahn kommen die Freier auch aus benachbarten Bundesländern.

In den vergangenen Jahren häuften sich die Beschwerden von Frauen, die in der Gegend eher bürgerlichen Berufen nachgehen. „Sie werden auf dem Weg zur Arbeit immer wieder von Freiern belästigt”, berichtete schon Bonns frühere Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD).

Betroffen waren vor allem Mitarbeiterinnen eines Telekommunikationsanbieters, der in der Nähe Büros unterhält, ebenso wie Studentinnen, die auf dem nahen Campus Endenich zu tun hatten. Eher unerfreulich waren auch zufällige Begegnungen auf den öffentlichen Parkplätzen der Gegend, die die Prostituierten mit ihren Kunden aufsuchten.

Als Reaktion darauf erklärte die Stadt vor zwei Jahren das Areal tagsüber zum Sperrbezirk. Jetzt dürfen dort die Frauen ihre Dienste offiziell erst ab 20 Uhr anbieten. Gleichzeitig hatte die Stadtverwaltung 16 alternative Standorte für den Straßenstrich untersucht und allesamt für ungeeignet befunden. Immer wieder mahnte der Kölner Regierungspräsident Jürgen Lindlar eine Lösung des Problems an.

„Die Situation ist heikel”, räumt eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage ein. Die Straßenprostitution mit all ihren Begleiterscheinungen wolle nun mal niemand gerne in der Nachbarschaft haben.

Im Dezember versuchte die schwarz-grüne Mehrheit im Stadtrat dann den großen Wurf. Sie will den Straßenstrich in der Immerburgstraße, unweit seines ehemaligen Standorts, ansiedeln. Dazu sollen auf einem Brachgelände sogenannte Verrichtungsboxen entstehen, die sich in Köln schon bewährt haben. In den Garagen ähnelnden Bauten können sich die Frauen mit ihren Kunden zurückziehen, die regelmäßige Präsenz von Polizei, Ordnungsamt und Sozialarbeiterinnen soll für Sicherheit sorgen.

Auch der „Anbahnungsbereich”, in dem die Prostituierten mit ihren Freiern ins Geschäft kommen, soll sich nur auf die Immenburgstraße konzentrieren. Doch nun scheint diese Lösung wieder gefährdet. „Es gibt erhebliche Anwohnerproteste”, heißt es von Seiten der Stadt. Neben Privatpersonen haben sich auch die Betreiber eines benachbarten Baumarktes und die Mieter von Bürogebäuden gemeldet. Sogar mit dem Abzug von Arbeitsplätzen aus Bonn soll gedroht worden sein.

Bedenken gibt es offenbar auch von den Betreibern der „Immenburg”, Bonns einzigem Großbordell mit rund 140 Zimmern. Sexuelle Dienstleistungen zum Discount-Tarif direkt vor der Haustüre würden den Mieterinnen des hochpreisigen Etablissements das Geschäft vermiesen.

In der vergangenen Woche hatten CDU und Grüne die Einwände im Bürgerausschuss noch zurückgewiesen. Im Mai sollen nun noch der Wirtschafts- und Sozialausschuss gehört werden. Außerdem ist noch die Zustimmung von Kölns Regierungspräsident Lindlar erforderlich. „Wir warten auf die Stellungnahme der Stadt Bonn”, sagte eine Behördensprecherin.

Anscheinend gibt es aber auch in Teilen der Bonner CDU Bedenken. Für die Einrichtung der Verrichtungsboxen fallen rund 100.000 Euro an, dazu kommen jährliche Betreuungskosten im ebenfalls sechsstelligen Bereich. Reichlich Steuergeld der klammen Stadt für ein „unmoralisches Angebot”, finden manche Christdemokraten.

Verbieten kann die Stadt den Straßenstrich allerdings nicht. Laut Strafgesetzbuch ist dieser von Kommunen mit mehr als 50.000 Einwohnern zu dulden, wenn die entsprechende Nachfrage besteht. Was in Bonn zweifellos der Fall ist.
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