Ältere Menschen mit Tricks übel betrogen

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
seniorenabzocke betrüger abzocke betrug senioren alte frau
Senioren werden immer häufiger zu Opfern von Betrügern: Unbekannte Anrufer, vermeintliche Handwerker oder aufdringliche Verkäufer an der Tür hoffen bei ihnen auf leichte Beute. Dagegen hilft nur gesundes Misstrauen und selbstbewusstes Neinsagen. Foto: imago/Sven Simon

Aachen. Was Ben Hamacher zu erzählen hat, ist deprimierend. Der Hauptkommissar bearbeitet bei der Aachener Polizei Fälle, in denen ältere Menschen Opfer von Betrügern geworden sind. Die Zahl dieser Fälle steigt in der Region wie auch bundesweit dramatisch an.

Im Raum Aachen waren es 2010 noch 100 Fälle, jetzt sind es zur Jahresmitte bereits 124. Die Täter, die oft zu mafiös organisierten Banden gehören, machen sich vornehmlich an Menschen heran, die zum Beispiel demenzkrank sind und meist zu spät oder gar nicht merken, dass sie übel ausgenommen werden. Ganz aktuelle grassiert in Aachen eine Masche, bei denen sich ein angeblicher Rechtsanwalt bei Senioren meldet und „bekanntgibt”, sie hätten einen Bargewinn von über 50.000 Euro beziehungsweise ein Luxusauto gewonnen.

Sie sollen „nur noch” eine Verwaltungsgebühr bezahlen. Diese wird laut Aufforderung abgewickelt über „Paysafe”- oder „U-Kash”-Karten, die man an Tankstellen erwerben kann und bis zu 100 Euro wert sind. Beides sind seriöse Unternehmen, die sich auf bargeldloses und anonymes Bezahlen im Internet spezialisiert haben.

Auf den Karten befinden sich Nummern, mit denen man bei angeschlossenen Unternehmen im Netz zahlen kann. Diese Nummern fragt besagter „Anwalt” ab. Die Täter lösen mit dieser Information den Betrag dann meist in Wettbüros ein und können über mögliche Gewinne dort das erbeutete Geld „waschen”. Der Schaden beträgt für die Opfer - zuletzt wurden 15 Fälle in einer Woche registriert - mehrere hundert Euro. Den Gesamtschaden schätzt Hamacher bundesweit auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Die Telefonanschlüsse für die Tatausführung werden per Internet mit den Personalien von personen angemeldet, die davon keine Ahnung haben - zumeist ebenfalls Senioren. In einem Aachener Fall wurden die Daten eines Mannes benutzt, der bereits seit drei Jahren tot ist.

Im Umlauf sind aber auch zahlreiche ander Maschen, wie etwa der „Enkeltrick”, mit dem Täter in Aachen zuletzt in einem Fall 8000 Euro bei einer Seniorin erbeuteten. Die Täter seien taktisch äußerst gut geschult und merkten am Telefon sofort, wenn sie ein ein potenzielles Opfer haben. Die Nummern werden aus dem Telefonbuch ausgesucht, zum Beispiel über Vornamen wie Wilhelm oder Katharina, die früher sehr häufig waren. Zunutze machen sich die Betrüger, dass die Misstrauensschwelle bei älteren Menschen oft leichter zu überwinden ist als bei jungen. Auch geben sie sich als Mitarbeiter von Telefon- und Versorgungsunternehmen aus.

In einem solchen Fall erbeuteten sie in Aachen Schmuck im Wert von 100.000 Euro. In einem Fall beging ein Opfer eines solchen Betrugs - vermutlich aus Scham - Selbstmord.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert