Adlerholz: Jülicher sind begehrtem Duft auf der Spur

Von: Katharina Menne
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Wild wachsende Adlerholzbäume sind in den südostasiatischen Tropen ein seltener Anblick geworden. Auf der Jagd nach dem wertvollen Harz, das sich im Inneren verbirgt, werden sie unerlaubt gefällt und dadurch immer weiter ausgerottet. Foto: Epa/Jerome Favre
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Claudio Cerboncini vom Forschungszentrum Jülich setzt sich für eine nachhaltige Erzeugung von Adlerholz ein. Er hat dazu das deutsch-vietnamesische Forschungsprojekt „Vietwood“ ins Leben gerufen. Foto: K. Menne

Jülich. Der teuerste Duft der Welt riecht ein bisschen nach Vanille, etwas nach Erde und Leder, auch ein Hauch Kuhmist schwingt mit. Ein Kilogramm Adlerholz, auch Oud genannt, kann mehrere 100.000 Euro kosten und ist damit wertvoller als Gold.

Doch weil der Duft so begehrt ist, stehen die Bäume, die ihn produzieren, auf der roten Liste der gefährdeten Pflanzen. Illegaler Raubbau und eine hohe Nachfrage lassen die Bestände schrumpfen. Der Agrarwissenschaftler Claudio Cerboncini aus dem Forschungszentrum Jülich hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die südostasiatischen Adlerholzbäume vor dem Aussterben zu retten.

Verwendung findet Adlerholz vor allem in Saudi-Arabien, Taiwan und China als Räucherware für religiöse Rituale. Klein geschreddert und in Kegelform gepresst wird es in die ganze Welt verkauft. Für die internationale Parfümindustrie ist das aus dem Holz gewonnene Öl ein begehrter Duftstoff. Es ist zahlreichen hochpreisigen Parfüms beigemischt. Doch: „Das Holz ist in den letzten Jahren so selten und teuer geworden, dass es sich zu einem Luxusgut entwickelt hat“, sagt der Forscher vom Institut für Pflanzenwissenschaften.

Er möchte den Bäumen deshalb ihre Geheimnisse entlocken. „Uns interessiert, unter welchen Bedingungen der Duft genau entsteht, ob er sich nachhaltig erzeugen lässt, welche Arten dafür in Frage kommen und ob man ihn im Labor künstlich nachahmen kann“, sagt er. Die Duftkomposition, so viel wissen die Forscher bereits, steckt im Harz von verletzten Adlerholzbäumen. Mit der Produktion des Pflanzensafts verschließen die Bäume ihre Wunden und verhindern, dass sich Pilzinfektionen im Holz weiter ausbreiten können.

Die natürlichen Standorte der Pflanzen aus der Familie der Seidelbastgewächse sind die immergrünen tropischen Regenwälder in Südostasien. Damit der Baum das Harz bildet, muss er verletzt werden. Dazu werden oft Nägel in seinem Stamm geschlagen. Dann heißt es warten und darauf hoffen, dass sich Pilze ansiedeln und er den wertvollen Saft bildet.

Da den Pflanzen jedoch von außen nicht anzusehen ist, ob es so weit ist, werden viele umsonst gefällt. Hochrechnungen von Umweltorganisationen gehen davon aus, dass bei anhaltend hoher Nachfrage die natürlichen Ressourcen in weniger als zehn Jahren erschöpft sind. Mancherorts sind die Bäume bereits vollständig aus den Regenwäldern verschwunden.

Um das zu verhindern, arbeitet Claudio Cerboncini in einem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt mit dem deutschen Aroma- und Duftstoffhersteller Symrise und der vietnamesischen Forstuniversität Hanoi zusammen. Das „Vietwood“ genannte Projekt hat viele Aspekte.

Neben dem Interesse der Vietnamesen, eine nachhaltige Plantagenproduktion vor Ort zu etablieren, bringt Cerboncini als Agrarwissenschaftler vor allem seine Expertise dabei ein, die verschiedenen Arten klar zu bestimmen und voneinander zu unterscheiden. Zudem möchte er Marker entwickeln, mit denen sich ähnlich einem Qualitätssiegel auch im Nachhinein noch zweifelsfrei die Herkunft des Adlerholzes belegen lässt.

Ein weiteres – allerdings sehr ambitioniertes – Ziel ist, mit Hilfe der Duftexperten von Symrise die Duftkomponenten zu entschlüsseln. Die Forscher vermuten, dass nicht nur das Harz allein für den Geruch verantwortlich ist, sondern auch die Pilze entscheidend an der Entstehung der mehr als 200 verschiedenen Aromastoffe beteiligt sind. Doch welche das sind und welchen Einfluss sie haben, ist nach wie vor unklar.

Aufgrund dieser Komplexität ist es schwer, den Duft künstlich nachzuahmen, wie es zum Beispiel bei Sandelholz- oder Rosenaroma längst möglich ist. Seit vielen Jahrzehnten beißen sich die Aromaforscher die Zähne daran aus. „Entscheidend bei so komplexen Düften ist, das sogenannte ‚High Impact Aroma‘ herauszufinden“, sagt Cerboncini. „Das ist das Molekül, das den Geruch dominiert und in der menschlichen Nase die entsprechende Duftassoziation hervorruft.“ Bislang konnte der Projektpartner Symrise nur einige wenige Komponenten eindeutig charakterisieren, der große Durchbruch blieb allerdings aus. Cerboncini äußert auch durchaus Zweifel daran, dass das jemals gelingen wird.

Überrascht war die Jülicher Forschergruppe, dass sich zumindest eine minderwertige Kopie biotechnologisch in der Petrischale erzeugen lässt. Dazu haben sie teilungsfähige Baumzellen mit Pilzzellen in einer Gewebekultur zusammengebracht. „Als wir nach ein paar Tagen ins Labor kamen, roch es verdächtig nach Adlerholz“, sagt Cerboncini. Doch das Verfahren ist noch aufwendig und teuer – und somit nicht wirtschaftlich genug, um es in großem Maßstab umzusetzen.

Außerdem löst auch das nicht das Problem in Südostasien. „Ein wahrer Kenner würde den Unterschied sofort merken“, sagt Cerboncini. „Der Duft erreicht nicht die gleiche Qualität, wie das über Jahrzehnte gereifte Adlerholz in Wildbeständen.“ Bis das Geheimnis um den wertvollen Duft gelöst ist, werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen. „Hoffentlich gibt es dann überhaupt noch Adlerholzbäume“, sagt Claudio Cerboncini und sieht besorgt aus.

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