Action-Cam am Reithelm: Der CHIO begeistert im Internet

Von: Marc Heckert
Letzte Aktualisierung:
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Die Action-Kamera am Reithelm nimmt den Zuschauer mit in den Sattel. Die Videos sind schon jetzt nach dem Ritt auf der CHIO-Webseite zu finden. In Zukunft sollen auch Live-Bilder möglich sein. Screenshots: zva/CHIO
CHIO-App
Die CHIO-App bietet - unter anderem - eine Bewertungsfunktion, mit der Zuschauer bei den Dressurwettbewerben eigene Noten an die Teilnehmer vergeben können. So gibt es am Ende einen „Sieger der Herzen“. Foto: CHIO
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Die Vielseitigkeitsstrecke ist über eine interaktive Grafik erlebbar...
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...auf der sich die einzelnen Hindernisse dreidimensional anschauen lassen.
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Über das CHIO-Gelände führt die große Multimedia-Grafik... Foto: CHIO
Videofilm
...in der Highlights wie CHIO-Brücke, Stallbereich oder Museum in Videofilmen präsentiert werden. Foto: CHIO
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Führen den CHIO in die digitale Zukunft: CHIO-Pressesprecher Niels Knippertz und Social-Media-Expertin Melanie Pyschny. Foto: Marc Heckert

Aachen. Laut schnaubt das Pferd, das Wasser spritzt unter den Hufen hoch, das Atmen der Reiterin ist zu hören – und ihr Lob nach dem Sprung über das Hindernis. Näher dran am CHIO geht nicht: Das Video von der Kamera am Reithelm ist die neueste Stufe der Digitalisierung des „Weltfests des Pferdesports“. Längst ist der CHIO auch im Internet zu einem Großereignis geworden – mit einer Fülle spannender und ausgefeilter Angebote.

Von der großen Multimedia-Grafik des Turniergeländes bis zum virtuellen 3D-Kameraflug über den Springplatz, von der multifunktionalen CHIO-App für Smartphone und iPad samt Autogramm-Feld für die (zweibeinigen) Stars bis zur Bewertungsfunktion für die Dressurzuschauer, vom Youtube-Kanal bis zum Instagram-Account: Das Team der CHIO-Öffentlichkeitsarbeit um Pressesprecher Niels Knippertz hat in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt eine ganze Welt an digitalen, mobilen und animierten Angeboten ins Netz gestellt.

Das digitale Erlebnis beginnt für den CHIO-Fan schon beim Kartenkauf: Wer im Ticketshop auf der Seite www.chioaachen.de auf den „3D“-Button klickt, kann bei der Platzwahl in einem virtuellen Stadion die Sichtmöglichkeiten auf den Parcours bereits vorab prüfen. Vielleicht doch lieber ein Sitz im Nachbarblock?

Nach Betreten der Soers geht es nahtlos weiter: Längst sind nicht nur die Stadien, sondern das komplette CHIO-Gelände am PC erlebbar. Eine große Multimedia-Grafik führt durch die Highlights vom Stallbereich über das Museum bis zum Ausstellerdorf. Alle werden in Videospots vorgestellt.

Ist das Turnier gestartet, geht das große Mitfiebern los: Dressur-Fans etwa können sich nicht nur über das UKW-Dressurradio das Geschehen im Stadion per Kopfhörer erklären lassen, sie können in der CHIO-Smartphone-App den Akteuren auch eigene Publikumsbewertungen geben. „So wird eine komplexe Sportart wie die Dressur ganz transparent“, sagt Niels Knippertz. Das führt schon mal zu überraschenden Ergebnissen: „Es kann passieren, dass es beim Deutsche-Bank-Preis einen offiziellen Sieger gibt – und einen Sieger der Herzen.“

Start- und Ergebnislisten stehen natürlich in Echtzeit online zur Verfügung – und können dank des in Zusammenarbeit mit Net- Aachen auf dem gesamten CHIO-Gelände installierten WLAN-Netzes auch von jedermann kostenlos genutzt werden, auch von den Besuchern mit ausländischen Handyverträgen. Und beim virtuellen Kameraflug über das Turniergelände lässt sich der Schwierigkeitsgrad von Oxer und Wassergraben einschätzen. „Wir haben gelernt, dass nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Reiter diesen Service zu schätzen wissen“, erklärt Knippertz.

Kräftig ausgebaut wurde in jüngster Zeit der Bereich Social Media. Der CHIO hat inzwischen nicht nur mehr als 100 000 Fans auf Facebook, die von Social-Media-Expertin Melanie Pyschny betreut werden, er ist auch mit eigenen Kanälen auf Twitter, Youtube und Instagram vertreten.

Das alles ist nicht über Nacht entstanden, sondern in jahrelanger, schrittweiser Aufbauarbeit. Ihre Initialzündung bekam die Digitalisierung des CHIO im Jahr 2007 nach dem Besuch einer Abordnung beim Vielseitigkeitsturnier im englischen Badminton. Dort ließ sich die Geländestrecke in einem digitalisierten Parcours erleben. Für die Aachener stand fest: So etwas wollen wir auch für die Soers anbieten! „Das hebt den Reitsport auf eine ganz neue Stufe“, betont Knippertz.

Bei der Suche nach einem Partner für die Umsetzung mussten die Aachener nicht lange suchen: Die Medienagentur M-Ply aus der Kaiserstadt digitalisierte den Parcours. Von da aus ging die Digitalisierung Jahr für Jahr weiter. Die neue Webseite im Jahr 2011 war ein weiterer Meilenstein, 2014 kamen Multimediagrafik und virtueller Kameraflug dazu.

Und wie geht es weiter? Was in der Formel 1 möglich ist, wird wohl bald auch der Reitsport bieten: Das Live-Erlebnis soll den Zuschauer buchstäblich in den Sattel heben. so dass sich der Ritt aus der Perspektive des Reiters verfolgen lässt – inklusive Geschwindigkeit, der errechneten Differenz zur Zeit-/Ziel-Vorgabe und der Herzschlagfrequenz. Sowie der Action-Kamera am Helm, dem Gegenstück zur Cockpit-Cam beim Autorennen. „Wir können das jedem Reiter anbieten, der mitmachen möchte“, sagt Knippertz. Schon jetzt gibt es solche Videos kurz nach Wettbewerbs-Ende auf der Webseite abzurufen.

Tatsächlich ist der Reitsport längst eine High-Tech-Zone. Einen Unterschied zur Formel 1 wird es allerdings wohl immer geben: Glücklich im Ziel angekommen, kommt es eher selten vor, dass ein Rennwagenpilot seinem Gefährt mit einem laut gelobten „Braaaaav!“ die Flanke tätschelt.

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