Abkehr von der Förderschule: Doch es fehlen 1339 Lehrer

Von: dpa/tka/udo
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Gütersloh/Aachen. Im Bundesvergleich haben Förderschüler in NRW schlechtere Chancen, zusammen mit anderen Kindern eine Regelschule zu besuchen. Im Schuljahr 2010/11 lernten bundesweit 22,3 Prozent der knapp 500.000 verhaltensauffälligen, lern- oder körperbehinderten Schüler an einer Regelschule.

In NRW waren es lediglich 16,1 Prozent der 117.000 betroffenen Schüler, wie eine jetzt veröffentlichte Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung belegt. Hinter NRW liegen nur noch Hessen und das Schlusslicht Niedersachsen. Spitzenreiter ist Schleswig-Holstein mit 49,9 Prozent. Nach Angaben des Bildungsbüros der Städteregion liegt die Quote in Stadt und Altkreis Aachen deutlich über dem NRW-Schnitt. Demnach werden 1300 der rund 4000 Schüler mit Förderbedarf inklusiv beschult - 32,5 Prozent.

Vor drei Jahren trat die UN-Konvention in Kraft, die die Abkehr vom derzeitigen Förderschulsystem vorantreibt. Bundesweit würde die weitgehende Umsetzung der Konvention zur Inklusion 660 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich kosten. Unterm Strich müssten laut Studie nämlich mehr als 9300 Lehrer neu eingestellt werden, um die sogenannte Inklusion innerhalb des kommenden Jahrzehnts umzusetzen. Für NRW wäre ein Umbau des Schulsystems wegen sinkender Schülerzahlen vergleichsweise günstig, hieß es. Doch es bleibt ein Mehrbedarf von 1339 Lehrern mit Zusatzkosten von jährlich rund 95,1 Millionen Euro. Darin sind keine Umbaukosten für Schulgebäude enthalten.

Übrigens: In Aachen wird am Dienstag der Schulausschuss der Einrichtung von zwei integrativen Lerngruppen zustimmen. Sowohl das Anne-Frank-Gymnasium als auch die Heinrich-Heine-Gesamtschule werden dann eine Klasse für Kinder mit und Kinder ohne Behinderung anbieten. Dann bieten sechs von 26 weiterführenden Schulen solche Lerngruppen an. Wie wenig das ist, zeigt folgende Zahl: Ab Sommer gibt es rund 1200 Plätze in den fünften Klassen der zwölf Aachener Gymnasien - acht sind integrativ.
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