Aachen - Aachens Bischof geht in die Offensive

Aachens Bischof geht in die Offensive

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Bischof Heinrich Mussinghoff
Eine neue Übersicht listet 24 Priester auf, die zwischen 1945 und 2010 im Bistum Aachen Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben sollen. Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff informiert die Gemeinden am Wochenende mit einem Hirtenbrief. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Nach den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche gibt Bischof Heinrich Mussinghoff an diesem Wochenende bekannt, dass sich im Bistum Aachen 24 Priester an Kindern und Jugendlichen vergangen haben sollen. Acht dieser Geistlichen leben noch. Bislang waren lediglich acht überführte Priester aus den Jahren 1945 bis 2010 bekannt.

Nur sieben Geistliche wurden bisher strafrechtlich verurteilt. Die meisten Fälle kamen erst in diesem Jahr an die Öffentlichkeit und sind mittlerweile verjährt.

Mussinghoff wendet sich in diesem beispiellosen Vorgang mit einem speziellen Hirtenbrief an alle Gemeinden. Dieser soll am Sonntag in den Pfarren verlesen werden. Darin entschuldigt sich der Bischof in sehr persönlichen Worten ausdrücklich für das Leid, das Priester und kirchliche Mitarbeiter über die Opfer gebracht haben.

Ein beigelegtes Schreiben listet „die Beschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche im Dienst des Bistums Aachen” auf. Auch erläutert Mussinghoff, welche präventiven Maßnahmen dafür sorgen sollen, dass ähnlich gelagerte Verbrechen künftig verhindert werden. Beschlossen wurde zum Beispiel, die Priesterkandidaten intensiver auf ihre psychosexuelle Reife zu prüfen.

Erstmals in der Geschichte des Bistums Aachen hatte Mussinghoff in den vergangenen Monaten aktuelle Verdachtsfälle und tief in den Personalakten des Generalvikariats liegende Missbrauchsfälle zusammentragen lassen. Der Personalchef aller geistlichen Mitarbeiter, Domkapitular Heiner Schmitz, zog danach im Gespräch mit unserer Zeitung ein erschütterndes Fazit: „Es gab zweifellos in vielen Bereichen im Bistum Aachen eine Art Tabuisierung. In der Pfarre, in der Familie, in der Schule, auch hier im Generalvikariat.”

Es wurden Verfehlungen von Priestern bekannt, die Jahrzehnte zurückliegen und die damals hätten verfolgt werden müssen. Das konnte jedoch nicht geschehen, so das Bistum, weil viele Taten nicht bekannt waren. Gleichwohl wurden Priester mehrfach nur versetzt, wenn Missbrauchsvorwürfe auftauchten.

Der Umgang mit Verdachtsfällen hat sich allerdings in den vergangenen Jahren und zuletzt aufgrund der Skandalwelle extrem geändert. Ein weiterer Beweis dafür ist die nun vorliegende Übersicht.

So sollen nach Maßgabe Mussinghoffs verlorenes Vertrauen zurückgewonnen und die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche wiederhergestellt werden. Jeder Verdachtsfall werde konsequent aufgeklärt und kirchenrechtlich untersucht, hieß es. Und dies unabhängig von Verjährungsfristen weltlicher Rechtsprechung.
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