AachenMünchener Versicherung: Trotz Kritik am Standort verwurzelt

Von: Berthold Strauch
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Erstmals „auf fremdem Terrain
Erstmals „auf fremdem Terrain”: das IHK-AZ-Forum zu Gast bei der AachenMünchener Versicherung.

Aachen. Ein erfolgreiches Auswärtsspiel: Die 35. Auflage des Forums von Industrie- und Handelskammer (IHK) und Aachener Zeitung (AZ) mit Unternehmen aus der Technologieregion Aachen fand nicht in den IHK-Räumen statt, sondern erstmals auf „fremdem Terrain”, nämlich im Betriebsrestaurant der AachenMünchener (AM) Versicherung in direkter Nachbarschaft.

Und dort blieb der sehr auskunftsfreudige AM-Chef Michael Westkamp eigentlich nur eine Antwort auf die Fragen von AZ-Chefredakteur Bernd Mathieu schuldig. Welche Versicherung er für völlig überflüssig halte, wollte Westkamp lediglich „abhängig vom Einzelfall” beschreiben: Wer etwa ein Haus „oben auf einer Bergspitze” besitze, dem würde er von einer Versicherung gegen Überschwemmungen abraten. Und wer wenig reise, habe eigentlich keine Reiserücktrittsversicherung nötig. Doch wenn er wüsste, was generell entbehrlich sei, „würde ich es nicht sagen”.

Es war ein unterhaltsamer Schlagabtausch, den sich die beiden Gesprächspartner vor einem interessierten Publikum lieferten. Der Bogen der Präsentations- und Gesprächsthemen war weit gespannt. Michael Westkamp begann seinen Exkurs über die rasante Entwicklung seines Konzerns, der auf eine große Tradition zurückblicken kann, im Jahre 1825.

Damals zählte der IHK-Präsident David Hansemann zu den treibenden Kräften für die Gründung einer Feuerversicherung, aus der inzwischen ein Dienstleistungsgigant geworden ist, der in der Sparte Lebensversicherung allein über Beitragseinnahmen von 4,5 Milliarden Euro jährlich verfügen kann.

Inzwischen ist die AachenMünchener in diesem Spektrum klar die Nummer zwei in Deutschland. Als Marktführer steht der Konzern bei den Riester-Versicherungen da. Insgesamt verfügt die AM Leben über ein Anlagevolumen von 30 Milliarden Euro.

Dies im Sinne der Kunden möglichst zu mehren, sorge in der aktuellen Niedrigzinsphase für Kopfzerbrechen, räumte Westkamp ein. Dennoch könne die AM weiter mit glänzenden Zahlen aufwarten - etwa bei der Schaden-Kosten-Quote, die mit 94 Prozent deutlich besser als die der Mitbewerber sei.

Und noch ein aufschlussreicher Blick in die Zahlenwelt: Vier Millionen Anrufe bearbeitet der Kundenservice jährlich. Allein rund zehn Millionen Euro Portokosten müssen pro Jahr im Kundendialog ausgegeben werden. Etwa 37 000 Berater vertreiben exklusiv die Produkte der AM - eine ganz schön gewichtige Zahlenbilanz, die Westkamp da aufmachte.

Der Vorstandsvorsitzende, der 1978 ins Unternehmen eintrat, hat an diesen starken Fakten seinen großen Anteil. Damals stand die Gruppe im Sektor Leben noch auf Platz 17 bundesweit, heute also auf Rang zwei. Mit mehr als 2000 Mitarbeitern ist die AM mit den Servicegesellschaften ihres Mutterkonzerns Generali der größte private Arbeitgeber in Aachen.

Und hat am neuen AachenMünchener-Platz mit einem 100-Millionen-Euro-Investment, das inzwischen für einen europäischen Architekturpreis nominiert worden ist, einen eindrucksvollen Beleg dafür geliefert, wie eng er sich mit der Stadt verbunden fühlt. Die AM möchte hier verwurzelt bleiben - trotz aller Kritik an den Verhältnissen in Aachen, die Michael Westkamp leise, aber deutlich bekundet.

Vielleicht sei dies, hakte Moderator Bernd Mathieu nach, der Anfang eines konstruktiven Dialogs mit den Verantwortlichen. Mit drei Fragen bereitete der AM-Chef diesen vor: Wie kommt es, dass hier die Arbeitslosenquote höher als der Landesdurchschnitt ist? Warum ist Aachen höher verschuldet als vergleichbare Städte? Und warum taucht sie bei Rankings „allenfalls im Mittelfeld” auf.

Weder das „Prunkstück RWTH” noch die AachenMünchener könnten dies „entscheidend verändern”, lenkte Westkamp den Blick auf eine Ursache: Man habe sich „zu wenig um den Mittelstand gekümmert”, mahnte er einen Bewusstseinswandel an.
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