Aachen - Aachenerin ist eine der erfolgreichsten deutschen Touristikerinnen

Aachenerin ist eine der erfolgreichsten deutschen Touristikerinnen

Von: Horst Zimmermann
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Der Ort, wo alles begann: Mit vier Jahren war Stefanie Berk aus Aachen das erste Mal in Venedig, mit ihren Eltern. Auf dem Markusplatz hat sie damals das Interesse an fremden Orten entdeckt. Heute ist sie Chefin der Reiseveranstalter Thomas Cook und Neckermann-Reisen und Vorgesetzte von 3000 Mitarbeitern. Foto: stock/Michael Schick

Aachen. Stefanie war vier, als sie mit ihren Eltern auf Venedigs Markusplatz begeistert das Treiben der Tauben verfolgte. „Reisen ist einfach toll“, fand sie damals. Zwölf Jahre später konnte sie in Südtirol einer Hoteldirektorin bei der Arbeit über die Schulter sehen und war danach sicher, dass ihr Beruf einmal „etwas mit Tourismus zu tun haben“ müsse. Heute ist Stefanie Berk 48 Jahre alte und seit August die erste Frau an der Spitze eines der großen deutschen Reiseveranstalter.

Als Chefin bei Thomas Cook und Neckermann-Reisen in Oberursel ist sie zuständig für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Polen, Ungarn und Tschechien und erwirtschaftet mit 3000 Mitarbeitern rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

Sie sind in Aachen geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur am Stolberger Ritzefeld-Gymnasium haben sie an der Hochschule Worms Betriebswirtschaft mit Fachrichtung Touristik studiert. Wie haben Sie es nach ganz oben geschafft?

Berk: Ich bringe viel Branchenerfahrung mit, Erfahrung mit Kunden, Zielgebieten und Hoteliers. Ich kann mich auf Englisch und passabel auf Spanisch verständigen. Da 70 bis 80 Prozent unserer Angestellten und ebenso 70 bis 80 Prozent derer, die uns buchen, Frauen sind, kann es sicher nicht schaden, wenn eine Frau an der Spitze besonders Frauen im Blickfeld hat.

Sie haben in fast allen Bereichen gearbeitet, die für das Reisegeschäft relevant sind: Marketing, Chefin des Latein- und Nordamerika-Programms, Hoteleinkauf, Chefin Flug- und Fernreisen, Geschäftsführerin der Sentido-Hotels, zuletzt Produktchefin in der britischen Gesellschaft von Thomas Cook in London. Mit welchem Auftrag sind Sie als Statthalterin für die deutschsprachigen Märkte und Osteuropa nach Oberursel zurückgekommen?

Berk: Ich bin kein Schönwetter-Manager. Ich bin nicht gut darin, alles beim Alten zu lassen. Meine wichtigste Aufgabe besteht sicher darin, die Mitarbeiter für neue Ideen zu begeistern, für eine Aufbruchstimmung zu sorgen und den Fokus darauf zu richten, was der Gast will, was ihn stört und was ihm gefällt. Wir müssen den Kunden deutlich machen, worin für sie der Mehrwert liegt, wenn sie mit uns reisen. Von Preisschlachten halte ich dagegen nichts.

Sie haben einen sechsjährigen Sohn. Wie konnten Sie Mutterschaft und Karriere miteinander vereinbaren?

Berk: Ich war auf der Karriereleiter schon weit oben und konnte deshalb meine Arbeitszeiten gestalten. Aber das alles hätte nicht viel genützt, wenn mein Mann, der als Berater in der Konsumgüterindustrie auch einigermaßen flexible Arbeitszeiten hat, mich nicht unterstützt hätte. Während meines Jahres in London kam die Familie jeweils am Wochenende an die Themse, oder ich reiste nach Hause.

Ihr Vorgänger hielt sich mit Joggen fit. Und sie?

Berk: Ich halte es mit Churchill: „No sports.“ Ausnahme ist am Wochenende das Fußballspiel mit meinem Sohn.

Merkt man eigentlich in ihrem Unternehmen, dass eine Frau das Sagen hat?

Berk: Das hoffe ich doch. Ich denke, der Umgang ist offener, höflicher.

Sie haben als Managerin in Großbritannien und Deutschland mit Medien zu tun gehabt. Welchen Unterschied haben Sie erfahren?

Berk: In Großbritannien sind die Medien deutlich aggressiver. Der Boulevard-Einfluss ist stärker.

TUI hat sich gerade von der Beteiligung an Grecotel gelöst. Wie stehen sie zu eigenen Hotels und Hotelbeteiligungen?

Berk: Wir sind gerade dabei, gemeinsam mit dem chinesischen Investor Fosun unsere Hotel-Aktivitäten auszubauen.

Thomas Cook hat 2015 in Kontinentaleuropa das Ergebnis trotz der Probleme mit Tunesien, Kenia und Griechenland gehalten. Wie sieht denn Ihre Prognose fürs nächste Jahr aus?

Berk: Ich bin optimistisch. Wir werden Bulgarien als Familienziel ausbauen und haben unsere Kapazitäten in Spanien erhöht. Südamerika wird für Kleingruppen mit bis zu zwölf Teilnehmern angeboten. Die französische Atlantikküste kommt neu ins Programm. Die Fernstrecke wird ausgebaut, besonders Thailand, Kuba, Mauritius und Sansibar. In der Ex-tremadura und auf Sardinien bieten wir E-Bike-Touren an.

Ist die Preisentwicklung gut für die Reiselust?

Berk: Ägypten, Dominikanische Republik, Mexiko und Bulgarien werden günstiger, Mauritius sogar um acht Prozent. Griechenland wird um zwei, die USA um bis zu zehn Prozent teurer.

Sie haben dieses Jahr einen Familienurlaub an der Costa de la Luz gemacht und im Vorjahr den Westen der USA bereist. Was sind Wunschziele für die Zukunft?

Berk: Mozambique, Buenos Aires, Vietnam und Kambodscha. Ich wähle möglichst immer ein neues Ziel, das neue Anregungen verspricht.

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