„Aachener Volkszeitung“: Abschied von Anton Sterzl

Von: Bernd Mathieu
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Journalist, Buchautor, Philosoph und Historiker: Anton Sterzl, langjähriger Chefredakteur der „Aachener Volkszeitung“, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Foto: Archiv/Michael Jaspers

Aachen. Journalist, Buchautor, Philosoph, Historiker, Franke mit langjähriger Wahlheimat Aachen: So vielseitig, so verbindlich, so kompetent kannte und schätzte man ihn. Und nun müssen wir sehr traurig zur Kenntnis nehmen, dass er vor wenigen Tagen gestorben ist: Dr. Anton Sterzl, von 1978 bis 1991 Chefredakteur der „Aachener Volkszeitung“, der heutigen „Aachener Zeitung“. Er wurde 88 Jahre alt.

Anton Sterzl – der Oberfranke in Aachen. Über seine geliebte Heimat, speziell seinen Geburtsort Waischenfeld, hat er zwei Bücher geschrieben, die amüsant und intelligent, ernsthaft und unterhaltsam, mit profunder Kenntnis und fränkisch-rheinischem Charme überzeugen: So war er als Persönlichkeit! Es sind faszinierende Hymnen auf die Heimat und den Rest der Welt.

Ein intellektueller Geist

Anton Sterzl, dieser kluge und belesene Mann, hat dem Journalismus wichtige Seiten geschenkt: seriöse Recherche, klare Meinung, verantwortungsbewusste Einordnung wichtiger Ereignisse, das Erklären von Zusammenhängen, dabei wohltuend das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheidend, und das stets in einer außergewöhnlich schönen Sprache.

Sein Lebenslauf ist eine Aneinanderreihung beachtlicher Leistungen. Mit 23 promovierte er in Erlangen mit einer Arbeit über die Geistesgeschichte der Völkerwanderung. Er studierte an den Universitäten Bamberg und Erlangen Philosophie, Geschichte und Alte Sprachen. Auf dieser Basis wäre eine wissenschaftliche Laufbahn gut möglich gewesen. Doch er entschied sich für den Beruf des Journalisten – eine gute und richtige Entscheidung; denn auch dort kann ein intellektueller Geist nicht schaden. Anton Sterzl war dafür stets ein Beispiel par excellence. Als Leitartikler brillant in der Sprache, als Redakteur, Ressortchef und Chefredakteur selbstbewusst und elegant im Auftritt.

Seine Karriere als Journalist ist das beeindruckende Zeugnis einer gediegenen Entwicklung: Volontär und Feuilletonredakteur beim „Bamberger Volksblatt“, 1959 Wechsel ins Rheinland zur „Kölnischen Rundschau“, dort seit 1967 stellvertretender Chefredakteur, seit 1974 Chefredakteur und von 1978 bis 1991 Chefredakteur in Aachen. Das waren persönliche und berufliche Stationen in bewegten Zeiten, die von der Nachkriegsgeschichte über die turbulenten 68er Jahre bis zur Wiedervereinigung reichten.

Anton Sterzl als Chef: Das war ein hochgebildeter, selten aufgeregter, meistens heiter-gelassener Vorgesetzter, nachdenklich, hintergründig, mit Wortwitz, skeptisch gegenüber Blendern und Kleinkarierten. Wer ihn auf dem gesellschaftlichen Parkett als Repräsentant seiner und unserer Zeitung erleben durfte, fühlte sich nicht nur gut, sondern exzellent vertreten. Seine Rhetorik, seine Spontaneität und seine en détail ausgearbeiteten Vorträge waren ein Genuss. Der leidenschaftliche Pianist und Organist beherrschte diese Klaviatur souverän und zog die Register in allen möglichen Klangfarben. Und: Er rühmte sich mehrfach in der Redaktion und im Kreis der „Krüzzbrür“, in jungen Jahren ein passabler Fußballer gewesen zu sein. In diesem Kapitel seines Lebens war offensichtlich ausgerechnet ein Foul der Höhepunkt der Karriere: Der Gegner war Max Morlock.

Der ehemalige Chefredakteur der „Aachener Volkszeitung“ erhielt auf dem Spielfeld gelungener Essays und Dokumentationen mehrere hochkarätige Auszeichnungen, regelrechte Trophäen des Journalismus, wie den Theodor-Wolff-Preis und den Emil-Dovifat-Preis. Als „Ruheständler“ verfasste er eine Rundfunkreportage zum Thema „Als Flüchtlinge unsere Flüchtlinge wurden, neue Heimat Franken“. Sie wurde 1999 mit dem Medienpreis der Heimatvertriebenen in Bayern ausgezeichnet.

Mehrfach hat er sich engagiert über den Beruf hinaus ehrenamtlich um wichtige Angelegenheiten gekümmert. So war er einer der Initiatoren zur Gründung unseres Hilfswerks „Menschen helfen Menschen“ und langjähriges Mitglied im Kuratorium der Europäischen Stiftung Aachener Dom sowie im Kuratorium der Katholischen Stiftung Marienhospital Aachen. Er war ein Gewinn für solche Institutionen, für Kultur, für Stadt und Region.

Anton Sterzl hat im Rhein- und Maasland als Oberfranke nie ein Problem mit dem Nord-Süd-Gefälle gehabt, seine gerade Linie behalten und nicht jedem Winde leichtfertig die Segel gesetzt. Das hat diesen besonderen Journalisten stets ausgezeichnet. Wir hatten eine enge berufliche und persönliche Beziehung. Ich war einer seiner ersten Volontäre in Aachen und schließlich einer seiner Nachfolger als Chefredakteur. Das ist eine seltene Konstellation, jedoch eine sehr schöne, verbindende. Gemeinsam waren wir eine Reihe von Jahren in der illustren närrischen Runde der Aachener „Krüzzbrür“ in der Pfarre Heilig-Kreuz.

Wir verlieren mit ihm eine große Persönlichkeit und einen hervorragenden Kollegen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie – seiner so liebenswürdigen Frau und seinen fünf Kindern mit ihren Familien. Die Beerdigung ist am Samstag in seiner fränkischen Heimat.

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