Aachener Studentenorchester feiert 25-jähriges Bestehen

Von: Eckhard Hoog
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Einmal in der Woche, jeweils von April bis Juli und von Oktober bis Januar, probt hier das Aachener Studentenorchester: in der Aula II im Informatik-Gebäude auf der Hörn in Aachen. Foto: Andreas Herrmann, stock/Nordpool/Tittel
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Er ist einer der gefragtesten Chor- und Orchesterdirigenten in Deutschland: Reiner Schuhenn, ehemaliger Rektor der Musikhochschule Köln, leitet das Aachener Studentenorchester jetzt im vierten Semester.
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Bauingenieur-Studentin, Diplom-Psychologe und Elektrotechnik-Studentin (von links): Gesa Limbach, Martin Klasen und Johanna Schäfer spielen im Aachener Studentenorchester.

Region. Johanna Schäfer studiert Elektrotechnik an der RWTH Aachen, Gesa Limbach Bauingenieurwesen. Friederike Pflaum ist Absolventin des Studiengangs Lehr- und Forschungslogopädie. Martin Klasen arbeitet als promovierter Diplom-Psychologe in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Uniklinik.

Vier ganz unterschiedliche Disziplinen und Qualifikationen, vier Temperamente, vier Persönlichkeiten – die eines verbindet: Jeden Mittwoch greifen sie zur Bratsche, Oboe, Geige, Klarinette und treffen sich mit über 80 weiteren Studentinnen und Studenten aller Fakultäten um 19.30 Uhr in der Aula II im Informatik-Gebäude auf der Hörn. Das Aachener Studentenorchester probt. Jeweils von April bis Juli und von Oktober bis Januar. Dann ist wieder Pause, weil zwar die vorlesungsfreie, aber in der Regel die klausurreiche Zeit beginnt. In diesen Tagen feiert das Orchester sein 25-jähriges Bestehen. Am 17. und am 19. Juli findet das Jubiläumskonzert statt.

Musik verbindet – im Durchschnitt für drei bis fünf Jahre. So lange frönen Studenten der RWTH und der FH Aachen hier ihrem Hobby und haben jede Menge Spaß dabei. „Es herrscht eine ganz tolle Gruppendynamik“, erzählt Gesa Limbach, die zu den wenigen im Orchester gehört, die nicht als „normale“ Laienmusikerin mitwirkt. Eine Ausnahme: Sie spielte bereits im Landesjugendorchester NRW und in der Jungen Kammerphilharmonie.

Als „alter Herr“ – so bezeichnet man anderswo die „Ehemaligen“ nach Beendigung ihres Studiums – ist Martin Klasen bereits seit sechs Jahren dabei. Die wöchentliche Orchesterprobe mag er nicht missen. „Das ist ein ganz hervorragender Ausgleich“, sagt er, „perfekt, um abzuschalten.“ Außerdem hat er hier die einmalige Gelegenheit, bei überaus interessanten Stücken mitzuwirken. Immerhin ist das Aachener Studentenorchester mit mindestens 85 Positionen groß besetzt, da lassen sich auch Werke der Romantik realisieren, zu denen Laienmusiker sonst kaum einen Zugang haben.

In der Zwickmühle

Mitspielen kann im Prinzip jeder, der Lust dazu hat. Allerdings muss auch hier vorgespielt werden. Und Wartelisten gibt es praktisch für jedes Instrument. Bei den Holzbläsern und der Querflöte ist die besonders lang – Instrumente, die offenbar ganz besonders en vogue sind. „Bei der Auswahl sind wir manchmal in der Zwickmühle“, gibt Martin Klasen ganz offen zu. „Der Kandidat muss von der Persönlichkeit her passen. Das hört man deutlich heraus.“ Und das heißt ganz konkret: Nicht immer bekommt der Beste einen Platz. Der Star, der zwar virtuos auftrumpft, aber dann auch die Nase hoch trägt, der hat keine Chance. Und wer gleichzeitig in mehreren Ensembles spielt, der geht eher leer aus gegenüber einem Kandidaten, der anderswo noch nirgendwo eine Chance bekommen hat.

Im Ergebnis dieser Praxis ist eine Gemeinschaft mit außerordentlichem Zusammenhalt entstanden. „Und das gemeinsame Tun, das schweißt zusammen“, erklärt Dirigent Reiner Schuhenn, der das Aachener Studentenorchester jetzt im vierten Semester leitet. Er spürt genau: „Hier spielt man nicht, weil man muss, sondern weil man will.“ „Das ist eine unglaublich gute Gruppe“, sagt Gesa Limbach. „Es geht ums Musizieren, und es findet in der Freizeit statt.“ Der Dirigent ist von seinem Orchester noch jedes Mal begeistert: „Der schönste Moment ist der, wenn sich das Gefühl einstellt, ‚jetzt haben wir es‘, wenn man auf dem Berg die Aussicht genießen kann.“

Ganz demokratisch geht es dabei zu – im Übrigen auch das Hauptmotiv, das bei der Gründung des Orchesters im Jahr 1989 ausschlaggebend war. Jedes Mitglied kann das Programm für die ein- bis zweimal im Semester stattfindenden Konzerte vorschlagen. Acht waren es diesmal, in zwei Wahlrunden wird schließlich darüber abgestimmt, wobei der Dirigent darauf achtet, dass die Stücke inhaltlich nicht zu schwer sind. Ausgewählt werden solche Stücke, die eine große Besetzung erfordern, schließlich sollen möglichst viele mitmachen können. Gespielt wird immer eine Sinfonie, ansonsten meist ein klassisches Konzertprogramm mit Ouvertüre, Solokonzert und Sinfonie.

Die Gründung des Aachener Studentenorchesters geht auf eine studentische Eigeninitiative zurück, die aus einem guten Stück „Frust“ erwachsen ist. Die Idee kam 1988 auf, die Gründung folgte ein Jahr später, das erste Konzert fand am 3. Februar 1990 statt – in der Aula 1 der RWTH am Templergraben, wo die Aufführungen seither traditionell beheimatet sind. Marcus Menne erinnert sich in der Festschrift, die der Förderverein, namentlich dessen Vorsitzender Benedikt Eschbach, zum Jubiläumskonzert herausbringt: „25 Jahre! Unglaublich! Damit hatten wir 1988, als alles anfing, nicht gerechnet. Aber, ehrlich gesagt, haben wir es dafür auch nicht gemacht, sondern für uns. Wir, das sind zunächst einmal Rolf Becher und ich, Marcus Menne, damals Studenten des Maschinenbaus und der Elektrotechnik im 3. Semester. Wir spielten beide Geige im Collegium Musicum – und waren unzufrieden.“ Immer nur Barockmusik und frühe Klassik, wenige Holzbläser, kein Blech und einmal im Jahr ein Konzert mit eingekauften Profis – am Totensonntag. Vor allem aber: „Versuche, den über 80-jährigen Dirigenten zur Übergabe an einen jüngeren zu bewegen, schlugen allesamt fehl.“

Rolf Becher war es dann, der erstmals die Idee zur Neugründung eines unabhängigen Studentenorchesters neben dem offiziellen Hochschulorchester Collegium Musicum aussprach. Sigrid Rüpke und Cord Elias vervollständigten das Gründerteam. Der erste ehrenamtliche Dirigent konnte an der Musikhochschule gewonnen haben: Wahrend seines Klavier- und Dirigierstudiums in Aachen und Köln leitete Wolfgang Spitz das Orchester bis 1991. Es folgten Roland Vossebrecker (1991 bis 2000), Christian Schmitz (2000 bis 2012) und seither eben Reiner Schuhenn. Der ehemaliger Rektor der Musikhochschule Köln gehört zu den gefragtesten Chor- und Orchesterdirigenten in Deutschland.

Längst ist das Verhältnis zwischen dem Aachener Studentenorchester und dem RWTH-Hochschulorchester als Teil des Collegium Musicum ganz und gar freundschaftlich und von gegenseitiger Unterstützung geprägt. Das betont auch RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg in seinem Grußwort zur Festschrift. So nutzt man etwa spezielle Instrumente wie die Pauken gemeinsam und stimmt die Konzerttermine ab. Wobei es zusätzlich die Unterstützung durch das Sinfonieorchester Aachen gibt: Walter Mengler probt speziell mit den Streichern, Philipp Stümke mit den Holzbläsern, und Saman Maroofi nimmt gelegentlich die Blechbläser unter seine Fittiche.

Ausgesprochen freundschaftlich ist auch das Verhältnis der Mitglieder des Studentenorchesters untereinander: Zehn Paare, die sich hier kennengelernt haben, wirken mit. Auch Friederike Pflaum hat hier die Liebe ihres Lebens gefunden, beide haben mittlerweile zwei Kinder. Musik verbindet eben...

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