Aachen - Aachener soll Kind 53 Mal missbraucht haben

Aachener soll Kind 53 Mal missbraucht haben

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Vier mutmaßliche Rückfälle vorbestrafter Sexualstraftäter gab es Anfang des Jahres binnen weniger Wochen in der Region. In drei Fällen ist jetzt Anklage erhoben worden. In einem davon haben die Ermittlungen offenbar besonders schockierende Erkenntnisse zutage gefördert.

Ein 41-jähriger Aachener soll sich von Mitte 2012 bis Februar an einem neunjährigen Jungen vergangen haben.

Zunächst waren die Ermittler von sieben Taten ausgegangen. Jetzt aber wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann in sage und schreibe 53 Fällen sexuellen Missbrauch an dem Kind vor, wie Behördensprecher Robert Deller am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung sagte.

Der 41-Jährige ist wegen sexuellen Missbrauchs einschlägig vorbestraft und war 2005 wegen Kindesmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Erst Ende 2011 kam er frei und soll sich dann laut Ermittlungen schon wenige Monate später das Vertrauen der Opferfamilie erschlichen haben. Der Mann stand auf der „Kurs“-Liste des Landeskriminalamts. Die Abkürzung steht für „Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern“. Sie soll durch Behördenvernetzung und gezielte Beobachtungsmaßnahmen die Rückfallquote senken. Auch in diesem Fall habe es regelmäßige Überprüfungen gegeben, sagte Polizeipräsident Klaus Oelze im Februar.

Aber es gab keine der zum Konzept gehörenden, behördenübergreifenden „Fallkonferenzen“ zur aktuellen Einschätzung des „Probanden“. Oelze seinerzeit: „Alle beteiligten Stellen waren sich einig, dass das in diesem Fall nicht nötig ist. Der Proband hatte sich gut in die Gesellschaft integriert.“ Eine fatale Fehleinschätzung. Denn als man merkte, dass der Mann sich wieder Kindern genähert hatte, war es schon zu spät.

Fälle zunächst verschwiegen

Auch gegen zwei weitere Männer, die bereits auf der „Kurs“-Liste standen, ist Anklage erhoben worden. So soll ein 44-Jähriger am 9. Januar eine Frau in einem leerstehenden Ladenlokal in Stolberg vergewaltigt haben. Er hatte wegen Vergewaltigung zuvor mehrere Jahre im Gefängnis gesessen.

In Eschweiler soll ein 30-Jähriger die dreijährige Tochter seiner Freundin missbraucht haben. Er hatte zuvor über vier Jahre im Gefängnis verbracht, weil er in einem Pflegeheim zwei Wachkomapatientinnen im Alter von 40 und 83 Jahren missbraucht hatte. Der Prozess gegen ihn beginnt am 3. Juli.

Noch ermittelt wird im Fall eines 32-jährigen Düreners, der eine Frau vergewaltigt haben soll. Die Behörden hatten die Fälle zunächst verschwiegen und erst nach Recherchen unserer Zeitung öffentlich gemacht.

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