Aachener sitzt drei Tage auf Kuba fest

Von: Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:
11552382.jpg
Drei Tage warten: Die Passagiere des Eurowings-Fluges von Kuba nach Köln/Bonn, die eigentlich schon seit Samstag wieder in Deutschland sein sollen, warteten am Montag auf dem Flughafen Varadero auf den versprochenen Abflug der Maschine, die am Dienstag in Köln landen soll. Foto: Höhnel

Aachen. Philipp Höhnel wusste am Montag nicht sicher, ob er am Dienstag endlich wieder deutschen Boden betreten würde. Der Aachener Standortleiter der Finanzdienstleistungs-AG Tecis saß seit Freitag auf Kuba fest. Zusammen mit 309 weiteren Kunden des Fluganbieters Eurowings.

Mit knapp 68 Stunden Verspätung – also mehr als drei Tagen – ist Flug 131 in der vergangenen Nacht (unserer Zeit)  von Varadero nach Köln/Bonn gestartet und am Dienstagmorgen um fünf Uhr am Flughafen Köln/Bonn gelandet. Am Montag konnte Philipp Höhnel noch nicht so recht glauben, dass er am Dienstag zu Hause sein würde. Dafür war der Flug schon zu oft verschoben worden.

Einfach nur raus!

In einer E-Mail wandte sich Höhnel am Montagmorgen an unsere Zeitung. In verzweifeltem Ton bat er darin um Hilfe. „Wir alle wollen dieses Land einfach nur für immer verlassen!“, schreibt er. Eurowings betreibe „das schlimmste Missmanagement“, das man sich nur vorstellen könne.

Die Eurowings-Maschine aus Kuba sollte eigentlich bereits am Samstagmorgen in Deutschland landen. Aufgrund eines ungewöhnliches Geruchs im Flugzeug habe die Maschine jedoch untersucht werden müssen und nicht pünktlich starten können, erklärte ein Eurowings-Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Das Unternehmen habe am Sonntag eine Ersatzmaschine losgeschickt. Die Crew hätte aber vor dem Rückflug erst die gesetzlich vorgeschriebene Ruhefrist einhalten müssen.

„Katastrophale Hotels“

Ein zusätzliches Problem für die Fluggäste in Kuba entstand dadurch, dass ihre Reisepässe am eigentlichen Abflugtermin, dem 8. Januar also, im Flughafen bereits mit „ausgereist“ abgestempelt wurden, bevor das Problem bekannt und der Flug verschoben wurde. Höhnel und die anderen Betroffenen, die sich nun ohne Visum in Kuba aufhielten, durften nur in ein Hotel zurückkehren, das sie bis zum tatsächlichen Abflug nicht wieder verlassen durften.

Eurowings aber habe sie in teils „kata­strophalen Hotels“ mit „gesundheitsgefährdenden Zuständen“ in Bezug auf das Essen und den Schädlings- und Schimmelbefall der Zimmer untergebracht. Einige Hotels hätten zudem massiven Druck ausgeübt und versucht, die Eurowings-Geschädigten aus den Zimmern herauszuschmeißen.

Dem Aachener wurde nach eigenen Angaben mehrfach vom Sicherheitspersonal und von Hotelangestellten Gewalt angedroht – obwohl er seine eigene Kreditkarte im Hotel hinterlegt habe und er jeden Tag mit mehr als 300 Euro für Eurowings in Vorleistung gehe. In einem anderen Hotel seien nach Angaben der deutschen Botschaft ihm gegenüber etwa 50 Betroffene vor die Tür gesetzt worden. Die Situation sei „sehr angespannt“ gewesen.

Eurowings betonte, dass das Unternehmen entstandene Kosten natürlich übernehmen werde. „Für die Verspätung können wir uns nur entschuldigen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Zu der fragwürdigen Hotelqualität sagte der Sprecher: „Wir haben alles versucht, aber es ist gerade Hochsaison auf Kuba.“

Es ist nicht der erste Flug des neuen Auslands-Billigflieger-Anbieters Eurowings von und nach Kuba, der verspätet ist. Die Lufthansa-Tochter bietet seit Anfang November Flüge zu entfernteren Zielen an. Seitdem gab es bereits zwei weitere extreme Vorfälle: Im Dezember mussten Fluggäste etwa 50 Stunden auf den Beginn ihrer Reise nach Varadero warten, zum Jahreswechsel saßen die Passagiere dann 37 Stunden auf Kuba fest.

Der aktuelle Fall der 68 Stunden ist für den Dienstleister Fairplane, der Fluggastrechte durchsetzt, „ein Extremfall“. Das sei schon rekordverdächtig, sagte Fairplane-Sprecher Ronald Schmid.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert