Aachener sitzt drei Tage auf Kuba fest

Von: Claudia Schweda
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Eine Menge Geduld müssen knapp 300 Eurowings-Passagiere aufbringen, die schon am Freitag von Kuba nach Deutschland fliegen wollten. Mit mehr als 60 Stunden Verspätung wurde ihre Rückkehr aus Varadero nach Köln/Bonn auf Dienstagmorgen verschoben. Foto: Berg/dpa
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Drei Tage warten: Die Passagiere des Eurowings-Fluges von Kuba nach Köln/Bonn, die eigentlich schon seit Samstag wieder in Deutschland sein sollen, warteten gestern auf dem Flughafen Varadero auf den versprochenen Abflug der Maschine, die heute morgen in Köln landen soll. Foto: Höhnel

Aachen. Philipp Höhnel weiß noch nicht, ob er am Dienstag um kurz nach 10 Uhr endlich wieder deutschen Boden betritt. Der Aachener Standortleiter der Finanzdienstleistungs-AG Tecis sitzt seit Freitag auf Kuba fest. Zusammen mit rund 300 weiteren Kunden des Fluganbieters.

Mit knapp 73 Stunden Verspätung – also über drei Tagen – sollte ihr Flug 131 von Varadero nach Köln/Bonn nach Angaben der Fluggesellschaft Montagnacht endlich auf Kuba starten und Dienstagmorgen am Flughafen Köln/Bonn landen. Doch glauben wird es Philipp Höhnel erst, wenn er wirklich in der Luft ist. Dafür ist der Flug schon zu oft verschoben worden.

In einer E-Mail wandte sich Höhnel Montagmorgen an unsere Zeitung. In verzweifeltem Ton bittet er darin um Hilfe. „Wir alle wollen dieses Land einfach nur für immer verlassen!“, schreibt er stellvertretend für die rund 300 Betroffenen. Eurowings betreibe „das schlimmste Missmanagement“, das man sich nur vorstellen könne.

Die Eurowings-Maschine aus Kuba sollte eigentlich bereits am Samstagmorgen in Deutschland landen. Aufgrund eines ungewöhnliches Geruchs im Flugzeug habe das Flugzeug jedoch untersucht werden müssen und nicht pünktlich starten können, erklärte Eurowings auf Anfrage. Das Unternehmen habe nun eine Ersatzmaschine bereitgestellt.

Ein zusätzliches Problem für die Fluggäste in Kuba entstand dadurch, dass ihre Reisepässe am eigentlichen Abflugtermin, dem 8. Januar also, im Flughafen bereits mit „ausgereist“ abgestempelt wurden, bevor das Problem bekannt und der Flug verschoben wurde.

Höhnel und die anderen Betroffenen, die sich nun ohne Visum in Kuba aufhalten, durften nur in ein Hotel zurückkehren, das sie bis zum tatsächlichen Abflug nicht wieder verlassen dürfen. Eurowings aber habe sie in teils „kata­strophalen Hotels“ mit „gesundheitsgefährdenden Zuständen“ in Bezug auf das Essen und den Schädlings- und Schimmelbefall der Zimmer untergebracht.

Einige Hotelmanager würden zudem massiven Druck ausüben und die Eurowings-Geschädigten versuchen, aus den Zimmern herauszuschmeißen. Dem Aachener wurde nach eigenen Angaben vom Sicherheitspersonal und von Hotelangestellten Gewalt angedroht – obwohl er seine eigene Kreditkarte im Hotel hinterlegt habe und er jeden Tag mit über 300 Euro für Eurowings in Vorleistung gehe. In einem anderen Hotel seien nach Angaben der deutschen Botschaft ihm gegenüber etwa 50 Betroffene vor die Tür gesetzt worden. Die Situation sei „sehr angespannt“.

Eurowings betonte, dass das Unternehmen entstandene Kosten natürlich übernehmen werde. „Für die Verspätung können wir uns nur entschuldigen“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Es ist nicht der erste Flug des neuen Auslands-Billigflieger-Anbieters Eurowings von und nach Kuba der verspätet ist. Die Lufthansa-Tochter bietet seit Anfang November Flüge zu entfernteren Zielen an. Seitdem gab es von und nach Kuba bereits zwei weitere extreme Vorfälle: Im Dezember mussten Fluggäste etwa 50 Stunden auf den Beginn ihrer Reise nach Varadero warten, zum Jahreswechsel saßen die Passagiere dann 37 Stunden auf Kuba fest. Auch damals berichteten die verzweifelten Eurowings-Kunden von dreckigen Hotels und einer mangelhaften Informationspolitik des Fluganbieters.

Der aktuelle Fall der 73 Stunden ist für den Dienstleister Fairplane, der Fluggastrechte durchsetzt, „ein Extremfall“. Das sei schon rekordverdächtig, sagte Fairplane-Sprecher Ronald Schmid.

 

Aktualisierung: Die Passagiere des Eurowings-Fluges "EW 131" aus Varadero/Kuba sind am Dienstagmorgen um 5 Uhr am Flughafen Köln/Bonn gelandet - mit rund 68 Stunden Verspätung. Für etwa 300 Fluggäste ist der Horror auf Kuba somit beendet.

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