Aachener Rockerkrieg: Überfall auf „Würselener Stübchen“

Letzte Aktualisierung:
wuerselen (4).jpg
Sichtbare Spuren: In und vor einer alten Gaststätte in Würselen fielen die tödlichen Schüsse.

Aachen/Würselen. Was zahlreiche Prozessteilnehmer bereits vermutet hatten, bestätigte sich am Donnerstag vor dem Aachener Schwurgericht. Es stand der 14. Verhandlungstag in der Kammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann an.

Nach ersten Andeutungen des wegen Totschlags angeklagten Deniz Y. (27) aus Aachen am Vortag steht nun fest, dass es sich bei den gewalttätigen Vorfällen am Abend des 21. Mai 2015 um die Eskalation eines seit langem schwelenden Rockerkriegs zwischen Gruppierungen der Hells Angels aus dem Aachener Ostviertel handelte.

An besagtem Abend ist ein 18-Jähriger im „Würselener Stübchen“ mutmaßlich von Deniz Y. im Kampf niedergeschossen worden. Y. nahm am Donnerstag alle Kraft zusammen und gestand, im Gefolge eines Gerangels im Flur am Hintereingang der Kneipe nach Angriffen von mindestens vier Personen mit Schlagwerkzeugen gegen ihn seine geladene Waffe gezogen „und in Notwehr“ geschossen zu haben. Dabei traf er den gleichfalls in der Rockerszene beheimateten 18-Jährigen tödlich, ein weiterer Angreifer, es war Y.s „bester“ Freund Serdar K., erlitt einen Bauchdurchschuss.

Während des Kampfes im Flur habe Y. plötzlich eine Waffe in den Händen eines dritten Angreifers gesehen, da habe er solche Panik bekommen und selber zu seiner Pistole gegriffen, die er zuvor in seinen Hosenbund gesteckt habe, sagte Y. dem Gericht. Dann habe er vier Mal gefeuert. Was sein Mitangeklagter gemacht habe, das wisse er nicht.

Er sei jedoch sicher, ihn nicht im Flur bei diesem Kampf auf Leben und Tod gesehen zu haben. Die Schießerei ging draußen noch weiter, weil die aus dem Aachener Ostviertel in drei Wagen „angereisten“ Männer – es waren offensichtlich wesentlich mehr als die vier, die in das Haus eingedrungen waren – begannen, aus der Distanz die Gaststätte unter Feuer zu nehmen.

Nachdrücklich bestritt Deniz Y., dass es sich bei der Schießerei um eine Auseinandersetzung um Drogengelder gehandelt habe. Es habe sich vielmehr um eine Anweisung des Paten „aus der Elsassstraße“ gehandelt, wie der Angeklagte unter Mithilfe seines Kölner Verteidigers Martin Bücher die Entstehung des Streites erklärte. Dieser habe von ihm quasi eine Ablösesumme „wie bei Prostituierten“ kassieren wollen. Dabei ging es laut Angeklagtem angeblich um 7000 Euro.

Jener Pate, es handele sich dabei um den Onkel seines guten Freundes Serdar K., habe nicht akzeptieren wollen, dass er, Deniz Y., aus dem Charter der Aachener Hells Angels, den „Turkey Nomads“, zu den Hells Angels „South-West“ in Frankfurt habe wechseln wollen. „Das wollte der nicht“, sagte der Angeklagte vor Gericht. Der Bandenchef habe um seinen „uneingeschränkten Einfluss in der Elsassstraße“, so Deniz Y., gebangt. Auch die eingeforderten 7000 Euro seien nur vorgeschoben gewesen. Stattdessen habe der Pate Serdar K. und seine Leute gegen ihn aufgehetzt.

Noch als Serdar K. vor der Hintertüre in Würselen stand, habe Y. geglaubt, dass er die Sache gemeinsam mit ihm gütlich beilegen könne. Dem sei aber nicht so gewesen. „Ich fürchte auch jetzt in der JVA um mein Leben“, erklärte Deniz Y. auf die Frage, warum er solange gewartet habe mit seiner Einlassung. Zudem habe er Angst um seine Familie. Der Prozess wird am 11. April fortgesetzt.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert