Aachener Region im Ost-West-Konflikt

Von: Udo Kals und Claudia Schweda
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Aachen. Die Aachener Region steckt mitten in einem Ost-West-Konflikt und muss sich entscheiden, ob und wie sie sich neu orientiert. Das Spannungsfeld reicht von einer Intensivierung der Zusammenarbeit mit den belgischen und niederländischen Partnern bis hin zu einer Prioritätenverschiebung Richtung Osten mit den Wirtschaftsriesen Köln und Düsseldorf.

Denn vom Rhein aus wirken mit der Metropolregion Rheinland und der Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR) plötzlich zwei starke Magneten auf die Region Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg.

Spielt die Region eine neue Karte und legt die alte ab? Oder behält sie beide in der Hand? NRW-Wirtschaftsminister Harry K. Voigtsberger (SPD) und der Aachener IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting etwa glauben, dass man das eine tun kann, ohne das andere zu lassen. Neben den Technologieschmieden der Hochschulen sei eine der Stärken der Aachener Region die täglich gelebte Internationalität und die selbstverständlichen Kontakte über die Grenze. Diese Mittlerfunktion in den Benelux-Raum könne sie in einen Rheinland-Verbund einbringen.

Die Zeit drängt, da vor allem die Landesregierung mit der IRR und die Industrie- und Handelskammern mit der Metropolregion ihre Projekte massiv vorantreiben. Die Debatte in den politischen Gremien gewinnt zugleich an Fahrt.

Die Forderung: Die Region muss sich positionieren und formulieren, was sie will. Während der Ausbau des Schienennetzes zwischen Aachen und Köln um ein drittes Gleis wohl unmissverständlich von allen regionalen Partnern unterstützt wird, ist dies bei anderen Themen offen. So werden etwa das Holzkompetenzzentrum in Nettersheim, die Zukunft der Dürener Papierindustrie oder die engere Zusammenarbeit mit Maas­tricht und Lüttich je nach Standort durchaus anders bewertet. Was will die Region gemeinsam? Gibt es die volle Rückendeckung auch bei Themen von geografisch begrenztem Interesse? Einen solchen Klärungsprozess würde auch Markus Terodde als Vorsitzender des Lenkungsausschusses der Regio Aachen begrüßen. „Wir müssen unsere Hausaufgaben machen.” Ohne Konsens sei die Region leicht auseinanderzudividieren.

Dabei geht es bei der strategischen Positionierung im Kern darum, künftig im Konzert der Regionen weiter wahrgenommen zu werden und Fördergelder akquirieren zu können. Terodde betont: „Politisch und wirtschaftlich ist Aachen für die Rheinschiene weniger wichtig.” Vielmehr sind Städte wie Köln und Düsseldorf, das ist auch dem Aachener OB sehr bewusst, vor allem an der Hochschullandschaft interessiert. „Wenn das Rheinland schon mit der RWTH wirbt, dann muss da auch was für Aachen herauskommen”, meint Marcel Philipp und fügt hinzu: „Daher sitzen wir bei dem Metropolregionsprozess lieber am Tisch und bringen uns aktiv ein, als dass wir über den Tisch gezogen werden.”
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