Aachener Rathaus-Pförtner ist Skat-Weltmeister

Von: Sabine Rother
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Das Siegerlächeln eines Skat-Weltmeisters: Rolf Schnier, Pförtner im Aachener Rathaus, wurde dort am Dienstag ein ganz besonderer Empfang bereitet. Links sein Weltmeisterpokal, nochmals Gold und zwei Mal Silber für Siege in weiteren Kategorien während des Turniers. Foto: Andreas Steindl, dpa

Aachen/Las Vegas. Rolf Schnier strahlt. Im Moment ist er wunschlos glücklich, denn sein Traum ist in Erfüllung gegangen. In Las Vegas hat er sich den Titel des Weltmeisters im Skat erspielt. Zwei Jahre lang bleibt er die Nummer eins der organisierten Skatspieler weltweit.

Erst 2018 heißt es, den Titel zu verteidigen – in Berlin. Am Dienstag drehte sich im Aachener Rathaus alles um den 56-jährigen Mitarbeiter der Stadt, der seit vielen Jahren zu den bekanntesten Gesichtern am Empfang im historischen Gemäuer zählt. Rolf Schnier liebt seinen Job als Pförtner, betreut gern auch ab und zu Besucher und erzählt ihnen Details aus der Stadtgeschichte.

Aber aber am liebsten spielt er Skat und das seit nahezu 50 Jahren. „Wir sind eine Familie von Skatspielern, ich hatte schon mit sechs Jahren die Karten in der Hand“, lächelt er. Und jetzt das: Mit gleich vier Pokalen im Gepäck ist er nach zehn Tagen aus Las Vegas zurückgekehrt. Neben dem Weltmeisterpokal steht eine weitere goldglänzende Mannschaftstrophäe (Sechserteam) sowie zwei silberne Pokale (Seriensiege). Wenn Schnier davon erzählt, erkennt man: Skat ist eine Wissenschaft – und eine komplizierte dazu. „Man braucht Erfahrung, muss spüren, wo die Mitspieler Schwächen haben, aber man braucht auf jeden Fall Kartenglück“, sagt der Weltmeister, der es geschafft hatte, in die Finalrunde zu kommen: 16 Spieler von insgesamt 200 Anwärtern auf den Titel aus Deutschland, Belgien, den USA, Österreich und Kanada hatten sich qualifiziert.

Es gab Momente, da war es extrem knapp, der Punktvorsprung minimal. „Bei einer Weltmeisterschaft treten eben die besten Spieler an, das ist kein gemütliches Skaten, sondern richtig Sport“, betont der Wahl-Aachener, der aus Stolberg-Mausbach stammt.

Mitmachen beim großen Spiel kann jeder – entweder als Mitglied des Weltverbandes, der International Skat Players Association (Ispa), oder als Mitglied eines Vereins – bei Schnier ist es ein Verein im belgischen Kelmis, „Ohne Elf La Calamine“, wo er sich seit 1983 als Mitglied zu Hause fühlt. Und so ist er zwar als Deutscher Weltmeister geworden, hat aber die Ehre gleichzeitig für Belgien errungen. „Ausgerechnet in der Stadt der Spieler, das ist das Größte“, schwärmt er.

Gespielt und gewohnt wurde im „Flamingo“, das mit seinen 3600 Betten eins der kleineren Hotels in Las Vegas ist. An einem spielfreien Tag hat sich Schnier einen Spaziergang durch die glitzernde Wunderwelt der Wüstenstadt gegönnt, im „Venetian“ die Gondeln bewundert und das „Caesars Palace“ besucht. „Es ist atemberaubend, aber Nachtleben war nicht drin, ich musste einen klaren Kopf für den nächsten Tag haben.“ Dann hieß es wieder: sieben Uhr früh aufstehen und nur Mineralwasser trinken.

Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft muss jeder Spieler aus eigener Tasche bezahlen – mit Flug rund 3500 Dollar. „Das war auch die Preissumme“, freut sich Schnier. „Und es kamen noch ein paar Dollar für die anderen Auszeichnungen hinzu.“ Skatspielen ist für ihn eine stets neue Herausforderung. Er spielt besonnen, ganz ruhig, ohne laute Sprüche. Skat kloppen? „Nein, das geht nicht, man muss ja denken und analysieren. Bei so einer Meisterschaft hört man von den Tischen kaum etwas“, versichert er. 1,6 Trillionen Möglichkeiten gibt es bei den Kartenkombinationen. „Man müsste 144 Jahre jeden Tag zwölf Stunden lang spielen, um alle auszuprobieren“, sagt Schnier.

Zu Hause wurden heftig die Daumen gedrückt. Partnerin Miriam Bruns verfolgte meistens früh um vier Uhr die neuesten Ergebnisse im Internet. „Unglaublich spannend, wir waren alle sehr aufgeregt“, gesteht sie. 2017 wird sie Rolf Schnier begleiten. Da treffen sich die besten Skatspieler in Polen. Und 2018 geht es in Berlin darum, ob er den Weltmeistertitel verteidigen kann. „Das ist bisher nur einem Spieler gelungen“, meint Schnier, und man sieht ihm an, dass ihm das im Moment überhaupt keine Sorgen bereitet.

Was er sich jetzt wünscht? „Ich würde gern mal in der Prominentenrunde mitmachen, in der auch Dompropst Manfred von Holtum spielt, und damit Spenden für den Dom sammeln“, sagt der Weltmeister. Auch als Mitglied von „Ohne Elf La Calamine“ fühlt er sich Aachen verbunden, wo ihm am Dienstag Oberbürgermeister Marcel Philipp dort einen Empfang bereitete, wo er sonst Touristen und Staatsgäste einlässt – im Rathaus. Rolf Schnier strahlt.

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