Aachener Polizei fasst geständigen Serienvergewaltiger

Von: Claudia Schweda
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Übach-Palenberg, 26. März 2015, ein bereits entblößter Mann sucht sein nächstes Vergewaltigungsopfer: Hunderte Hinweise gingen bei der Polizei ein, nachdem dieses Überwachungsvideo im ZDF gezeigt worden war. Foto: Polizei

Aachen/Übach-Palenberg. Drei Mal im Abstand von sechs Monaten hatte 2014 und 2015 ein Mann in Aachen und Übach-Palenberg Frauen vergewaltigt oder es zumindest versucht. Öffentlich wird die Serie, als sie im September 2015 wegen ihrer Brutalität und Hemmungslosigkeit in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ gezeigt wird.

Für Entsetzen sorgte damals vor allem eine Videoaufnahme, die bewies, wie unverfroren der Täter vorging: Auf der Suche nach seinem nächsten Opfer streifte er mit bereits komplett entblößtem Unterkörper durch Übach-Palenberg. Die unzähligen Hinweise, die nach der Ausstrahlung bei der Polizei eingingen, führten am Ende zum Erfolg.

Ein 24-jähriger Aachener ist dringend tatverdächtig und sitzt seit voriger Woche Mittwoch in Untersuchungshaft. Er habe die drei Taten gestanden, teilte die Staatsanwaltschaft Aachen am Donnerstag mit.

Der 24-Jährige ist nach Angaben von Staatsanwalt Jost Schützeberg, Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, ein gebürtiger Aachener. Er sei ohne festen Wohnsitz und habe aktuell ohne Anmeldung bei den Behörden bei seiner Freundin gelebt. Strafrechtlich sei er bislang nur geringfügig wegen Leistungserschleichung in Erscheinung getreten.

Die erste der drei Taten ereignete sich am 27. April 2014. An diesem Tag wurde eine 17-jährige Schülerin auf der Grünenthaler Straße in Aachen-Richterich kurz vor Mitternacht von einem Mann verfolgt. Als der sie eingeholt hatte, sah sie, wie er sich selbst befriedigte. Angewidert wollte sie fliehen. Erst da packte er sie und versuchte, sie zu vergewaltigen. Heftige Gegenwehr durch die Schülerin genügte, um den Angriff abzuwehren.

Ein halbes Jahr später, am 26. Oktober, gelang das einer 32 Jahre alten Joggerin am Rande der Aachener Vaalser Straße nicht. Sie wurde auf der vielbefahrenen Straße an einem Parkplatz eines Blumengeschäfts nahe des Westfriedhofs in ein Gebüsch gestoßen und dort trotz Gegenwehr brutal vergewaltigt. Als der Mann von ihr abließ, flüchtete sie und stoppte halbnackt und völlig aufgelöst ein vorbeifahrendes Auto. Der Täter entkam.

Bei seinem bislang letzten Übergriff, erneut ein halbes Jahr später, schlug der Täter in Übach-Palenberg zu. Es war der 26. März 2015. Die Szene, die die Überwachungskamera einer Spielhalle in der Nähe des Bahnhofs gegen 23 Uhr festgehalten hatte, zeigt die fast unglaubliche Situation: Der Mann hält seine Hose inklusive Unterwäsche schon in der linken Hand. Zielsicher geht er kurz vor 23 Uhr einen gut beleuchteten Fußweg entlang – nur drei Meter von seinem späteren Opfer entfernt, das er bereits fest im Visier hat.

Die 18-Jährige war gerade auf dem Weg nach Hause. Sie ging über die Straße und telefonierte mit ihrem Freund, bewegte sich mehr und mehr auf ihren späteren Peiniger zu, bemerkte den halbnackten Mann neben sich aber gar nicht. Kurz nachdem die beiden aus dem Aufnahmebereich der Überwachungskamera verschwunden waren, fiel der Mann sie an und versuchte, sie zu vergewaltigen. Doch die Frau schrie so laut, dass ein Anwohner sie hörte und ihr zu Hilfe eilte. Auch in diesem Fall konnte der Täter fliehen.

Die Spurenlage war für die Ermittler von Anfang an eindeutig: Die Ermittler fanden identische DNA-Spuren an allen drei Tatorten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich um die DNA des nun Festgenommenen. Ob er für weitere ungeklärte Sexualstraftaten verantwortlich ist, ist noch unklar. Ein Abgleich mit der DNA-Datenbank dieser Fälle läuft derzeit.

Nach der Ausstrahlung des Videos im ZDF habe es hunderte Hinweise von Zuschauern gegeben, berichtete Schützeberg am Donnerstag. Es hätten sich zunächst vielfältige Ermittlungsstränge ergeben. Eine speziell dafür eingerichtete Ermittlungsgruppe mit Beamten aus Aachen und Heinsberg sei jedem einzelnen nachgegangen.

Von Anfang an habe es auch erste Hinweise auf den nun geständigen 24-Jährigen gegeben. Er war einer der vielfältigen Ermittlungsstränge. Schließlich hätten sich die Hinweise auf ihn aber mehr und mehr verdichtet. Da der Aachener freiwillig keine Speichelprobe habe abgeben wollen, habe man einen Gerichtsbeschluss erwirkt. Als Beamte zur Entnahme der DNA-Probe bei ihm waren und ihn über seine Rechte belehrt hatten, habe er dann die Taten gestanden, sagte Schützeberg.

„Der Fahndungserfolg ist der unermüdlichen Ermittlungstätigkeit der Polizei zu verdanken“, sagte Schützeberg. „Da angesichts der Tathergänge viele Frauen ein ungutes Gefühl hatten, sind wir nun froh, dass ein Haftbefehl gegen den dringend Tatverdächtigen erlassen wurde.“

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