Aachen - Aachener „Panzerknacker“ verurteilt

Aachener „Panzerknacker“ verurteilt

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Geborgen: Drei Geldschränke holten Taucher des Technischen Hilfswerks im Dezember 2011 aus dem Hangeweiher. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Für die 1. Große Strafkammer am Aachener Landgericht war der Prozess um die vier Aachener „Panzerknacker“ ein schwieriges Verfahren. Die Männer im Alter zwischen 24 und 26 Jahren wurden letztlich in einem hauptsächlich auf Indizien beruhenden Prozess zu Haftstrafen zwischen dreieinhalb und etwas mehr als sechs Jahren wegen „bandenmäßigen Diebstahls“ verurteilt.

Das Quartett aus Aachen hat nach Überzeugung der Kammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann in bis zu sieben Fällen nachweislich Seniorenstifte ausgeraubt.

Die Vorgehensweise sei typisch für die Bande gewesen, begründete das Gericht den Urteilsspruch. Danach starteten die einschlägig vorbestraften Räuber von ihrem Aachener Stützpunkt aus regelmäßig „Ausflüge“ ins Umland und suchten Seniorenheime etwa zwischen Dormagen im Norden und Bad Hönningen im Süden von Aachen heim, auch im nahen Belgien soll die Bande aufgetaucht sein.

Die Anklage lautete ursprünglich auf 37 Fälle bandenmäßigen Diebstahls. Das Gericht hatte in diesem langen Verfahren, in dem alle vier Angeklagten eisern zu den Vorwürfen schwiegen, das Problem, nicht alle Taten jeweils allen vier Männern zuordnen zu können. „Es gab viele identische Indizien“, stellte der Vorsitzende Richter Arno Bormann im Urteil fest. Doch weil die Diebe mit Sturmhauben vermummt in die Heime eindrangen, war es nur durch mühevolle Indizienketten möglich, den vier Männer wenigstens einen Teil der Taten nachzuweisen.

Die Beutezüge galten regelmäßig den Tresoren in den Büros der Heime. Da wurde nicht lange gefackelt, die Stahlschränke hatten keine Chance, wurden mit brutaler Gewalt aus den Verankerungen gehebelt und in den Fluchtwagen abtransportiert. Erst zu Hause auf einem Gewerbegelände schnitt man die Schränke auf, kassierte den Inhalt. Die höchste Beute belief sich auf rund 29.000 Euro.

Dann kam das, worüber die Polizei wochenlang grübelte: Die Panzerknacker warfen die leeren Stahlgehäuse in Seen, darunter den Aachener Hangeweiher und den Eschweiler Blausteinsee. Hier fischte die Polizei die Schränke heraus, wusste dann zunächst nicht weiter. Doch am Rande eines der nassen Tresorgräber verlor ein Angeklagter seinen Arbeitshandschuh, nicht weit von den Schleifspuren des Tresors. Hierauf fand die Polizei DNA-Spuren, die ihn identifizierten. Auch der am höchsten bestrafte Dennis L. (24) machte einen Fehler: Ihn nahm eine Videokamera bei einem Bruch ohne Maske auf, der Vorbestrafte wurde erkannt. Bei der spektakulären Festnahme in Aachen-Haaren umkurvte der Fahrer gefährlich eine Polizeisperre, dafür bekam er ein Jährchen extra.

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