Aachen/Berlin - Aachener Kunstschmied soll Denkmal für Breitscheidplatz-Anschlag umsetzen

Aachener Kunstschmied soll Denkmal für Breitscheidplatz-Anschlag umsetzen

Von: Naima Wolfsperger
Letzte Aktualisierung:
15556110.jpg
Der goldfarbene Riss soll den Opfern des Terroranschlags ein Denkmal setzen: Vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche soll er zwischen ihren Namen verlaufen. Grafik: mm+
15556442.jpg
Der Aachener Kunstschmied Michael Hammers soll das das Denkmal auf dem Breitscheidplatz umsetzen. Foto: dpa
15556111.jpg
Am 19. Dezember 2016 ist Attentäter Anis Amri mit einem Lkw in die Besuchermenge auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin gerast. Foto: dpa

Aachen/Berlin. Es wird ein Riss, der für die Fassungslosigkeit, die Trauer und den Schmerz stehen soll, die der Terrorist Anis Amri mit seinem Attentat auf dem Berliner Breitscheidplatz in der deutschen Gesellschaft hinterlassen hat. Und diesen Riss, den soll der Aachener Kunstschmied Michael Hammers (52) füllen und damit auf gewisse Art und Weise heilen und dennoch unvergessen machen.

Und das mit Gussbronze mit Goldanteil, sagt Hammers. „Diese güldene Füllung ist so etwas wie eine Narbe – die Erinnerung, der Riss, der das Leben der Menschen zerschnitt, bleibt, er wird nicht zugespachtelt und nicht versteckt. Aber er wird verschlossen und kann heilen.“

Nur wenige Meter von dem Ort entfernt, an dem am 19. Dezember 2016 der Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen in eine Besuchermenge des Weihnachtsmarktes auf dem Breitscheidplatz in Berlin raste, soll dieser Gedenkort entstehen. Zwölf Menschen starben bei dem Anschlag, mehr als 60 wurden verletzt.

Zwischen den Namen der Toten

Unter der Inschrift „Für ein friedliches Miteinander aller Menschen“ sollen nun in die Stufen vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche die Namen und Herkunftsländer der Toten eingeschrieben werden. Und vom Kirchvorplatz, über die Stufen der Kirche und zwischen den Namen der Toten hindurch und hinab bis auf den Breitscheidplatz soll der goldene Riss verlaufen.

Hammers ist in Berlin für das Architekturbüro HG Merz seit zwei Jahren an den Restaurationsarbeiten der Staatsoper Unter den Linden beteiligt. Dort ist er für die Arbeiten an Metallen zuständig. „Merzmerzplus“ das Projektbüro von HG Merz, wurde zur Beteiligung an der Ausschreibung des Gedenkzeichens geladen und bezog Hammers bereits vor der Präsentation des Entwurfs mit ein.

„Michael Hammers hat die Idee, was wir mit dem Riss ausdrücken wollen, sofort begriffen – und direkt konkrete Umsetzungsvorschläge gemacht“, sagt Pablo von Frankenberg, Kreativdirektor im Wettbewerbsteam von HG Merz um das Denkmal am Breitscheidplatz. Und dieses besondere Verständnis, das der Aachener Kunstschmied zeigte, sei dem Team wichtig gewesen. Schließlich ist die Denkmalsetzung bereits ein Jahr nach dem Anschlag ungewöhnlich früh.

„Das war für uns eine extrem große Verantwortung – gegenüber den Opfern, aber auch gegenüber der Gesellschaft, jetzt und in der Zukunft“, sagt Frankenberg. „Es geht uns darum, ein Denkmal für die Opfer zu schaffen. Gleichzeitig wollten wir ein Zeichen für das Leben setzen.“ Dem Terror sollte hier kein Platz gewährt werden. Auch nicht in einem Mahnmal gegen ihn.

„Die Idee war mir schlüssig und hat mich begeistert“, sagt Hammers. „Das Besondere an der Metallmischung ist, dass sie durch das Leben, durch die Menschen die darüber laufen und durch die Straßenreinigungsmaschinen, poliert wird.“ Eine Erinnerung, die von der Lebendigkeit des Ortes aufrecht erhalten wird. „Und Metall ist genau der richtige Werkstoff für die Idee hinter dem Riss: es ist sichtbar und verschließt“, sagt Hammers.

Derzeit ist eine Originalplatte des Kirchvorplatzes bei einem Steinmetz in Berlin. Er wird den Riss hineinarbeiten. „Dann können wir einen ersten Versuch mit unserer Mischung aus 88 Prozent Kupfer und zwölf Prozent Zinnlegierung starten.“ Ein Teil des Risses wird bereits vor dem Gedenktag am 19. Dezember gefüllt.

Inoffizielle Gedenkzeremonie

Eine Teilstrecke soll aber in einer inoffiziellen Gedenkzeremonie vor Ort gefüllt werden. Die Angehörigen der Terroropfer sollen dabei selbst ein Stück Gold mit in den Schmelzofen geben dürfen – aus dem dann das flüssige Metall fließen und den Riss endgültig schließen soll. „Ob das alles so klappt, wie wir uns das vorstellen ist von vielen Faktoren abhängig“, sagt Hammers. Nicht zuletzt vom Wetter.

Es ist eine Aufgabe, die nicht nur technisch, sondern auch emotional eine besondere Herausforderung für Hammers ist. „Es berührt mich sehr, an diesen Arbeiten beteiligt zu sein.“ Und das obwohl Hammers größte Arbeiten immer eine starke emotionale Symbolwirkung hatten.

Internationale Bekanntheit erlangte der gebürtige Aachener 1996 mit der Umsetzung des Lichtkreuzes auf der Grabeskirche in Jerusalem in Israel. Der Entwurf stammte von seinem ehemaligen Geschäftspartner Paul Nagel. Ein weiteres seiner international bekannten Werke ist der Stern auf dem Weihnachtsbaum vor dem Rockefeller Center in New York, USA. Seit 2004 ist er seitdem jährlich zum traditionellen „Tree lightning“ in New York, um Baum und Stern im Lichterglanz erstrahlen zu lassen.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert