Aachen - Aachener Investor Hans Kahlen im Gefängnis

Aachener Investor Hans Kahlen im Gefängnis

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Lange hat er sich gewehrt, doch seit dem 6. Mai sitzt der Aachener Architekt Hans Kahlen in Haft. Foto: Archiv/Michael Jaspers

Aachen. Der Aachener Architekt und Investor Hans Kahlen hat zwei Jahre nach seiner Verurteilung die Haftstrafe angetreten. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigten am Mittwoch die Duisburger Staatsanwaltschaft und die Justizvollzugsanstalt in Euskirchen.

Das Landgericht Duisburg hatte Kahlen im Mai 2011 wegen Steuerhinterziehung in sieben Fällen, Beihilfe zur Steuerhinterziehung in zwei Fällen, versuchter Steuerhinterziehung, Kreditbetruges, Betruges in zwei Fällen und vorsätzliche Insolvenzantragspflichtverletzung in vier Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt. Einen Revisionsantrag ließ der Bundesgerichtshof (BGH) später nicht zu.

Erfinder der Kaiserplatzgalerie

Kahlen gilt als Erfinder der Aachener Kaiserplatzgalerie, die nach jahrelangen Querelen nun doch gebaut werden soll. In Aachen führte er bis zuletzt ein aufwendiges und durchaus öffentliches Leben. Dass sich Kahlen trotz seiner Verurteilung regelmäßig in Aachener Restaurants und in der Stadt blicken ließ, sorgte bei vielen Menschen für Verwunderung. Gegenüber unserer Zeitung hatte Kahlen immer wieder betont, aufgrund einer Herzerkrankung schlechterdings nicht haftfähig zu sein. Ein Arzt hatte dies wiederholt attestiert, die Duisburger Staatsanwaltschaft, die für den Antritt der Haftstrafe verantwortlich ist, hatte keine andere Möglichkeit, als zunächst abzuwarten. Eine amtsärztliche Untersuchung Ende Februar ergab dann allerdings, dass Kahlen sehr wohl haftfähig ist. Am 26. März 2013 stellte die Duisburger Staatsanwaltschaft ein sogenanntes Aufnahmeersuchen bei der Justizvollzugsanstalt in Euskirchen. Am 6. Mai schließlich trat Kahlen, 60 Jahre alt, die Haftstrafe an.

Beim Bau eines Bürokomplexes in der Düsseldorfer Hansaallee hatte Kahlen, wie das Landgericht Duisburg in seinem Urteil festgestellt hatte, Banken getäuscht und vereinbarte Baukosten überhöht angegeben: „mit systematischer, erheblicher krimineller Energie“, wie es im Urteil heißt. Mit dem Geld wurden Scheinrechnungen in Höhe von 7,5 Millionen Euro bezahlt.

Kahlen hat mit verschiedenen Immobilienprojekten im Laufe der Jahrzehnte eine Menge Geld verdient und viel davon ausgegeben. Zum Skiurlaub fuhr er immer wieder nach St. Moritz, den Sommer verbrachte er in Port Grimaud an der Côte d‘Azur, wo seine Yacht lag. Er sammelte Oldtimer, fuhr Bentley, flog zu seiner Freundin nach Turin, ließ sich mit dem Hubschrauber auf die Skipiste bringen. Dem Jet-Set leben, erklärte Kahlen im Herbst 2011 im Gespräch mit unserer Zeitung, habe er mittlerweile abgeschworen, aus Überzeugung: „Es war hohl“.

Für einen Menschen mit Kahlens Ansprüchen muss eine Haftstrafe ein Alptraum sein. Das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich noch mit einer Beschwerde Kahlens darüber, dass der BGH die Revision nicht zuließ. Eine Anordnung, dass die Haft bis zur Klärung der Beschwerde auszusetzen sei, erließ das Verfassungsgericht allerdings nicht.

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