Aachener genießen Europa bei Abteibier und Vlaai

Von: Elke Silberer, dpa
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Dreiländereck
Was für Menschen in der Euregio Teil der Nromalität ist, wirkt auf Auswärtige oft verwirrend: Aachen liegt im Dreiländereck, das Ausland ist daher nur einen Katzensprung entfernt. Foto: dpa

Aachen. Manchmal können Vorurteile ganz nützlich sein. Etwa wenn man als Fahrradfahrer im Aachener Dreiländereck nicht weiß, in welchem Land man gerade seine Rast genießt. Belgien oder Niederlande? Die Straßenqualität ist eher holprig belgisch. Richtig.

„Barbeau” (die Kornblume) liegt im belgischen Dörfchen Sippenaeken - obwohl vieles für die Niederlande spricht: Die typischen „Brodjes” auf der Lunch-Karte, die gelben Kennzeichen an den Autos auf dem Dorfplatz und die Sprache.

Kneipier Ivo Loop kennt diesen Zustand der Verwirrung. „Viele niederländische Touristen wissen nicht, dass sie in Belgien sind”, sagt er. Ihm macht es Freude, von Tisch zu Tisch zu gehen, hier ein Wörtchen Deutsch, dort ein wenig Französisch, Niederländisch oder Platt mit den Gästen zu plaudern. Bei Ivo Loop auf der Terrasse sitzen, eins von den vielen belgischen Abteibieren vor sich im Glas oder ein Stückchen Limburger Vlaai (Obstkuchen) auf dem Teller, das muntere Sprachengewirr im Ohr - das ist für den Aachener ein bisschen wie Urlaub und ganz nebenbei auch gelebtes Europa.

Die Menschen im westlichen Dreiländereck Aachen, Lüttich, Maastricht haben viel Zeit gehabt, um das europäische Leben vor ihrer Haustür genießen zu lernen. Die Euregio Maas-Rhein ist mit 33 Jahren einer der ältesten grenzüberschreitenden Kooperationsverbände. Sie wurde gegründet als es noch Grenzposten und Schlagbäume gab und die Geschäftsleute in der Aachener City abwehrend den Kopf schüttelten, wenn die Nachbarn mit Gulden bezahlen wollten. Mit den Jahren haben sie gelernt, dass die Nachbarschaft Vorteile hat.

Mittlerweile ist in den Aachener Geschäften das Datum des niederländischen Nationalfeiertags so bekannt wie der Tag der deutschen Einheit. Die Händler werben in den Tageszeitungen der Nachbarn, schmücken die Stadt mit orangefarbenen Luftballons und ihre Verkäuferinnen mit dem Anstecker „Hartelijk Welkom” (Herzlich Willkommen). Und der Vorsitzende des Aachener Einzelhandelsverbands Manfred Piana sagt freundlich: „Wir wollen, dass die Niederländer hier einen schönen Tag verleben.”

Das sind die unbeschwerten Seiten des Lebens im Klein-Europa. Ungemütlich wird es, wenn sich die Menschen durch den Dschungel der nationalen Rechtssysteme und europäischen Regelungen kämpfen müssen. 10 000 Niederländer arbeiten im Aachener Raum und 6000 Belgier. Nur 400 Deutsche verdienen ihr Geld in Belgien. Für Deutsche ist ein Häuschen in Belgien noch erschwinglich. In den Niederlanden ist die Hochzeit vorbei, der Markt droht einzubrechen.

Grenzüberschreitendes Leben und Arbeiten: „In diesen Fällen muss man sich beraten lassen, damit man in keine Falle läuft”, sagt Artur Hansen. Er ist Leiter der Regio Aachen, einer von fünf Teilregionen im Aachener Grenzland, die eine Grenzgängerberatung anbietet. „Viele denken, wir haben doch Europa, da muss doch alles gleich sein”, berichtet Hansen und beschreibt damit einen verbreiteten Irrglauben. Oft gibt es ein böses Erwachen, wenn sich die Lebenssituation einschneidend ändert wie bei Rente, Krankheit, Pflege oder Arbeitslosigkeit. Aber manchmal hat Europa auch nette Überraschungen parat, etwa wenn der Kindergarten in Belgien nichts kostet.
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