Aachener Fraunhofer-Forscher helfen Babor

Von: André Schaefer
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Forschung unter kontrollierten Bedingungen: Flora Schuster vom Fraunhofer Institut prüft das gewonnene Extrakt. Foto: Michael Jaspers
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Kooperieren seit Jahren: die beiden Fraunhofer-Forscher Stefan Schillberg (links) und Stefan Rasche sowie Astrid Sander vom Aachener Kosmetikunternehmen Babor. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit der Arbeit in einem Labor ist es ja häufig so eine Sache: Sie ist wichtig, keine Frage. Doch für den Außenstehenden ist sie – jedenfalls in den meisten Fällen – schwer verständlich, komplex, ja fast schon ein bisschen unkonkret.

Stefan Schillberg kennt diese Diskussion, er hat sogar Verständnis dafür. Der stellvertretende Leiter des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME) weiß nun mal, wie der Alltag der Wissenschaftler aussieht, die im weißen Kittel hinter großen Labortüren regelmäßig Messkolben in der Hand halten, sie unter die Lupe nehmen und vor allem eines tun: forschen.

Dass genau diese Forschung am Ende des Tages zu einem konkreten Ergebnis führt, das man sozusagen in der Hand halten kann, kommt nun mal nicht alle Tage vor, Schillberg weiß das. „Umso schöner ist es doch, dass wir genau das bieten können“, sagt er.

Das, was Schillberg da meint, sieht im ersten Augenblick bloß wie eine x-beliebige Flüssigkeit im Reagenzglas aus. In Wirklichkeit ist es das Resultat eines ziemlich aufwendigen Herstellungsprozesses zweier ebenso ziemlich seltener Rohstoffe, von denen unter dem Strich besonders einer profitiert: das Aachener Kosmetikunternehmen Babor. Denn am IME werden seit einiger Zeit auch pflanzliche Inhaltsstoffe hergestellt, die in einer Vielzahl von Körpercremes aus dem Hause Babor enthalten sind.

Plantage im Kreis Euskirchen

Ganz konkret geht es um zwei Pflanzenarten: die Elsbeere und die Champagner Bratbirne. Beide sind selten, beide beliebt und seit Jahren Bestandteil der Babor-Kosmetikproduktion. Das Problem: Beide Pflanzenarten sind nicht ständig zu jeder Jahreszeit verfügbar – selbst dann nicht, wenn man wie Babor eine Elsbeeren-Plantage in der Eifel bei Mechernich im Kreis Euskirchen besitzt. „Irgendwann“, sagt Astrid Sander, „haben wir uns nach Alternativen umgesehen, ohne auf beide Pflanzenarten verzichten zu müssen.“

Sander ist zuständig für die Produktsicherheit beim Aachener Kosmetikunternehmen, das 2012 erste Gespräche mit dem IME führte. Das Ziel damals: einen Weg finden, um aus den Pflanzen „Stammzellen“ zu generieren, die in Nährlösungen kultiviert werden und aus denen ein Zellextrakt hergestellt wird, das in den Pflegeprodukten zum Einsatz kommen kann. Wenig später lagen die ersten kleinen Pflanzenproben auch schon im Labor der Biotechnologen.

Einer von ihnen ist Stefan Rasche, seit mehr als vier Jahren ist er an der Kooperation zwischen dem Fraunhofer-Institut und dem Aachener Kosmetikunternehmen beteiligt. Und er erinnert sich noch genau zurück: „Wir hatten am Anfang das Problem, dass in der gewonnenen Lösung nicht nur Zellmaterial, sondern beispielsweise auch Zucker war. Die Menge an reiner Biomasse war da einfach für eine Produktion bei Babor zu gering“, sagt Rasche.

Doch die Fraunhofer-Forscher wären keine Fraunhofer-Forscher, wenn sie nicht eine Lösung gefunden hätten. Mit und mit wurde der Herstellungsprozess optimiert, so dass nach etwas mehr als einem Jahr erstmals genügend Biomasse zur Verfügung stand. „Wir haben einen wissenschaftlichen Anspruch, und daran werden wir als Institut gemessen“, sagt Schillberg.

Heute, knapp vier Jahre später, gelingt es den Fraunhofer-Forschern, aus beiden Pflanzenarten jährlich bis zu 60 Kilogramm Stammzellen aus den Flüssigkulturen zu gewinnen. Und das geht so: Die Frucht der beiden wird zunächst sterilisiert, um alle Keime auf der Oberfläche abzutöten. Anschließend wird sie aufgeschnitten, um aus kleinen Scheiben einzelne Gewebestücke zu entnehmen. Aus diesen Gewebestücken bildet sich ein sogenannter Kallus, ein Zellhaufen, der letztlich das Ausgangsmaterial ist, aus dem die erwünschte Flüssigkultur mit den Stammzellen gewonnen wird. „Man braucht Geduld“, sagt Rasche. „Bis sich ein Kallus bildet, kann es schon mal Wochen oder auch Monate dauern.“

Die Geduld hatten sie am Aachener Institut, mittlerweile ist der Herstellungsprozess des erwünschten Zellextraktes aus den Stammzellen Routine. Und: „Es geht nicht nur um eine ständige Verfügbarkeit der Extraktes, sondern auch um eine kontrollierte Herstellung. Wir können kontrollierte Bedingungen garantieren, bei denen keine Pestizide oder Krankheitserreger in die Zellextrakte gelangen“, sagt Schillberg.

Seit inzwischen bereits drei Jahren sorgen die Fraunhofer-Forscher dafür, dass das Aachener Kosmetikunternehmen seinen Kunden zu jeder Zeit Produkte mit Inhaltsstoffen der Elsbeere und Champagner Bratbirne zur Verfügung stellen kann. Und geht es nach dem Fraunhofer IME, so könnten schon bald die nächsten Unternehmen aus der kosmetischen Industrie von den Aachener Forschern profitieren. „Wir streben an, weitere Kunden zu akquirieren“, sagt Schillberg. „Unser Ziel ist es, auch Zelllinien anderer Pflanzen für andere Kosmetikprodukte herzustellen.“

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