Aachener „Eismaulwurf” soll Leben im All finden

Von: Benjamin Jansen
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Extraterrestrischer Einsatz möglich: Projektleiter Changsheng Xu (l.) und Prof. Bernd Dachwald sind vom „Eismaulwurf” überzeugt. Foto: Benjamin Jansen

Aachen. Gibt es außerirdisches Leben unter der eisigen Oberfläche des Jupitermondes Europa? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler seit vielen Jahren.

Denn spätestens seit die Raumsonde „Galileo” Aufnahmen einer Eisschicht mit Spalten und Rissen zeigte, wird vermutet, dass ein großer Ozean von Flüssigwasser auf dem Jupitermond existiert, der das Gefrorene in Bewegung hält. Und wo Wasser und Energie vorhanden sind, da kann es auch Leben geben. In diesem Punkt sind sich die Experten einig.

Zwei Jahre getüftelt

Licht in die fremde Welt aus Eis könnte der „Ice Mole”, zu deutsch „Eismaulwurf”, bringen. Zwei Jahre lang tüftelte der Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik der FH Aachen an einem Nachfolger für „Susi”. Einer etwas unterkühlten Lady, die erst tiefgefroren zur Höchstform aufläuft. 2004 war die runde „Sonde Under Shelf Ice” am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven entwickelt worden. Das Projektteam der FH erweiterte das Konzept und machte sich nun auf den Weg zum Moteratsch-Gletscher im Schweizer Oberengadin, wo die Einschmelzsonde in diesen Tagen erstmalig getestet wird.

„Im Gegensatz zu Susi arbeiten wir mit einer viereckigen Sonde und einer Eisschraube. Das ist günstiger für den Prozess”, ist Prof. Dr. Bernd Dachwald, der den „Eismaulwurf” mit seinem 20-köpfigen Team und dem Institut für Bioengineering konzipierte, überzeugt.

Das Besondere an der Aachener Einschmelzsonde ist die Kombination aus Bohrer und Schmelzer. „Das hat es bisher nur getrennt voneinander gegeben”, erklärt Projektleiter Changsheng Xu. Das innovative Konzept sieht außerdem vor, dass sich die Sonde durch separat ansteuerbare Heizelemente im Kupferkopf, die die Leistung von vier Bügeleisen produzieren, steuern lässt. Die Energieversorgung wird durch einen Generator gewährleistet.

Zur Funktionsweise: Während sich der „Ice Mole” horizontal durch das Eis gräbt, wird ein sauberer Eiskern ins Innere gezogen, der später für physikalische Analysen zur Verfügung steht und möglicherweise Hinweise auf Leben im Eis liefern kann. Festgehalten wird der Prozess von einer Kamera, die im Gehäuse integriert ist. „Bisher konnten wir nur im Labor bis zu einer Tiefe von 30 Zentimetern bohren. Mehr hat unsere Kühltruhe nicht hergegeben”, schmunzelt Student Marco Feldmann, der die Steuerung des „Eismaulwurfes” entwickelt hat.

In den vergangenen Wochen bereitete sich das FH-Team intensiv auf den außergewöhnlichen Feldversuch vor. Claudia Krusche, Übungsleiterin für Bergsteigen und Hochtouren, verwandelte die Parkbänke im Aachener Wald in Klettersicherungen und brachte den Teilnehmern den Einsatz von Eispickel und Steigeisen bei. Denn auf dem 6,4 Kilometer langen und in fast 4000 Metern Höhe gelegenen Morteratsch-Gletscher sollen die Aachener Forscher den Testlauf des „Eismaulwurfes” problemlos und vor allem ohne Risiko durchführen können.

„Kosmische Zukunftsmusik”

„Unser Ziel ist es, ein vernünftiges Verhältnis zwischen Heiz- und Bohrleistung zu finden. Diesen Prozess werden wir Schritt für Schritt angehen”, kündigt Dachwald an. Dafür stehen seinem Team ab Montag 15 Tage und 16 Nächte zur Verfügung. Ein viertätiger Gletscherkurs, der am Freitag startete, soll den Teilnehmern zusätzliche Sicherheit geben.

„Es wird vermutlich noch zehn bis 15 Jahre dauern, bis eine kleinere Version des Eismaulwurfes im Weltraum eingesetzt werden kann”, vermutet der FH-Professor. „Aber das ist noch kosmische Zukunftsmusik.” Denn zuvor muss er seine erste Reifeprüfung in der alpinen Eiswüste bestehen.
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