Aachen - Aachener Dom: Ein Kopf aus 2682 Steinchen

Aachener Dom: Ein Kopf aus 2682 Steinchen

Von: Georg Dünnwald
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Auge in Auge mit Jakobus dem Jüngeren: Praktikant Marvin Münsch fertigt die Kopien der Zeichungen an, nach denen die beschädigten Mosaiken repariert werden. Der Schüler der 11. Klasse der Bischöflichen Liebfrauenschule in Eschweiler darf wegen seines historischen Interesses die Schulbank mit einem zweiwöchigen Arbeitsplatz unter der Kuppel des Oktogons tauschen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Am 25. Juni ist es soweit: Dann wird das Gerüst inmitten des Oktogons des Aachener Doms, das mit seinen Zwischenwänden den Blick zum „himmlischen Jerusalem” verhindert, abgebaut. „Wir sind unter Zeitdruck”, sagt Dombaumeister Helmut Maintz, der inständig hofft, am selbst gesetzten Datum mit allen Arbeiten fertig zu sein.

Die Handwerker, die zurzeit dabei sind, die Mosaiken zu säubern, sind allem Anschein nach schon ziemlich weit vorangekommen, doch sie müssen schon viel Geduld mitbringen, um in der Kuppel des Oktogon alles in Ordnung zu bringen. Da sind Hohlstellen hinter den mit großer Akribie an die Wände und die Decke geklebten Bildern. Dann muss das jeweilige Mosaik abgenommen werden. Allein der Kopf von Jakobus dem Jüngeren, der ziemlich lädiert ist, besteht aus 2682 Glassteinchen.

„Die Goldmosaiken bestehen auch aus Glas, auf das Blattgold gelegt wurde und dann wieder eine 0,3 Millimeter dicke Glasscheibe aufgetragen wurde. Wie das geht, weiß keiner, das ist ein Firmengeheimnis”, sagt der Dombaumeister. Er verdeutlicht, wie schwierig das Haupt des Jakobus zu reparieren ist.

„Zunächst wird eine Zeichnung angefertigt, auf der alle Steinchen eingeplant sind. Von dieser Zeichnung wird dann eine seitenverkehrte Kopie gefertigt, auf die die Mosaiksteinchen gelegt und mit Rübenkraut als Kleber eingepinselt werden. Diese Tapete wird danach wieder an Ort und Stelle aufgehängt.”

Maintz zeigt auf „Bruchstellen”: „Hier sieht man genau, dass Stückbilder an die Wand geheftet wurden.” Er schüttelt den Kopf. „Eine Wahnsinnsarbeit.”

„Ziemlich barock”

Im Jahr 1720 wurde der Dom nach Angaben von Maintz umgestaltet, seiner Meinung nach verunstaltet. Zu dieser Zeit verwandelte sich die Kathedrale in eine Barockkirche mit Stuck und Putten. „Ziemlich barock und total hässlich.” Erst Mitte des 19. Jahrhunderts habe es Überlegungen gegeben, die heutige Bischofskirche zu dem zu machen, was sie zu Kaiser Karls Zeiten einmal war, die Oktogon-Kapelle mit altgriechisch anmutenden Bildern zu versehen - eine Ikonographie des himmlischen Jerusalem. Mit 24 Königen, dem Ältestenrat, die ihre Kronen dem Himmelsherrscher schenken, dazu die vier Evangelisten - alle überlebensgroß.

Jean-Baptiste Bethune hatte sich mit seinen Entwürfen viel Mühe gegeben, die in den Jahren 1880 und 1881 umgesetzt wurden. Er benötigte viel Gold zwischen den Figuren - Goldmosaiksteinchen, die so eingefasst wurden, dass sie unterschiedlich je nach Lichteinfall leuchten. Und auch Hermann Schaper, der die „unteren” Mosaiken entwarf, hatte viel Arbeit mit seinen Bildern, die zwischen 1900 und 1901 fertiggestellt wurden.

„Die Handwerker waren damals auch unter Zeitdruck, denn Kaiser Wilhelm II. kam zu Besuch.” Der Herrscher hatte ziemlich viel Geld springen lassen und sollte schließlich auch das fertige Ergebnis sehen. Das untere Mosaik von Schaper habe seinerzeit 375.000 Goldmark gekostet, „das wären heute 650.000 Euro”. Jetzt koste allein das Gerüst, das in den letzten Sommerferien eingezogen wurde, 450.000 Euro.

„Die gesamte Innensanierung wird wohl etwa vier Millionen Euro kosten, was die Mosaikenreinigung kostet, können wir erst sagen, wenn wir fertig sind”, sagt Maintz und hofft, dass keine teuren Überraschungen mehr dabei sind.

Ohne die vielen kleinen Summen, die nach dem letzten Spendenaufruf in den „Nachrichten” eingegangen waren, hätte man wegen der Kosten die Arbeiten einstellen müssen. „Wir leiden immer unter Geldknappheit”, gibt Maintz zu und bittet wieder um Spenden aufs Konto 1000644060, Pax-Bank, BLZ 37060193.
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