Aachen - Aachener Dom: Dacharbeiten umfangreicher als geplant

Aachener Dom: Dacharbeiten umfangreicher als geplant

Von: Sabine Rother
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Ein Dach für zwei Millionen Euro: Mittlerweile ist der Dachbereich über dem Sechzehneck des Aachener Doms fertiggestellt. Foto: Harald Krömer
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Dombaumeister Maintz befindet sich im südlichen Abschnitt. Foto: Harald Krömer
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Ein Kunstwerk: Die Regenrinne aus Belgisch Granit muss Gefälleunterschieden angepasst werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ein zentraler Stahlträger sorgt dafür, dass der Windsog keine Chance mehr hat – eine ernste Sache auf den Dächern des Aachener Doms.

„Wir müssen mit Extremen rechnen, mit starken Stürmen, die sogar Tornado-Stärke haben“, sagt Dombaumeister Helmut Maintz und geht mit sicheren Schritten über die weite Dachfläche des Sechzehnecks, jenem Dachbereich, der den 16-seitigen Umgang des Oktogons jetzt wieder zuverlässig gegen alles schützt, was von außen kommen kann – und von innen.

Über dem Münsterplatz

„Wichtig ist auch die Belüftung des Kirchenraums, das hat man bei den vorherigen Sanierungen eher vernachlässigt“, erklärt Maintz. Zum Fest „30 Jahre Sanierung Aachener Dom“ Ende Mai konnte die rund zwei Millionen Euro teure Dachsanierung nicht abgeschlossen werden. Inzwischen hat die Südwestseite über dem karolingischen Mauergewölbe mit seinem typisch rosafarbenen Kalkmörtel-Verputz ihren frischen Dachstuhl erhalten, sind Blei und Schiefer zum Einsatz gekommen. Das Ergebnis ist sauber, solide und lässt kaum noch vermuten, was Maintz und sein Team bei Start der Arbeiten vorgefunden hatten: zerbröselndes Blei, marodes Holz, eine Dachpappe-Schicht, die mit dem Blei „verbacken“ und mit einer hochgiftigen Substanz getränkt war – zum Holzschutz.

Jetzt geht es mit voller Kraft an die Südseite, die dem Münsterplatz zugewandt ist, dort, wo der steinerne Erzengel Michael wacht. „Wir werden mit dem letzten drittel des Dachs in diesem Jahr noch fertig“, verspricht Maintz, der jeden Schritt in luftiger Höhe überwacht. Immer wieder klettert er mit Förderern und Sponsoren über die Gerüste, zeigt Materialproben und erläutert die beiden Klammerpflaster die im Stahlbeton ein flexibles Netz aus Karbonfasern tragen und damit die tiefen Erdbebenrisse zuverlässig und zugleich flexibel verschließen – eine Neuentwicklung der Instituts für Bauforschung der RWTH Aachen. Kleine Messstationen geben Aufschluss über seismische Aktivitäten. Nicht erklären kann Maintz einen handfesten eckigen Metallgriff, der aus dem Karbonpflaster ragt und im Dach tief verankert ist. „Es wäre mühsam, ihn zu entfernen, aber er schadet ja nicht.“

Auf dem Dach ist bei aller Zukunftstechnik gleichfalls Handarbeit angesagt, damit kein Wasser eindringen kann und die Dachabdeckung solide bleibt. Die Schräge ist in drei Stufen unterteilt, wobei jede dieser Stufen mit Blei abgerundet ist, das sich ausdehnen und zusammenziehen kann, aber keine Lücken oder etwa Risse entwickelt. Runde Hölzer liegen zwischen den Schindeln. Auch sie werden vom biegsamen Blei in einem weichen Schwung zu beiden Seiten hin ummantelt – da passiert nichts mehr und alles darf sich bewegen. Inzwischen verbirgt der Dachstuhl aus Fichtenholz nach und nach die karolingischen Spuren. Das Holz ist nicht imprägniert, die technische Trocknung hat ihm bereits alle Feuchtigkeit entzogen.

Arbeiten im Mittelalter

„Man kann an den Spuren aus der Bauzeit sehen, dass immer wieder neue Estrichschichten aufgebracht wurden“, streicht Maintz mit der Hand über die krümelnde, gerundete Oberfläche. „Im Mittelalter gab es kein Regendach. Arbeiter und Dachflächen waren der Witterung ungeschützt ausgesetzt, das Dach war in dieser Zeit undicht.“ Die irgendwann verschlossenen Lüftungsschächte gibt es wieder, die Belüftung wurde erneuert. „In der Luft des Innenraums reichern sich schädliche Gase an, Feuchtigkeit und sogar Absatzabrieb, die müssen abziehen können“, betont Maintz. Bis zu 15 Zentimeter breite Risse im oberen Rund nahe der Fenster werden mit Brocken aus schwärzlichem Glasschaumschotter verfüllt, der aus Altglas besteht, stabil auf Druck reagiert, Schädlinge abhält und nicht verrottet.

Ein Meisterwerk mit rund 80 Metern länge ist die gewaltige Steinrinne aus Belgisch Grant, die rund um das Dach verläuft. Stück für Stück hat man sie, unterstützt von CAD-Computertechnik, aus dem Stein geschnitten und zusammengesetzt. „Mit einer Stichsäge wie bei Laubsägearbeiten – nur größer“, erläutert Maintz. Dort galt es, mit diversen Gefälleunterschieden umzugehen. Immer wieder hat Maintz die Wasserwaage zur Hand genommen. Schließlich hatte man statt der zuvor geschätzten 25 insgesamt 44 Kubikmeter Granit verbaut.

Und wenn alles fertig ist? Die „pflegende Hand“ ist bereits aktiv. „Oktogon und Sechzehneck bewegen sich beständig zueinander, das ist ganz normal“, sagt Maintz. „Darauf müssen wir achten.“ Und bei der Inspektion der Chorhallenfassade hat der Dombaumeister neue Fugen entdeckt, die geschlossen werden müssen. Die vor 15 Jahren mit Kalkfarbe gestrichenen Maßwerke brauchen zudem eine Auffrischung.

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