Aachener Bischof schickte Kinderschänder in Pfarre

Von: Robert Esser
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Aachen. Nur scheibchenweise offenbart sich das Ausmaß der Missbrauchsskandale im Bistum Aachen. Mehr als ein halbes Dutzend Fälle, in denen Priester aus der Diözese in vergangenen Jahrzehnten des sexuellen Missbrauchs von Kindern überführt wurden, sind mittlerweile bekannt.

Dabei wurden rechtskräftig verurteilte Geistliche nicht nur im Einzelfall nach Verbüßung ihrer Strafe wieder im Pfarrdienst eingesetzt, obwohl das Generalvikariat von den Verbrechen unter dem Deckmantel der Kirche wusste. So landete 1988 ein Pfarrer (Name der Redaktion bekannt) vor Gericht, weil er einräumte, neun- und zehnjährige Mädchen unsittlich berührt zu haben.

Einige Quellen berichten, dass es sogar bei der Abnahme der Beichte bei Kommunionkindern sexuelle Übergriffe gegeben haben soll. Ein Mönchengladbacher Richter verurteilte den Pfarrer, der zuvor ein Jahr lang seiner pastoralen Dienste enthoben war, zu einer Geldstrafe von 3000 Mark und einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung.

Aber 1990 setzte ihn der Bischof - wohl wegen verschärften Priestermangels - trotz des nachgewiesenen Missbrauchs auf eine Pfarrstelle im Kreis Aachen. 1991 durfte er dort 25-jähriges Priesterjubiläum feiern.

Die Pfarrchronik schildert: „Die Kirchenchöre gestalteten dem Jubilar einen feierlichen Gottesdienst.”Aufgestiegen zum Präses, lud der Priester fortan bis zu 50 Kinder zum „geselligen Frühstück” ein. 2002 wurde der Mann, der auch im „Priesternotdienst” aktiv blieb, als Subsidiar in den Ruhestand geschickt. Er zog nach Köln, wohin er Mitglieder seiner alten Pfarreien bis 2008 immer wieder eingeladen hat.

Weitere Fälle möglich

Am Freitag erklärte Bistumssprecher Franz Kretschmann, man schließe nicht aus, dass weitere alte oder neue Missbrauchsfälle öffentlich werden.

Das Generalvikariat arbeite an einer Bestandsaufnahme. Seit Inkrafttreten einer neuen Leitlinie der Bischofskonferenz 2002 setze man definitiv keinen Geistlichen mehr im Pfarrdienst ein, der als Kinderschänder gelte, sagte er.

Im Zuge der Missbrauchsskandale und aktuellen Ermittlungen der hiesigen Staatsanwaltschaft gegen einen Pfarrer aus dem Bistum wurde Hans-Willi Winden zum Missbrauchsbeauftragten ernannt. Domkapitular Heiner Schmitz ist „Ansprechpartner für Mitbrüder, die bei sich selbst pädophile Tendenzen feststellen”.

Im jüngsten Brief an seine Mitarbeiter schreibt der seit 1998 amtierende Generalvikar Manfred von Holtum: „Ich bitte Sie, dazu beizutragen, dass in unseren Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen eine Kultur des aufmerksamen Hinschauens gepflegt wird.”
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