Aachen will nicht länger Provinz sein

Von: Michael Grobusch
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Von solchen Verhältnissen können Aachen und die Städteregion bislang nur träumen: Seit August 2004 bietet die Arena Kreis Düren optimale Bedingungen für größere Sport- und Kulturveranstaltungen. Foto: G. Jansen

Aachen/Düren. Das Thema ist mittlerweile zur Chefsache erklärt worden, ein Treffen auf höchster Ebene soll in der übernächsten Woche stattfinden. Dann wollen Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und Städteregionsrat Helmut Etschenberg ausloten, wie die Chancen für den Bau einer Mehrzweckhalle stehen.

Dass es eine solche in Aachen nicht gibt, ist ein seit vielen Jahren beklagtes Manko. Sportevents und Kulturveranstaltungen vor größerem Publikum finden stattdessen in der Arena Kreis Düren statt.

Sie hat das zu bieten, wovon das benachbarte Oberzentrum bislang nur träumen kann: eine mit modernster Technik ausgestattete, flexibel nutzbare Halle, die bis zu 2400 Zuschauern Platz bieten kann. Das wissen nicht nur die Powervolleys Düren bei ihren Bundesliga-Heimspielen zu schätzen, sondern auch bekannte Größen wie Wolfgang Niedecken, Bülent Ceylan und die Ehrlich Brothers – um nur einige Beispiele aus dem Veranstaltungskalender der nächsten Wochen zu nennen.

„Unsere Arena hat sich über die Jahre als eine große Bereicherung für Stadt und Kreis Düren erwiesen. Sie hat all unsere Erwartungen erfüllt. Obwohl die meisten Menschen nur die vielen hochkarätigen Sport- und Kulturveranstaltungen wahrnehmen, ist sie so erfolgreich, weil sie so viele verschiedene Nutzergruppen unter einen Hut bringt“, stellt Landrat Wolfgang Spelthahn, der den Bau initiiert hatte, zufrieden fest.

Im August 2004 wurde die rund elf Millionen Euro teure Arena fertiggestellt – finanziert von einem Schweizer Investor, der im Gegenzug Mietverträge mit Stadt und Kreis Düren über jeweils 25 Jahre abschloss. Seitdem verzeichnet die Arena laut Kreutzer eine hohe Auslastung. 15.000 Besucher verfolgen in der Summe pro Saison die Begegnungen der Powervolleys, zudem finden im Jahresverlauf weitere 20 Großveranstaltungen mit durchschnittlich 2200 Zuschauern statt. Zu den Nutzern gehört mittlerweile auch die Bundesliga-Lateinformation der FG Tanzsportzentrum Aachen/Düsseldorf, die hier ihre „Heimturniere“ austrägt.

Nicht nur sie, daraus macht er keinen Hehl, würde Helmut Etschenberg in Zukunft lieber wieder in Aachen begrüßen können. „Ich möchte Düren nichts wegnehmen. Aber ich akzeptiere einfach nicht, dass es für große Künstler und Sportvereine in der Städteregion Aachen keine vernünftigen Rahmenbedingungen gibt.“ Eine Kopie der Arena Kreis Düren schwebt ihm nicht vor: „Die Halle sollte schon etwas größer werden.“ 5000 Zuschauer sind dem Vernehmen nach im Gespräch.

Kein Investor in Sicht

Der Städteregionsrat hat das Projekt Mehrzweckhalle in sein „Strukturkonzept 2015 bis 2025“ aufgenommen, das zwar in erster Linie Einsparpotenziale für den städteregionalen Haushalt, aber eben auch Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen soll. Allerdings hat die Sache einen großen Haken: Anders als in Düren ist ein Investor bislang nicht in Sicht. Deshalb müssten sich die Protagonisten die Lasten teilen: Die Stadt würde das Grundstück stellen und die Erschließung sichern, die Städteregion die Trägerschaft und die Baukosten übernehmen. Als Standort wird der Sportpark Soers favorisiert. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Tivoli und Reitstadion gibt es zwei Optionen, die in den kommenden Wochen in den Ausschüssen der Stadt Aachen diskutiert werden sollen.

Derweil hat der Städteregionstag „seine“ Verwaltung mit der Erstellung einer Kosten-Nutzen-Analyse beauftragt. Der Text aus dem Strukturkonzept wurde allerdings modifiziert. Von einer „fernsehtauglichen Halle, die für überregionale Veranstaltungen mediengerecht genutzt werden kann“, ist nicht mehr die Rede. Stattdessen geht es nun um den „Bau einer Halle unter Beteiligung der Stadt Aachen“, die so konzipiert ist, „dass neben dem Schulsport auch Vereinssport und Veranstaltungen mit größerer Zuschauerzahl durchgeführt werden können“.

Das klingt ein Stück weit bescheidener und ist wohl dem Umstand geschuldet, dass die „fetten Jahre“ für die Städteregion vorbei sind. Bei seiner Gründung im Oktober 2009 war der Kommunalverband, dem zehn Städte und Gemeinden angehören, noch mit einer Ausgleichsrücklage von 57 Millionen Euro sowie 172 Millionen Euro Eigenkapital ausgestattet. Die Rücklage aber ist seit 2014 aufgebraucht und das Eigenkapital auf mittlerweile rund 80 Millionen Euro geschrumpft. Die Stadt Aachen kämpft mit noch viel größeren finanziellen Problemen. Kein Wunder also, dass die Pläne für eine Mehrzweckhalle am Ende am Geld scheitern könnten.

Für die „Ladies in Black“ wäre das fatal. Die Bundesliga-Volleyballerinnen des PTSV Aachen haben mit bescheidenen Mitteln bemerkenswerte Erfolge erzielt – allen voran die Teilnahme am Deutschen Pokalfinale vor fast genau einem Jahr. Doch die Infrastruktur hielt mit der sportlichen Entwicklung nicht mit. Eine Deckenhöhe von neun Metern, eine Zuschauerkapazität von mindestens 2500 sowie vier Tribünen, die bis zum Spielfeldrand reichen, fordert die Volleyball-Bundesliga (VBL) von ihren Vereinen. Die Heimat der „Ladies“, die Sporthalle Neuköllner Straße, hat all das nicht zu bieten, weshalb die Mannschaft ihre Heimspiele seit Jahren nur dank einer Ausnahmegenehmigung in Aachen austragen kann.

Heckert: Stehen unter Zugzwang

Auch für die kommende Saison wird die VBL wohl wieder eine solche Ausnahme machen. „Aber wir stehen unter Zugzwang“, betont Bastian Heckert. „Im Laufe der nächsten sechs Monate muss es ein belastbares Bekenntnis zum Bau einer neuen Halle geben“, fordert der PTSV-Geschäftsführer. „Sonst wird es ab der Saison 2017/18 wohl keine Volleyball-Bundesliga mehr in Aachen geben.“ Ob die Arena Kreis Düren eine Alternative darstellen könnte, lässt Heckert offen. „Der Umzug wäre in jedem Fall mit erheblichen Mehrkosten verbunden.“

Für Helmut Etschenberg und Marcel Philipp ist jedoch wichtig, dass es nicht nur um Volleyball geht. „Wir müssen multifunktional denken“, stellt Aachens OB klar. Und der Städteregionsrat betont, dass auch die Schulen berücksichtigt werden müssten. Von den Gesprächen der kommenden Monate, da ist Etschenberg sicher, wird für Aachen und die Städteregion sehr viel abhängen: „Das ist die vielleicht letzte Chance, einen Veranstaltungsort zu schaffen, der langfristig einen Mehrwert hat und von dem die Bevölkerung in ihrer Breite profitiert.“

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