Aachen und die Welt: Da geht noch nichts

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
6791038.jpg
Stolz auf 30 Jahre Wachstum: ATS-Geschäftsführer Werner Schlösser. Foto: Schmitter

Aachen. Deutschland hat ein beträchtliches touristisches Potenzial, das reichlich brach liegt: sein Unesco-Weltkulturerbe. 38 Welterbestätten gibt es zwischen Alpen und Nordsee, vier allein in NRW. Zu ihnen gehört der Aachener Dom.

Deshalb ruft die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) für 2014 das Unesco-Themenjahr aus; die deutschen Welterbestätten sollen weltweit, vor allem auch in China, Japan, Kanada und den USA beworben werden. Doch in Aachen findet diese Initiative keine Freunde, man konzentriert sich lieber auf das anstehende Karlsjahr anlässlich des 1200. Todestags von Karl dem Großen.

Aachener Dom auf Platz 6

Für Werner Schlösser, Geschäftsführer des als Verein firmierenden Aachen Tourist Service, gibt es „keinen besonderen Grund“, verstärkt auf das Aachener Weltkulturerbe zu setzten. „Das machen wir schon seit 25 Jahren“, sagt er, außerdem hätten alle touristischen Bemühungen Aachens immer den Dom als erstes im Blick.

Zurecht, denn der Aachener Dom gehört neben dem Kölner und der Zeche Zollverein zu den bekanntesten deutschen Welterbestätten überhaupt. Laut einer Studie der Landesmarketingorganisation für alle 16 Bundesländer belegt der Kölner Dom beim Bekanntheitsgrad Platz 1, das Aachener Gotteshaus Platz 6, Zeche Zollverein Platz elf. Das vierte Welterbe in NRW – die Brühler Schlösser Augustusburg und Falkenlust – rangiert auf Platz 34.

In Anzeigen, Online-Werbung und redaktionellen Beiträgen wird im nächsten Jahr in aller Welt auf die deutschen Welterbestätten aufmerksam gemacht. Für die Vermarktung im Ausland sehen Tourismusexperten nämlich erhebliches Potenzial, aber auch Defizite beim Bekanntheitsgrad und Marketing. Deshalb müssten vor allem Serviceangebote wie Online-Buchungen und -Shops sowie die Präsenz in den Sozialen Netzwerken ausgebaut werden, heißt es.

Vermarktung im Ausland

Für eine erfolgreiche Vermarktung der Welterbestätten im Ausland sollten sie zielgruppenspezifisch in sogenannten „Clustern“ beworben werden, empfehlen die Experten vom schleswig-holsteinischen Institut für Marketing und Tourismus. Kölner und Aachener Dom seien als „Kirchen, Klöster, religiöse Stätten“ vor allem in Ländern mit ausgeprägter kirchlicher Tradition wie Frankreich, Italien, Spanien von Interesse. Die Zeche Zollverein stünde für „Industriearchitektur und technische Denkmäler“ – interessant vor allem für Australien, China, USA und Japan, da dort das Thema Technik mit Deutschland assoziiert wird. Und „Schlösser, Parks und Gärten“ sollten in Ländern beworben werden, die Deutschland in erster Linie als Kulturnation sehen und ein ausgeprägtes Interesse an Burgen und Schlössern haben.

Gemeinsame Werbung

Nordrhein-Westfalen hat von allem etwas und wird im Rahmen des Themenjahrs gemeinsam für seine vier Welterbestätten werben – und zwar online, in Sonderveröffentlichungen und mit Flyern, im Inland und in den Quellmärkten England, Niederlande und Belgien. Auch im Kulturreisemagazin der DZT, das auch in Italien, Griechenland, China, Japan, Kanada und den USA erscheint, werden Gemeinschaftsanzeigen der vier NRW-Erbestätten erscheinen.

„Das Unesco-Themenjahr soll den Übernachtungstourismus in Nordrhein-Westfalen fördern“, sagt Julie Sengelhoff, Pressesprecherin von NRW-Tourismus. Weshalb man den Fokus auch auf Kombiangebote lege. So planen die Barockschlösser in Brühl ein buchbares Paket in Zusammenhang mit der Landesgartenschau in Zülpich (Laga), wo ein Miniaturbarockgarten angelegt werden wird sowie mehrere Ausstellungen zum Thema. „Wir wollen mit unseren Aktionen verdeutlichen, dass ein Weltkulturerbe kein normales Denkmal ist, sondern etwas Lebendiges“, sagt Christiane Winkler von der Schlösserverwaltung.

Unter dem Motto „Heiliges Köln“ werden die Kölner Touristiker die Geschichte ihrer Stadt in vielen Facetten und an vielen Orten erzählen – vom Dom über die Romanischen Kirchen bis hin zur Synagoge und neuen Moschee. Zum Thema passende Souvenirs wie das Dom-Shirt von Designerin Eva Gronbach gibt es ebenso wie zweisprachige Flyer. Die Zeche Zollverein wird den Unesco-Welterbetag am 1. Juni mit einem Sonderprogramm rund um das Thema Welterbe begehen. Daneben sind wie immer viele, attraktive Veranstaltungen sowie die Sonderausstellung „1914 – Mitten in Europa“ in Essen geplant.

Allein Werner Schlösser von Aachen Tourist Service sieht keine Veranlassung, sich wegen des Themenjahrs ein Bein auszureißen. Der Aachener Dom habe einfach einen anderen Stellenwert als andere Erbestätten, und brauche eigentlich kein Themenjahr. „Wir konzentrieren uns voll und ganz auf das Karlsjahr.“ Auf dem Programm stehen drei Teilausstellungen zum Thema „Karl der Große. Macht. Kunst. Schätze“, die große Heiligtumsfahrt, die nur alle sieben Jahre stattfindet und 600 Jahre Chorhalle. Irgendwie findet Schlösser die Initiative sogar überflüssig, da die DZT „schon immer mit den Welterbestätten geworben“ habe. Aber gut, sagt er, „wir machen da ein bisschen mit“, und setzt auf Bewährtes: zum Beispiel auf die Pauschalangebote „Aachen klassisch“ und „Aachen vielfältig“, neben der CHIO-Pauschale die meistgebuchten. „Meistgebucht“ macht sich bei näherem Hinsehen indessen recht kläglich aus: Für die sieben Favoriten unter den rund 20 Aachener Arrangements verzeichnete Werner Schlösser in den ersten neun Monaten des Jahres ganze 207 Buchungen. Im nächsten Jahr gibt es noch drei weitere Pauschalen: „Auf den Spuren des Kaisers“, „Karl der Große“ und „Karlsjahr 2014 in Aachen“ – allesamt ausschließlich während der Karls-Ausstellung (20. Juni bis 21. September) zu buchen.

Aber Pauschalen, meint Werner Schlösser, seien auch nicht dazu da, Übernachtungen zu generieren. Sie seien eher „Reiseideen“, ein „reines Marketinginstrument“. Wenn das stimmt, bräuchte Aachen sich angesichts der Vielzahl seiner „Reiseideen“ für Städtetouristen ja keine Sorgen machen.

Doch die nach wie vor schwächelnden Aachener Übernachtungszahlen belegen anderes: 2011 gab es 645.518 Hotelübernachtungen, 2012 waren es 633.559, in diesem Jahr weist die Hotelstatistik bis September 477.000 Übernachtungen aus. Hochgerechnet aufs ganze Jahr käme Aachen 2013 so auf 636.462 Hotelübernachtungen. Das kleine Plus wurde hier allerdings vor allem dank des neu eröffneten Ibis Budget-Hotels erreicht.

So muss man die von Werner Schlösser kürzlich stolz verkündete Marke von 900.000 Übernachtungen etwas genauer betrachten. Die Zahl ist erstens hochgerechnet, zweitens kräftig aufgerundet, und drittens kommt sie nur aufgrund der seit 2012 einrechneten Zahlen anderer Beherbergungsbetriebe zustande. Und da haben 2013 in erster Linie die Aachener Kurkliniken stark zugelegt.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert