„Aachen Olé“: Ärger über Absage des Schlagerfestivals

Von: Madeleine Gullert und Marc Heckert
Letzte Aktualisierung:
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Rund 20.000 Besucher hatten im vergangenen Jahr in der Aachener Soers gefeiert. Foto: Andreas Steindl
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Rund 20.000 Besucher hatten im vergangenen Jahr in der Aachener Soers gefeiert.

Würselen. Statt „Aachen Olé“ heißt es nun „Aachen ade“. Die große Schlagerparty im September fällt aus, wie Veranstalter Markus Krampe am Donnerstag völlig überraschend bekanntgab. „Die Behörden haben ,Aachen Olé‘ kaputtgemacht.“ Und im Netz diskutieren sich Fans und Gegner die Köpfe heiß.

Die Region Aachen sei ihm nicht wohlgesonnen, bei dem Wort „Aachen Olé“ bekäme er inzwischen Zahnschmerzen, sagte Krampe. Zwei Mal hatte das Schlagerfestival in der Aachener Soers stattgefunden, am 12.September sollte auf dem Flugplatz in Merzbrück in Würselen gefeiert werden. Daraus wird nun nichts. Ab 2016 gebe es aber „Mönchengladbach Olé“.

Die Absage sei „sehr bedauerlich“, doch nach Gesprächen mit den zuständigen Behörden habe sich sein Team der Pro Event Entertainment GmbH dazu entscheiden müssen. Die Gründe für Krampes Absage: Er fühle sich von der Stadt nicht unterstützt, mehr noch „unerwünscht“.

Außerdem kritisierte er die seiner Ansicht nach übertrieben hohen Sicherheitsauflagen. Die Stadt Würselen verlange wie Aachen im Vorjahr, dass Krampe ein Sicherheitskonzept für 50.000 Leute auslege – obwohl in Aachen höchstens 30.000, in Würselen nur 20.000 Besucher Platz haben.

Die Stadt Würselen zeigte sich am Donnerstag überrascht, als sie über unsere Zeitung von der Absage erfuhr. „Der Veranstalter hat uns das noch nicht mitgeteilt“, sagte Sprecher Bernd Schaffrath. Man habe auch kein Sicherheitskonzept für 50.000 Besucher verlangt. Ob Krampe unerwünscht sei? „Gefühle kann ich nicht kommentieren.“

Krampe sieht durch die Stadt seinen Ruf geschädigt. Seit der Sprecher gegenüber Medien erwähnt hatte, dass es keine Genehmigung für „Aachen Olé“ gebe, sei der Kartenverkauf eingebrochen. Etwa 6000 Karten sind verkauft. Es sei richtig, dass die Veranstaltung noch nicht genehmigt sei, wenn man das öffentlich sage, müsse man aber auch erklären, dass das üblich sei, moniert Krampe.

Dass späte Genehmigungen tatsächlich gang und gäbe sind, bestätigt die Pressestelle der Stadt Oberhausen. Dort hatte Krampe mit 30.000 Besuchern am vergangenen Wochenende „Oberhausen Olé“ gefeiert. „Die letzte Genehmigung wird erst kurz vorher erteilt, nach einer Begehung, bei der etwa die Fluchtwege begutachtet werden“, sagte Sprecher Martin Berger. An den Sicherheitskonzepten gebe es nie etwas zu beanstanden.

Die Situation erinnert an den Ärger, den die Stadt Aachen mit Krampe vor einem Jahr hatte. Wochenlang gab es in der Soers Streit um die Sicherheitsauflagen. Erst wenige Stunden vor Beginn des Festivals gab die Stadt ihr Okay.

„Auch die Veranstaltung in Würselen wäre genehmigt worden“, ist sich Krampe sicher. Im Notfall hätte er das vor Gericht durchgesetzt. „Unser 300 Seiten langes Konzept ist stimmig und erfüllt alle üblichen Sicherheitsauflagen.“ Das Ordnungsamt habe aber moniert, die 300 Seiten Konvolut nicht durcharbeiten zu können. „Dann muss so ein Beamter halt mal nicht freitags um zwölf Uhr nach Hause gehen“ , sagte Krampe, der dem Ordnungsamt in Würselen vorwarf, von einer Großveranstaltung überfordert zu sein.

Das macht Schaffrath „zornig“. Noch am Vortag habe es mit Krampe eine große Runde zum Thema Verkehrssicherheit gegeben. „Das war alles sehr einvernehmlich – und professionell.“ Krampe habe aber nie nachweisen können, dass es eine Zusage des Flugplatzbetreibers gab.

Krampe sei willkommen gewesen, sagte Uwe Zink, Geschäftsführer der Flugplatz Merzbrück GmbH. Die Absage sei „schade“. Krampe habe mit seinem forschen Verhalten für Irritationen gesorgt. So etwas kenne man in Würselen nicht. Eine weitere Annäherung wird es wohl nicht geben. Das Kapitel „Aachen Olé“ ist für den Veranstalter beendet. Nachdem er bereits 300.000 Euro in die Veranstaltung gesteckt habe, wolle er nicht mit einem „Totalschaden“ aus der Sache gehen.

Unter den Schlagerfans der Region löste die Absage ebenso heftige wie unterschiedliche Reaktionen aus. Zehntausende Facebook-Nutzer lasen unseren Text, Hunderte teilten ihn an ihre Freunde und Bekannten, die Kommentare in Diskussionsgruppen und auf Fanseiten gingen im Sekundentakt ein.

Der Beitrag von John B. auf der Facebookseite unser Zeitung „echt schade für Aachen!“ zählte noch zu den mildesten Reaktionen, andere gingen hart mit den Behörden ins Gericht. Viele andere Leser äußerten aber auch Verständnis. So schrieb etwa Sandra G. auf Facebook: „Wenn das Sicherheitskonzept nicht zu 100% stimmt, haben wir dann hier Loveparade 2010.

Ein Trost bleibt den Schlagerfans aus der Region: Ab dem kommenden Jahr soll das Festival regelmäßig in Mönchengladbach stattfinden. Veranstalter Krampe gab an, dort einen Fünfjahresvertrag unterschrieben zu haben.

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